Mittwoch, 15. Juli 2009
Grenzüberquerung.
Ich hatte mich entschieden den 3-Tages-Bus nach Buenos Aires, anstatt des 6-Stunden-Flugzeuges, zu nehmen. Der Hauptgrund meiner Entscheidung lag an der Hälfte des Preises für das Busticket gegenüber dem Flugticket, ein anderer Grund war, dass ich nach der Busreise den zweifarbigen Chile-Stempel, der mir noch in meiner Sammlung im Reisepass fehlte, haben würde. Und dafür müsste ich ja lediglich eine Grenze überqueren – und das hatte ich ja schon so oft gemacht, in Südamerika. Dauert fünf Minuten – kein Stress. Denkste! Als ich morgens im Bus aufwachte, waren wir kurz vor der peruanischen Grenze. Ich war noch ziemlich schlaftrunken als wir aussteigen sollten um zu frühstücken und Geld zu wechseln. Also frühstückte ich meine sämtlichen mitgebrachten Sachen – denn nach Chile darf man weder Brot, noch Käse, noch frisches oder getrocknetes Obst einführen. Danach stiegen alle wieder in den Bus und als wir die Grenze erreichten hieß es „Alle raus und in einer Schlange aufstellen!“ Huch, solche Töne kennt man ja von den sonst so liebenswürdigen freundlichen Peruanern gar nicht. Und so ging es weiter. Als ich nach ewiger Warterei mit einer anderen Frau zusammen in das Durchsuchungszimmer aufgerufen wurde, hieß es „Rucksack auf dem Stuhl abstellen und öffnen!“ Als alles durchsucht war, sagte sie „Und jetzt urinieren!“ „Ähm, wie bitte? Was soll ich machen?“ „Urinieren! Oder haben Sie Drogen zu verbergen?“ Hatte ich natürlich nicht, aber ich hatte einen Sol dafür ausgegeben vor der Grenze noch mal auf die Toilette zu gehen... Hätte ich das mal vorher gewusst! Also setzte ich mich auf das im winzigen Zimmerchen stehende Klo und die zwei Frauen warteten, bis es plätscherte. Verstößt das nicht gegen irgendwelche Menschenrechte? Dürfen die mich einfach so zwingen aufs Klo zu gehen und dabei zuhören? Naja, egal – Hauptsache die blöde Durchsuchung ist bald vorbei. Nach der Körperdurchsuchung wurde mein großer Reiserucksack durch die Made-in-Germany-Röntgenmaschine geschoben und ich stieg wieder in den Bus, denn es war ja jetzt alles vorbei. ...bis ich aufgerufen wurde. Mein Rucksack sollte kontrolliert werden! Hä? Sind die bescheuert? Röntgen reicht wohl nicht? Also stieg ich wieder auf dem Bus und die „nette“ Dame raunte mich bereits erneut mit „Rucksack öffnen!“ an. Und dann packte sie doch tatsächlich meinen Rucksack aus! Komplett! Ich hatte geschlagene dreißig Minuten gebraucht den Rucksack so zu packen, dass alles passte und ich ihn verschließen konnte und sie schmiss einfach alles raus. Bis sie auf meinen Reithelm stieß. „Was ist das?“ fragte sie darauf klopfend. „Ein Reithelm.“ „Ein Reithelm?“ Nein, eine getrocknete Schildkröte in der ich Koks versteckt habe. Natürlich ist das ein Reithelm, wenn ich es sage. An der Stelle, war ich schon mehr als sauer. Und dann zerrte sie den Helm heraus. In dem Helm hatte ich alle zerbrechlichen Gegenstände verstaut, die ich in Cuzco gekauft hatte und die nicht zerbrechen sollten. Wie z.B. eine kleine handbemalte Tondose, nach der ich ganze drei Tage auf sämtlichen Märkten suchte, ehe ich das perfekte Motiv fand. Sie fiel beim Rauszerren des Helmes zurück in den Rucksack und zerbrach in zwei Teile. So, und damit hatte ich genug! Was soll der Scheiß? Reicht Röntgen nicht? Muss sie alles rausschmeißen und die Hälfte dabei kaputt machen? Ich hätte sie so gern angeschrieen und beschimpft, aber leider kenne ich nur drei spanische Schimpfwörter und für die hätte sie mich wahrscheinlich gleich für mehrere Tage da behalten... Also schmetterte ich die Dose auf den Boden, die daraufhin in alle Teile zersprang, und um die Dramatik zu steigern, und weil ich außerdem noch so müde war, fing ich an zu heulen. Und daraufhin hörte sie auf zu wühlen und die Durchsuchung war beendet. Na geht doch! Dumme frustrierte Alte! Soll sich einen anderen Job suchen, wenn ihr der keinen Spaß macht. Nach einer viertel Stunde hatte ich meinen Rucksack wieder gepackt und wir konnten weiter fahren. An der chilenischen Grenze sollten wir wieder aussteigen und uns in einer Reihe aufstellen. Außerdem sollten wir alle Gepäckstücke in eine Reihe auf den Boden legen. Und dann kamen vier Drogenspürhunde und machten sich über das Gepäck her. Ein Rucksack schien dem einen Hund nicht zu gefallen und er fing heftig an zu scharren – meiner. „Wessen Rucksack ist das?“ „Meiner.“ „Bitte mitkommen.“ Aha, ein bitte und ein Lächeln. Na wenigstens gibt es auf der anderen Seite der Grenze freundliche Behörden. „Haben Sie Drogen konsumiert? Marihuana? Kokain?“ „Nein, aber ich hatte Kokablätter in dem Rucksack. Aus Bolivien. Wegen der Höhe.“ „Na dann schauen wir mal.“ Und tatsächlich waren in meinem Rucksack noch zwei Kokablättchen aus Bolivien. Der Polizist lachte als er sie fand und sagte mir, dass die Hunde bereits bei solchen kleinen Mengen anschlagen, aber das alles in Ordnung sei. Und dann packte er meinen Rucksack wieder so ein, wie er war und trug mir sogar noch den großen, der mittlerweile sechsundzwanzig Kilos wiegt, zum Bus. Also zwei Sachen weiß ich jetzt nach der ganzen Aktion: chilenische Polizisten sind sehr viel freundlicher als peruanische UND wenn ich noch mal nach Peru fliege, was ich auf jeden Fall vorhabe, dann mache ich definitiv keinen Ausflug nach Chile.
Auf den Spuren der Inka.
Was seit La Paz geschah:
Während meines Genesungsaufenthaltes in La Paz habe ich Lili (22) und Daniel (23) kennen gelernt. Beide waren aus Deutschland und so konnte ich endlich mal das Klischee erfüllen, dass Deutsche immer nur zusammen mit anderen Deutschen in Gruppen reisen.
Mit den beiden reiste ich nach Copacabana, das bereits dritte Mal für mich. Wir buchten ein Hostel mit Meerblick und erkundeten den kleinen Ort von unten und oben (siehe Foto).
Dieses Foto entstand auf dem Aussichtsberg, von dem man einen 360° Blick auf den Titicacasee und Copacabana hatte. Lili und ich bestiegen ihn am Nachmittag und warteten, bis die Sonne hinterm Horizont verschwand.
Am nächsten Tag fuhren wir morgens mit dem Boot auf die "Isla del Sol". Auf dieser Insel soll die Sonne geboren worden sein und außerdem sind die Eltern des ersten Inka aus dem heiligen Stein, der mit viel Fantasie die Form eines Pumas hat, entsprungen.
Die nächste Station war Cuzco, im heiligen Tal der Inka, in Peru. Und da die Stadt einen Katzensprung vom Machu Picchu entfernt ist, machten wir uns eines Abends auf den Weg. Nach einer siebenstündigen Bus- und Taxifahrt und einer anschließend fünfstündigen Wanderung erreichten wir 3 Uhr nachts die besterhaltene Inkastätte der Welt und konnten noch zwei Stunden schlafen, bevor die Eingänge öffneten.
Und das war dann die Belohung für die ganze Wanderei.
Und, nachdem wir den benachbarten Wayna Picchu bestiegen hatten, konnten wir die Inkastätte von oben bestaunen.
Das ist ein Teil des Weges den wir auf uns nahmen um nach ganz oben zu kommen.
Nachdem Daniel und Lili weiterreisten, blieb ich noch ein bisschen im heiligen Tal und schaute mir weitere Inkastätten mit interessanten Inkasteinmöbeln, wie diesem Sofa in Pisaq, an.
Schließlich verließ ich das Inkatal und fuhr in die Landeshauptstadt Lima.
Dort besuchte ich Lauras Familie und hatte fünf tolle Tage mit ihnen. Außerdem wurden mir jeden Tag die leckersten peruanischen Gerichten gekocht und mir jeder Wunsch von den Augen abgelesen. Hier sitzen Raquely, Sebastian, Natalia, Richard und Terry mit mir am Tisch und essen Meerschwein, das man natürlich mal probiert haben muss, wenn man Peru bereist.
Ja, ein glückliches Meerschweinchen sieht anders aus. :)
Am Strand in Miraflores lernte ich ein ganz anderes Lima kennen. Hochhäuser, Shoppingmalls und Paraglider, wohin das Auge blickt. Da gibt es nichts, was es nicht gibt - solange der Geldbeutel gut gefüllt ist...
Mittwoch, 24. Juni 2009
Überlebt und trotzdem krank.
Kurzer Zwischenbericht aus dem Internetcafé:

Tja und kaum hatten Nick und ich am Montag aus dem Hostel ausgecheckt und waren in Copacabana angekommen, bekam ich (ja, jetzt folgen alle schlimmen Details) Durchfall, Übelkeit, Magenkrämpfe und Blähungen. Also nahm ich Durchfalltabletten, aß zum Abendbrot nur eine Suppe und hoffte auf Besserung. Da diese sich jedoch nicht einstellte, verbrachte ich den gesamten Dienstag lesend und fernsehend im Bett und versuchte mich nicht zu bewegen, da jede Bewegung einen neuen Magenkrampf auslöste. Letztendlich fuhr ich heute morgen zurück nach La Paz und stellte mich mal dem Doktor vor. Bringt ja alles nichts, dachte ich mir. Diagnose: Magenverstimmung. Behandlung: Ein Haufen Medikamente. Jaja, was so ein paar kleine Bakterien alles anrichten können! Ich denke, ich bleibe morgen in La Paz und fahre am Freitag noch einmal, dann allerdings hoffentlich gesund, nach Copacabana. Der Titicacasee ist nämlich, von dem was ich bis jetzt gesehen habe, ziemlich schön. :)
Die Fahrradtour habe ich, trotz Muskelkater, erfolgreich überlebt und bin sogar nicht einmal gestürzt! ;) Hier sind mal zwei Fotos aus dem Netz zur besseren Vorstellung der "Death Road":

Tja und kaum hatten Nick und ich am Montag aus dem Hostel ausgecheckt und waren in Copacabana angekommen, bekam ich (ja, jetzt folgen alle schlimmen Details) Durchfall, Übelkeit, Magenkrämpfe und Blähungen. Also nahm ich Durchfalltabletten, aß zum Abendbrot nur eine Suppe und hoffte auf Besserung. Da diese sich jedoch nicht einstellte, verbrachte ich den gesamten Dienstag lesend und fernsehend im Bett und versuchte mich nicht zu bewegen, da jede Bewegung einen neuen Magenkrampf auslöste. Letztendlich fuhr ich heute morgen zurück nach La Paz und stellte mich mal dem Doktor vor. Bringt ja alles nichts, dachte ich mir. Diagnose: Magenverstimmung. Behandlung: Ein Haufen Medikamente. Jaja, was so ein paar kleine Bakterien alles anrichten können! Ich denke, ich bleibe morgen in La Paz und fahre am Freitag noch einmal, dann allerdings hoffentlich gesund, nach Copacabana. Der Titicacasee ist nämlich, von dem was ich bis jetzt gesehen habe, ziemlich schön. :)
Samstag, 20. Juni 2009
Ein paar Tage Hostelerholung.
Nachdem Nick, Daniel und ich ein paar schöne Tage in Sucre verbracht hatten, verabschiedete sich Daniel von uns, da er es ein bisschen eiliger hatte als wir. Dafür lernten wir Miriam kennen, die unsere neue Zimmermitbewohnerin wurde. Am Dienstag war ich diejenige, die sich verabschiedete. Nick wollte seinen Geburtstag in Sucre feiern und Miriam wollte sogar noch einige Wochen in Sucre bleiben. Ich fuhr mit dem Nachtbus nach La Paz und kam am Morgen an. Nachdem ich einen Taxifahrer gefunden hatte, der die Adresse auf meinem Notizzettel kannte, wurde ich zu Anja, der Frau meines Exschülers Gonzalo, in die "Zona Sur" - dem teuersten Stadtviertel La Paz' - gefahren. Marga, das Hausmädchen, und Adriano, der 9-jährige Sohn Gonzalos, begrüßten mich herzlich und zeigten mir gleich das Haus. Ich bekam Frühstück gemacht, durfte sofort heiß duschen und fühlte mich rund um wohl. :) Ich verbrachte ein paar schöne Tage mit Anja, Adriano und Jarek, dem 3-jährigen Sohn Gonzalos. Wir spielten zusammen (dank Jarek weiß ich jetzt auch endlich, wie man "Autos" spielt), aßen zusammen (es gab deutsches Brot!!!) und redeten jeden Abend lange, bevor wir müde ins Bett gingen. Tagsüber traf ich mich mit Nick in der Stadt und erkundete das Zentrum. Wir schlenderten über den Hexenmarkt, bestaunten den schneebedeckten Illimani und buchten eine Fahrradtour für Sonntag auf der gefährlichsten Straße der Welt. Mittlerweile ist das wahrscheinlich nicht mehr ganz richtig, denn dank einer neu gebauten Umgehungsstraße gibt es keinen Verkehr mehr auf der Strecke - man fährt lediglich 80 Kilometer und überwindet dabei 3000 Höhenmeter. Ich bin gespannt auf morgen und gehe jetzt mal lieber schlafen, damit ich fit für den Höllenritt bin. ;)
Sonst noch was?
- Mein Rucksack wiegt 25 kg und ich musste bei meiner letzten Busreise tatsächlich 5 Bolivianos wegen Übergepäck zahlen!
- Mein Rucksack wiegt 25 kg und ich musste bei meiner letzten Busreise tatsächlich 5 Bolivianos wegen Übergepäck zahlen!
- Wir haben Daniel in La Paz wieder getroffen. Er muss jetzt hier bleiben und jeden Tag zum Arzt gehen, weil er auf der Radtour, die Nick und ich morgen machen, gestürzt ist. Aber das war bei dem trotteligen Daniel auch nicht anders zu erwarten...
- Ich musste heute schweren Herzens bei Anja ausziehen, weil sie Besuch von ihrer Mama bekommt. Darum wohne ich in einem Partyhostel in La Paz und hoffe, dass es heute Nacht nicht ganz so laut wird...
Ach ja. Und natürlich Fotos:
Ach ja. Und natürlich Fotos:
Lamaföten und andere Glücksbringer.
Jedes Land hat seinen eigenen speziellen Aberglauben - in Bolivien bringen getrocknete Lamaföten Glück. Nein, man hängt sie sich nicht etwa um den Hals, man vergräbt sie unter der Türschwelle eines neu gebauten Hauses. Dadurch soll das Haus vor Einsturz oder Naturgewalten bewahrt werden und Jahrhunderte überdauern. Bauarbeiter setzen keinen Stein auf den anderen, solange nicht ein Lamafötus unter dem Fundament in der Erde liegt! Bei größeren Bauwerken allerdings reicht so ein ungeborenes Lama nicht aus, da muss etwas Größeres her. Und so verbuddelt man nicht etwa ein ausgewachsenes Lama, nein, man benutzt die höchste Schöpfung Gottes als Glücksbringer: den Menschen. Jedoch nicht etwa getrocknet, sondern lebendig. Da es in La Paz genug Bettler und Obdachlose gibt, fällt es nicht schwer einen oder zwei geeignete Opfer zu finden. Man fängt sie ein und macht sie betrunken - und schließlich vergräbt man sie bei lebendigem Leib. Man munkelt, dass unter der gewaltigen Brücke, die „Miraflores“ mit dem Nachbarstadtteil verbindet, sogar mehr als zwei Menschen vergraben wurden. Na dann können wir nur abwarten, wie viele Jahre die Brücke überdauert...
Samstag, 13. Juni 2009
Dünne Luft.
Meine Reise dauert bereits dreizehn Tage und endlich habe ich mal ein Hostel mit kostenlosem Internet gefunden, in dem man gedankenlos surfen kann!
Allerdings bin ich nicht gerade in Schreiblaune, da ich mit meinem Reisetagebuch, das um einiges ausführlicher ist als der Blog, hinterher hänge. Die letzten Tage verweilte mein Laptop in meinem Rucksack, weil ich entweder im Bus oder in der Wüste saß. …aber mal von vorne.
Am ersten Juni ging es mit Tabea ins Dreiländereck Paraguay-Argentinien-Brasilien. Wir hatten drei Tage Zeit um uns den zweitgrößten Staudamm und die flächenmäßig größten Wasserfälle der Welt anzuschauen. Ich hatte meine erste Couchsurfingerfahrung in Brasilien. Wir schliefen zwei Nächte bei Edi, einem netten Brasilianer, der sehr schlecht Spanisch und kein Englisch konnte. Es waren zwei lustige Abende und ich muss sagen, dass ich irgendwann noch mal nach Brasilien zurückkehren muss…
Die nächsten drei Tage verbrachten wir im Bus. Mehr muss ich dazu wohl nicht sagen…
Am sechsten Tag der Reise erreichten wir endlich die südbolivianische Stadt Uyuni und buchten eine dreitägige Wüstentour. Anschließend nahmen wir eine heiße Dusche und schliefen ein. Es war arschkalt! Und das blieb dann auch die nächsten Tage so!
Wir fuhren zu siebt mit einem Jeep in die Salzwüste Salar de Uyuni, bestaunten am ersten Tag die Kakteeninsel mitten im ehemaligen Salzsee und schliefen in einem Salzhotel – ohne Heizung und heißer Dusche nur gegen Bezahlung wohlgemerkt. Zum Glück sind es nachts im Winter (ja, wir haben gerade Winter) in der Wüste nicht weniger als -20°C… Den nächsten und übernächsten Tag verbrachten wir damit die Wüste und die anliegenden Dörfer zu erkunden. Wir bestaunten Flamingolagunen, die auf Grund der Kälte leider ohne Flamingos waren, Geysire und einen Eisenbahnfriedhof. Am Abend des neunten Tages waren wir wieder in Uyuni und es konnte endlich wieder heiß geduscht werden! Tabea machte sich wieder auf den Weg nach Asunción und ließ mich mit meiner neuen Reisebegleitung, dem 22-jährigen Nick aus England und dem 26-jährigen Daniel aus Australien, allein. Mittwoch Morgen brachen wir nach Potosi, der höchstgelegenen Stadt der Welt, auf. Auf der sechsstündigen Busreise schaffte ich es endlich meine komplette Reise zu planen – diesmal inklusive der Busfahrten, die ich bei der letzten Planung einfach mal ignoriert hatte…
Nach einer warmen Nacht im besten Hostel, in dem ich bis jetzt war (MIT Heizer im Zimmer UND heißen Duschen) und einem super Frühstück brachen Nick, Daniel, zwei israelische Mädchen, die wir auf der Busfahrt kennengelernt hatten, und ich zur Minentour auf. Da ich in meinem Leben schon in vielen Minen war, stellte ich mir diese Mine nicht sehr anders vor, als die, die ich schon kannte. Denkste! Teilweise mussten wir durch die Schächte kriechen! Sauerstoffzufuhr gab es auch nicht. Und dann auch noch die Höhe... Es ist erstaunlich, dass es Menschen gibt, die unter solchen Bedingungen arbeiten müssen! ...zum Glück sind es nicht mehr so viele, wie noch vor einigen Jahrzehnten...
Seit gestern Nachmittag sind wir in Sucre, der Hauptstadt Boliviens, deren Altstadt seit 1991 den UNESCO Weltkulturerbetitel trägt - und das zu Recht. Wie schön die Stadt wirklich ist, werde ich heute erkunden.
Aktuelle Feststellungen:
- Südamerika ist im Winter arschkalt!!!
- In knapp 4000 Metern Höhe ist Laufen ziemlich anstrengend.
- Kokablätter helfen wirklich wahnsinnig gut gegen höhenbedingte Kopfschmerzen und Übelkeit.
- Reisen kostet mehr Energie als erwartet.
Am ersten Juni ging es mit Tabea ins Dreiländereck Paraguay-Argentinien-Brasilien. Wir hatten drei Tage Zeit um uns den zweitgrößten Staudamm und die flächenmäßig größten Wasserfälle der Welt anzuschauen. Ich hatte meine erste Couchsurfingerfahrung in Brasilien. Wir schliefen zwei Nächte bei Edi, einem netten Brasilianer, der sehr schlecht Spanisch und kein Englisch konnte. Es waren zwei lustige Abende und ich muss sagen, dass ich irgendwann noch mal nach Brasilien zurückkehren muss…
Die nächsten drei Tage verbrachten wir im Bus. Mehr muss ich dazu wohl nicht sagen…
Am sechsten Tag der Reise erreichten wir endlich die südbolivianische Stadt Uyuni und buchten eine dreitägige Wüstentour. Anschließend nahmen wir eine heiße Dusche und schliefen ein. Es war arschkalt! Und das blieb dann auch die nächsten Tage so!
Wir fuhren zu siebt mit einem Jeep in die Salzwüste Salar de Uyuni, bestaunten am ersten Tag die Kakteeninsel mitten im ehemaligen Salzsee und schliefen in einem Salzhotel – ohne Heizung und heißer Dusche nur gegen Bezahlung wohlgemerkt. Zum Glück sind es nachts im Winter (ja, wir haben gerade Winter) in der Wüste nicht weniger als -20°C… Den nächsten und übernächsten Tag verbrachten wir damit die Wüste und die anliegenden Dörfer zu erkunden. Wir bestaunten Flamingolagunen, die auf Grund der Kälte leider ohne Flamingos waren, Geysire und einen Eisenbahnfriedhof. Am Abend des neunten Tages waren wir wieder in Uyuni und es konnte endlich wieder heiß geduscht werden! Tabea machte sich wieder auf den Weg nach Asunción und ließ mich mit meiner neuen Reisebegleitung, dem 22-jährigen Nick aus England und dem 26-jährigen Daniel aus Australien, allein. Mittwoch Morgen brachen wir nach Potosi, der höchstgelegenen Stadt der Welt, auf. Auf der sechsstündigen Busreise schaffte ich es endlich meine komplette Reise zu planen – diesmal inklusive der Busfahrten, die ich bei der letzten Planung einfach mal ignoriert hatte…
Nach einer warmen Nacht im besten Hostel, in dem ich bis jetzt war (MIT Heizer im Zimmer UND heißen Duschen) und einem super Frühstück brachen Nick, Daniel, zwei israelische Mädchen, die wir auf der Busfahrt kennengelernt hatten, und ich zur Minentour auf. Da ich in meinem Leben schon in vielen Minen war, stellte ich mir diese Mine nicht sehr anders vor, als die, die ich schon kannte. Denkste! Teilweise mussten wir durch die Schächte kriechen! Sauerstoffzufuhr gab es auch nicht. Und dann auch noch die Höhe... Es ist erstaunlich, dass es Menschen gibt, die unter solchen Bedingungen arbeiten müssen! ...zum Glück sind es nicht mehr so viele, wie noch vor einigen Jahrzehnten...
Seit gestern Nachmittag sind wir in Sucre, der Hauptstadt Boliviens, deren Altstadt seit 1991 den UNESCO Weltkulturerbetitel trägt - und das zu Recht. Wie schön die Stadt wirklich ist, werde ich heute erkunden.
Aktuelle Feststellungen:
- Südamerika ist im Winter arschkalt!!!
- In knapp 4000 Metern Höhe ist Laufen ziemlich anstrengend.
- Kokablätter helfen wirklich wahnsinnig gut gegen höhenbedingte Kopfschmerzen und Übelkeit.
- Reisen kostet mehr Energie als erwartet.
Bilder sagen mehr als Worte:
Iguazú-Wasserfälle (Brasilien).
Tabea und ich vor den Fällen.
Mein neuer Freund "Rucksack" und ich bei der Grenzüberquerung Brasilien - Argentinien.
Meine derzeitigen Reisepartner Nick und Daniel in der Salzwüste "Salar de Uyuni" (Bolivien).
Tabea und ich auf der Kakteeninsel in der Salzwüste.
Salzwüstentourigruppe: Lucas, unser bolivianischer Fahrer, Nick (22, Engländer), Marta (24, Italienerin), Tabea, ich, André (60, Franzose), Daniel (27, Australier), Minori (38, Japanerin).
Zwischenstopp in der Wüste.
Eisenbahnfriedhof kurz vor Uyuni.
Montag, 1. Juni 2009
Mach's gut, Asunción!
Wie bereits die Wochen zuvor, vergingen auch meine letzten zwei Wochen in Asunción wie im Flug. Am Samstag, den 23.5., war ich mit Tabea, Vanessa 2 und Erwin in der Concordia, einer Schule der Mennoniten, um das Musical "Anatevka" zu sehen. Es war ganz lustig und man wurde gut unterhalten, wenn auch die Gesangeskünste des Einen oder Anderen nicht überzeugten. Nach der Vorstellung wollten wir uns ein Taxi rufen - und das war leichter gesagt, als getan. Kein Taxi weit und breit und alle Straßen hatten sich durch den Platzregen in Flüsse verwandelt. So überquerten wir die Straßen bis wir schließlich ein Taxi fanden und stiegen allesamt mit nassen Füßen ein.
Ansonsten feierten Vanessa und Sarah 2 Abschied mit einem Asado und Erwin kochte ein Abschiedsessen für alle. Michelle fuhr nach Argentinien zu den Iguazú-Fällen um ihre Mama dort zu treffen und Sarah 1 fuhr ebenfalls, jedoch einen Tag später und bereits mit Mama, nach Iguazú.
So waren wir die letzten Tage zu dritt in der Pension und es war ziemlich einsam.
Auf Arbeit neigte sich am Donnerstag der Unterricht mit meinen beiden Wochenkursen dem Ende. Mit dem ersten Kurs aß ich, nach einer Stunde Unterricht, Apfelkuchen und drückte sie, schweren Herzens noch einmal, bevor ich sie gehen ließ. Die andere Gruppe schrieb den Abschlusstest und im Anschluss aßen wir Pizza. Am Samstag war mein endgültig letzter Arbeitstag! Für meine Kollegen bereitete ich eine Donauwelle vor und für meine Kleinen eine Menge Süßigkeiten. Am Abend gab es, wie es die Pensions-Tradition verlangt, ein Abschiedsasado. Diesmal mein eigenes! Auf Grund des feucht-nassen Wetters und der ungemütlichen 10°C aßen wir im Haus, in dem es erstaunlicherweise trotz fehlender Heizung wärmer war als draußen. Ein paar meiner Schüler des Abendkurses und meine, mit der Zeit so lieb gewonnenen Freunde, waren gekommen. Es war ein schöner Abend und der Abschied umso schwerer.
Heute verbrachte ich den Tag damit Rucksack zu packen, denn ich hatte bereits alles erledigt, das auf meinem Noch-zu-erledigen-Plan stand. Meine Reiseapotheke ist auch wieder aufgefüllt und diesmal mit einer ganz speziellen Prophylaxe: Ginko und Kokablätter zur Vorbeugung der Höhenkrankheit und als Malariaprophylaxe Tonic Wasser! Ja, es klingt komisch, aber Tonic enthält das Nervengift Chinin, das in allen Malariamedikamenten enthalten ist. Sicherlich ist es auch alles eine Frage des Glaubens, ob es als Vorsorge ausreichend ist. ...ich glaube jedenfalls daran und drücke mir selbst die Daumen. :)
Morgen (wenn man's genau nimmt eigentlich bereits in drei Stunden) beginnt dann endlich meine große Reise. Zuerst fahre ich mit Tabea zu den Iguazú-Fällen. Diese werden sowohl von brasilianischer, als auch argentinischer Seite bestaunt, bevor es nach Salta und anschließend in die Salzwüste geht. Die aktuellen Standorte, sowie die geplanten, werde ich oben rechts in den Kasten schreiben und versuchen den Reiseplan einzuhalten. :)
Und jetzt versuche ich mal trotz Gefühlswirrwarrs noch ein bisschen zu schlafen. Traurigkeit, Vorfreude, Angst, Neugier und Müdigkeit sind irgendwie eine komische Mischung...
Ansonsten feierten Vanessa und Sarah 2 Abschied mit einem Asado und Erwin kochte ein Abschiedsessen für alle. Michelle fuhr nach Argentinien zu den Iguazú-Fällen um ihre Mama dort zu treffen und Sarah 1 fuhr ebenfalls, jedoch einen Tag später und bereits mit Mama, nach Iguazú.
So waren wir die letzten Tage zu dritt in der Pension und es war ziemlich einsam.
Auf Arbeit neigte sich am Donnerstag der Unterricht mit meinen beiden Wochenkursen dem Ende. Mit dem ersten Kurs aß ich, nach einer Stunde Unterricht, Apfelkuchen und drückte sie, schweren Herzens noch einmal, bevor ich sie gehen ließ. Die andere Gruppe schrieb den Abschlusstest und im Anschluss aßen wir Pizza. Am Samstag war mein endgültig letzter Arbeitstag! Für meine Kollegen bereitete ich eine Donauwelle vor und für meine Kleinen eine Menge Süßigkeiten. Am Abend gab es, wie es die Pensions-Tradition verlangt, ein Abschiedsasado. Diesmal mein eigenes! Auf Grund des feucht-nassen Wetters und der ungemütlichen 10°C aßen wir im Haus, in dem es erstaunlicherweise trotz fehlender Heizung wärmer war als draußen. Ein paar meiner Schüler des Abendkurses und meine, mit der Zeit so lieb gewonnenen Freunde, waren gekommen. Es war ein schöner Abend und der Abschied umso schwerer.
Heute verbrachte ich den Tag damit Rucksack zu packen, denn ich hatte bereits alles erledigt, das auf meinem Noch-zu-erledigen-Plan stand. Meine Reiseapotheke ist auch wieder aufgefüllt und diesmal mit einer ganz speziellen Prophylaxe: Ginko und Kokablätter zur Vorbeugung der Höhenkrankheit und als Malariaprophylaxe Tonic Wasser! Ja, es klingt komisch, aber Tonic enthält das Nervengift Chinin, das in allen Malariamedikamenten enthalten ist. Sicherlich ist es auch alles eine Frage des Glaubens, ob es als Vorsorge ausreichend ist. ...ich glaube jedenfalls daran und drücke mir selbst die Daumen. :)
Morgen (wenn man's genau nimmt eigentlich bereits in drei Stunden) beginnt dann endlich meine große Reise. Zuerst fahre ich mit Tabea zu den Iguazú-Fällen. Diese werden sowohl von brasilianischer, als auch argentinischer Seite bestaunt, bevor es nach Salta und anschließend in die Salzwüste geht. Die aktuellen Standorte, sowie die geplanten, werde ich oben rechts in den Kasten schreiben und versuchen den Reiseplan einzuhalten. :)
Und jetzt versuche ich mal trotz Gefühlswirrwarrs noch ein bisschen zu schlafen. Traurigkeit, Vorfreude, Angst, Neugier und Müdigkeit sind irgendwie eine komische Mischung...
Donnerstag, 21. Mai 2009
Mittwoch, 20. Mai 2009
Dienstag, 19. Mai 2009
Verwirrtes Wetter.
Es gibt Tage, an denen der Sekundenzeiger übers Ziffernblatt schleicht und bei jedem Blick auf die Uhr verflucht man die Zeit, die nicht schnell genug vergehen kann. An anderen Tagen benimmt sich die Zeit wie ein Schnellzug und man möchte am Liebsten die Notbremse ziehen, weil der Tag an einem vorbei zu rasen scheint.
In den letzten zwei Wochen hätte es von mir aus jeden Tag eine Notbremse geben können!
Es ist nun schon wieder zwei Wochen her, dass Christian und Gerrit ein Abschiedsasado machten. An diesem Mittwoch vor zwei Wochen hatte Christian zudem auch Geburtstag und so gab es gleich doppelt Grund zu feiern.
Zwei Tage darauf schaffte ich es endlich mal Vanessa auf ihre Arbeitsstelle, die Schule in der Chacarita, die mehr Hort als Schule ist, zu begleiten. Die Chacarita ist das Armenviertel Asuncións und es wird jedem davon abgeraten sie zu betreten, falls er nicht das dringende Bedürfnis verspürt überfallen zu werden. Im Polizeijargon heißt sie deshalb „Zona Roja“ (Rote Zone). Die Schule, in der Vanessa arbeitet, ist allerdings direkt am Anfang des Stadtviertels und man muss sich nicht bis zum Fluss, an dessen Ufer die Menschen besonders arm sind, durchschlagen. Es war ein schöner Nachmittag, an dem die Kinder gemeinsam Hausaufgaben machten, malten und spielten. Am Ende des Nachmittags gab es Kakao, Dulce de Leche mit Keksen und viele fröhliche Kindergesichter. Gustavo, Vanessa und ich begleiteten die Kinder, auf meinen Wunsch, anschließend nach Hause. …es ist unglaublich, in welchen „Häusern“ solche glücklichen Kinder wohnen. Am Abend versammelten sich alle Mädels in der Küche, denn wir erwarteten Besuch: die Frisörin. :) In kürzester Zeit hatten fünf von uns einen neuen Haarschnitt und waren wieder schick und glücklich – und das für knapp 10 Euro pro Person. In der folgenden Nacht wurde ich von einem hellen Licht und dem darauf folgenden Knall wach: es gab ein Gewitter. Und was für eins! Der Wind aus Patagonien hatte Paraguay erreicht und bescherte uns die kältesten und regenreichsten Tage, die ich bis jetzt in Asunción erlebt habe. Nach einigen Tagen um die 12°C und noch kälteren Nächten, schlossen sich jedoch nur noch kalte Nächte an. So kam es schon mal vor, dass das Thermometer mittags 32°C, morgens jedoch nur 7°C anzeigte… Verwirrtes Wetter! Mittlerweile sind die Unterschiede zum Glück nicht mehr so gigantisch und man kann nachts getrost wieder mit offenem Fenster schlafen. Der Regen ist allerdings nach wie vor unberechenbar. Ich hoffe sehr, dass der Regen auch mal wieder gänzlich aufhört. Springreiten auf nasser Piste ist nämlich ziemlich…naja es geht eben nicht.
Vor genau einer Woche flog Gerrit dann nach Hause. An seiner Seite war meine Reisetasche. …wir hatten Reisetasche gegen Reiserucksack getauscht, damit ich meine 2-monatige Südamerika-Tour realisieren kann. Mittlerweile ist sie in Köln und genießt das schöne Wetter. Im August werde ich sie abholen und Gerrit seinen Rucksack mit tausendfachem Dank zurückgeben. ;)
Einen Tag später hatte Vanessa 2 Geburtstag. Berlinerin Vanessa zog vor einer Woche in der Pension ein. Sie arbeitet in einem Projekt der GTZ um Recherchen für ihre Geografie-Diplomarbeit zu machen. Wir feierten ihren Geburtstag – wo auch sonst? - im Britania. Leider gab es nur noch freie Plätze auf der Terrasse und so mussten wir den Abend bereits um zwölf beenden, da jeder von uns halberfrorene Füße hatte.
Der folgende Freitag war Feiertag – Unabhängigkeitstag oder, wie er im deutschen Touristenprospekt genannt wird, „Gedenktag der nationalen Freiheit“ – in Paraguay. Da wir nach den ganzen Gerüchten um Lugo immer noch auf einen Putsch, oder wenigstens irgendwelche politischen Aktivitäten zu diesem besonderen Tag, hofften, machten wir den Stadtspaziergang, der in meinem Reiseführer beschrieben stand, durchs Stadtzentrum. Wir wurden sogar nicht enttäuscht und erlebten das Niederholen der Flagge vorm Regierungspalast in Begleitung einer Kapelle.
Samstag war ich vormittags arbeiten, während sich die Mädels im Garten im Bikini (!) sonnten – den Abend verbrachten wir alle gemeinsam, in eine dicke Decke eingewickelt, vorm Fernseher und wünschten uns sehnlichst eine Heizung…
Diese Woche begann, für Vanessa und mich, mit einer Shoppingtour am Montag. Ja, für einen Trip in die Anden habe ich leider nicht die richtige Bekleidung dabei… Laut Reiseführer können es nachts in der Salzwüste Uyuni (Bolivien) im Winter (Juli - September) bis zu -20°C werden. ...und dort werde ich auch einmal übernachten - zwar noch im Herbst, kalt wird es sicher trotzdem!
Der Reiseführer ist momentan übrigens meine Lieblingslektüre! (Vorsicht, Ironie…!) Ich kann ihn gar nicht mehr aus der Hand legen… Jeden Tag steht Reiseplanung ganz oben auf meinem Programm. …und dabei bin ich noch nicht mal besonders weit gekommen mit der Planerei: Am 30.5. ist mein offiziell letzter Arbeitstag. Für meine Kolleginnen werde ich dann eine Donauwelle backen und abends gibt es sicher noch ein Abschiedsasado (wie sich’s bei uns gehört ;) ). Am darauf folgenden Sonntag ist dann Rucksack packen angesagt, denn am Montag, den 1. Juni startet meine Südamerikareise. Tabea begleitet mich die ersten acht Tage von den argentinisch/brasilianischen Iguazú-Wasserfällen bis zur bolivianischen Salzwüste „Salar de Uyuni“ und danach bin ich mit meinen Spanischkenntnissen, meinem Reiseführer und „meinem“ Rucksack auf mich allein gestellt... ;)
Sonst noch was?
- Meine Hausaufgabenstrategie im Samstagskurs, Lollys zu verteilen, hat nicht funktioniert! Dafür funktioniert der Tipp meiner Spanischlehrerin, den Kurs einfach in mehrere Gruppen einzuteilen, super. :)
- Neben der neuen Vanessa ist letzte Woche auch Erwin eingezogen. Der 56-Jährige ist Koch und möchte mit seiner Lebensgefährtin und seiner 8-jährigen Tochter auswandern.
- Seit zwei Wochen bekommt Jesus, der Sohn meines Reitlehrers, zweimal pro Woche kostenlos Deutschunterricht von mir – und ich kann dafür kostenlos Reiten! Allerdings hat es die letzten Male immer geregnet, als ich reiten wollte. :( (Danke, patagonischer Wind…!)
- Markus ist ausgezogen und hat Peter 150.000 Guaraní dagelassen. Wir sollen von dem Geld ein Abschiedsasado machen – "posthum" quasi. Am besten stellen wir ein Foto von Markus zum Essen auf den Tisch und nennen das Asado „Markus-Gedenk-Feier“. :D
In den letzten zwei Wochen hätte es von mir aus jeden Tag eine Notbremse geben können!
Es ist nun schon wieder zwei Wochen her, dass Christian und Gerrit ein Abschiedsasado machten. An diesem Mittwoch vor zwei Wochen hatte Christian zudem auch Geburtstag und so gab es gleich doppelt Grund zu feiern.
Zwei Tage darauf schaffte ich es endlich mal Vanessa auf ihre Arbeitsstelle, die Schule in der Chacarita, die mehr Hort als Schule ist, zu begleiten. Die Chacarita ist das Armenviertel Asuncións und es wird jedem davon abgeraten sie zu betreten, falls er nicht das dringende Bedürfnis verspürt überfallen zu werden. Im Polizeijargon heißt sie deshalb „Zona Roja“ (Rote Zone). Die Schule, in der Vanessa arbeitet, ist allerdings direkt am Anfang des Stadtviertels und man muss sich nicht bis zum Fluss, an dessen Ufer die Menschen besonders arm sind, durchschlagen. Es war ein schöner Nachmittag, an dem die Kinder gemeinsam Hausaufgaben machten, malten und spielten. Am Ende des Nachmittags gab es Kakao, Dulce de Leche mit Keksen und viele fröhliche Kindergesichter. Gustavo, Vanessa und ich begleiteten die Kinder, auf meinen Wunsch, anschließend nach Hause. …es ist unglaublich, in welchen „Häusern“ solche glücklichen Kinder wohnen. Am Abend versammelten sich alle Mädels in der Küche, denn wir erwarteten Besuch: die Frisörin. :) In kürzester Zeit hatten fünf von uns einen neuen Haarschnitt und waren wieder schick und glücklich – und das für knapp 10 Euro pro Person. In der folgenden Nacht wurde ich von einem hellen Licht und dem darauf folgenden Knall wach: es gab ein Gewitter. Und was für eins! Der Wind aus Patagonien hatte Paraguay erreicht und bescherte uns die kältesten und regenreichsten Tage, die ich bis jetzt in Asunción erlebt habe. Nach einigen Tagen um die 12°C und noch kälteren Nächten, schlossen sich jedoch nur noch kalte Nächte an. So kam es schon mal vor, dass das Thermometer mittags 32°C, morgens jedoch nur 7°C anzeigte… Verwirrtes Wetter! Mittlerweile sind die Unterschiede zum Glück nicht mehr so gigantisch und man kann nachts getrost wieder mit offenem Fenster schlafen. Der Regen ist allerdings nach wie vor unberechenbar. Ich hoffe sehr, dass der Regen auch mal wieder gänzlich aufhört. Springreiten auf nasser Piste ist nämlich ziemlich…naja es geht eben nicht.
Vor genau einer Woche flog Gerrit dann nach Hause. An seiner Seite war meine Reisetasche. …wir hatten Reisetasche gegen Reiserucksack getauscht, damit ich meine 2-monatige Südamerika-Tour realisieren kann. Mittlerweile ist sie in Köln und genießt das schöne Wetter. Im August werde ich sie abholen und Gerrit seinen Rucksack mit tausendfachem Dank zurückgeben. ;)
Einen Tag später hatte Vanessa 2 Geburtstag. Berlinerin Vanessa zog vor einer Woche in der Pension ein. Sie arbeitet in einem Projekt der GTZ um Recherchen für ihre Geografie-Diplomarbeit zu machen. Wir feierten ihren Geburtstag – wo auch sonst? - im Britania. Leider gab es nur noch freie Plätze auf der Terrasse und so mussten wir den Abend bereits um zwölf beenden, da jeder von uns halberfrorene Füße hatte.
Der folgende Freitag war Feiertag – Unabhängigkeitstag oder, wie er im deutschen Touristenprospekt genannt wird, „Gedenktag der nationalen Freiheit“ – in Paraguay. Da wir nach den ganzen Gerüchten um Lugo immer noch auf einen Putsch, oder wenigstens irgendwelche politischen Aktivitäten zu diesem besonderen Tag, hofften, machten wir den Stadtspaziergang, der in meinem Reiseführer beschrieben stand, durchs Stadtzentrum. Wir wurden sogar nicht enttäuscht und erlebten das Niederholen der Flagge vorm Regierungspalast in Begleitung einer Kapelle.
Samstag war ich vormittags arbeiten, während sich die Mädels im Garten im Bikini (!) sonnten – den Abend verbrachten wir alle gemeinsam, in eine dicke Decke eingewickelt, vorm Fernseher und wünschten uns sehnlichst eine Heizung…
Diese Woche begann, für Vanessa und mich, mit einer Shoppingtour am Montag. Ja, für einen Trip in die Anden habe ich leider nicht die richtige Bekleidung dabei… Laut Reiseführer können es nachts in der Salzwüste Uyuni (Bolivien) im Winter (Juli - September) bis zu -20°C werden. ...und dort werde ich auch einmal übernachten - zwar noch im Herbst, kalt wird es sicher trotzdem!
Der Reiseführer ist momentan übrigens meine Lieblingslektüre! (Vorsicht, Ironie…!) Ich kann ihn gar nicht mehr aus der Hand legen… Jeden Tag steht Reiseplanung ganz oben auf meinem Programm. …und dabei bin ich noch nicht mal besonders weit gekommen mit der Planerei: Am 30.5. ist mein offiziell letzter Arbeitstag. Für meine Kolleginnen werde ich dann eine Donauwelle backen und abends gibt es sicher noch ein Abschiedsasado (wie sich’s bei uns gehört ;) ). Am darauf folgenden Sonntag ist dann Rucksack packen angesagt, denn am Montag, den 1. Juni startet meine Südamerikareise. Tabea begleitet mich die ersten acht Tage von den argentinisch/brasilianischen Iguazú-Wasserfällen bis zur bolivianischen Salzwüste „Salar de Uyuni“ und danach bin ich mit meinen Spanischkenntnissen, meinem Reiseführer und „meinem“ Rucksack auf mich allein gestellt... ;)
Sonst noch was?
- Meine Hausaufgabenstrategie im Samstagskurs, Lollys zu verteilen, hat nicht funktioniert! Dafür funktioniert der Tipp meiner Spanischlehrerin, den Kurs einfach in mehrere Gruppen einzuteilen, super. :)
- Neben der neuen Vanessa ist letzte Woche auch Erwin eingezogen. Der 56-Jährige ist Koch und möchte mit seiner Lebensgefährtin und seiner 8-jährigen Tochter auswandern.
- Seit zwei Wochen bekommt Jesus, der Sohn meines Reitlehrers, zweimal pro Woche kostenlos Deutschunterricht von mir – und ich kann dafür kostenlos Reiten! Allerdings hat es die letzten Male immer geregnet, als ich reiten wollte. :( (Danke, patagonischer Wind…!)
- Markus ist ausgezogen und hat Peter 150.000 Guaraní dagelassen. Wir sollen von dem Geld ein Abschiedsasado machen – "posthum" quasi. Am besten stellen wir ein Foto von Markus zum Essen auf den Tisch und nennen das Asado „Markus-Gedenk-Feier“. :D
Dienstag, 12. Mai 2009
Putschgerüchte.
Die Innenstadt ist voll mit Tausenden von Menschen - vor allem Bauern, die harte Arbeit verrichten und mehr Geld fordern. Unter den Demonstranten sind aber auch Lehrer, denn heute wird an allen öffentlichen Schulen Paraguays gestreikt. Die Zeitungen schreiben, dass es eine friedliche Demonstration sein wird und bis jetzt behalten sie Recht. Die Gerüchteküche brodelt allerdings! Mittlerweile ist es kein Geheimnis mehr, dass Lugo sich ein sozialistisches Paraguay wünscht und mit seinem venezuelanischen Kollegen Chávez gleichziehen will. Letzte Woche trommelte Lugo junge Linke aus ganz Südamerika zusammen und ließ sie für eine Woche auf dem Militärgelände übernachten. Ergebnis waren Transparente an den Wänden der Kasernen die "Che Guevara" und "Sozialismus" verkündeten. Gerüchte besagen nun, dass Lugo ein paar seiner Männer bewaffnet unter die Demonstranten mischen will, um Unruhe zu stiften und diese Situation für einen Staatsstreich zu nutzen. Im Moment ist allerdings noch nichts davon zu merken, man bekommt nur von allen Seiten den guten Ratschlag die Innenstadt zu meiden. …und abzuwarten.
Montag, 4. Mai 2009
Deutsches Essen in Paraguay.
Nachdem es am Dienstag, den 21.4., das Abschiedsasado der Jungs gab, besuchten Volker, Aljoscha, Sarah, Tabea, Künstler-Christian und ich am Mittwoch ein klassisches Konzert im Teatro Municipal. Das Sinfonieorchester Asunción spielte verschiedenste Stücke von Brahms bis Strauss, die teilweise mit den Stimmklängen der bayrischen Sopranistin Anna-Maria Bogner vermischt wurden. Sie ist, wie auch Christian, ein Teil des deutsch-paraguayischen Künstleraustausches.
Donnerstagmorgen hieß es dann endgültig Abschied nehmen. Ein wenig traurig und mit vier voll beladenen Autos fuhren wir zum Flughafen um den Bodhi Trees auf Wiedersehen zu sagen. Bereits nach fünf Minuten am Schalter gab es einen Groupie-Auflauf hinter den Jungs und jedes der Mädels wollte ein Foto und ein Küsschen. Nach einer Weile wurde der Bereich hinter uns vom Flughafenpersonal abgesperrt und den zahlreichen Fans somit Fotos aus der Nähe verwehrt. Ich frage mich bis heute, ob sie eigentlich wissen, mit welcher Band sie sich ablichten ließen. ;)
Als die Jungs im Flugzeug saßen kehrte endlich wieder Ruhe in die Pension ein. Und damit es nicht zu ruhig wird, bekamen wir zwei neue Mitbewohner: Sarah und Markus. Sarah studiert in Köln Regionalwissenschaften Südamerika und arbeitet im PASCH-Projekt an zwei Schulen in Asunción, die auf Grund des Projekts Deutschunterricht anbieten. Markus kam ein paar Tage später an als Sarah. Im Vorhinein hieß es, er würde auswandern wollen und sich das Land erstmal anschauen, bevor seine Familie nachkommt. Letztendlich hat sich ergeben, dass Markus gar keine Familie hat und auch nicht unbedingt auswandern will. Er ist gelernter Kfz-Mechaniker und schaut sich vier Wochen lang ein bisschen in Paraguay um.
Am Samstag war Tag der offenen Tür in vier Kulturinstituten Asuncións - eins davon war das Deutsche. Und so wurde ich nach getaner Arbeit von den Mädels und Gerrit im Institut abgeholt und wir schlugen uns den Bauch mit Zwiebelkuchen und Apfelstrudel voll. Im Anschluss schauten wir im englischen und spanischen Kulturinstitut vorbei und - was auch sonst? - aßen. :) Den späten Nachmittag nutzten die Mädels und ich um Salate vorzubereiten. In kurzer Zeit entstanden ein gemischter Gemüsesalat, Nudelsalat, schwäbischer Kartoffelsalat und Obstsalat mit Flan als Geburtstagsgeschenk für Rafaela, die uns am Abend zum Asado eingeladen und sich die Salate gewünscht hatte. Tabea, Sarah, Gerrit und ich brachen, nachdem die Küche wieder funkelte, erstmal zum Joggen auf, denn was gibt es Schöneres als sich nach großer Anstrengung hungrig an den gedeckten Tisch zu setzten? :)
Kulturinstitut Spaniens: Centro Cultural de España "Juan de Salazar".
Sarah (die Neue), Sarahle, Vanessa und ich (v.l.) im spanischen Kulturinstitut bei meiner Lieblingsbeschäftigung: Essen. ;)
Sonntag wurde das schöne Wetter zum Sonnen genutzt. Wir lagen alle im Garten und lasen, lernten Spanisch, hörten Musik oder schliefen. Als die Sonne untergegangen war, fuhren wir zum akustischen Benefizkonzert, das Vanessas Chef Gustavo, für seine Schule in der Chacarita organisiert hatte. Nach der vierten Band verließen wir das japanische Kulturinstitut jedoch wieder, da sich die Bands gegenseitig im Nicht-Treffen der Töne übertrafen...
Den Anfang der darauf folgenden Woche verbrachte ich auf Arbeit und in der Pension und bis Mittwoch passierte nichts Spezielles. Am Mittwoch korrigierte ich einen Berg Hausaufgaben, nachdem ich am Morgen Spanischunterricht gehabt hatte, um am Abend, als sportlichen Ausklang des Tages, Reiten zu gehen - und wurde prompt von Picúro aus dem Galopp abgeworfen. Aber bis auf eine zerrissene Hose ist alles noch heil und mein Sport- und Reitgeist ungetrübt. ;)
Donnerstag war ein Tag der absolut konträren Emotionen - meine Emotionskurve war ein reinster Zick-Zack. Am Morgen fuhr ich mit Pensionsbesitzer Peter nach Clorinda, der nächstgelegenen Stadt in Argentinien, um mir ein neues Visum zu holen. Peter wollte seine argentinische Rente abholen und so nahm er mich kostenfrei mit. Außerdem war eine Freundin von Peter mit von der Partie, die als Überraschung ihre beiden Schwestern mitnahm. Alle drei waren starke Raucherinnen mit Lederhaut und Dauerhusten und bei ihrem Anblick war ich wieder einmal froh das Rauchen aufgegeben zu haben. In Clorinda angekommen lief ich mit den zwei Schwestern in ein Café, während Peter und die dritte Schwester ihre Rente abholten. Nach zwei Stunden (!!!) in einem Café in Clorina, dass wir nicht verlassen konnten, da keiner der beiden argentinischen Schwestern Pesos (die Währung Argentiniens) einstecken hatte und wir somit die Rechnung nicht bezahlen konnten, kam Peter endlich in seinem gekühlten Mercedes M-Klasse und holte und ab. Nachdem ich einen neuen Paraguay-Stempel im Pass hatte, war ich glücklich und wir fuhren nach Hause. Am Nachmittag fuhr ich, wie immer, mit dem Bus zur Arbeit und wurde im Institut von Sarah mit den Worten "Ey, dein Rucksack ist offen." begrüßt. Erst da fiel mir auf, dass ich im Bus gerade Opfer eines geplanten Raubüberfalles geworden war. Und da schloss sich auch der Kreis in meinem Kopf, wieso mich der Junge an der Bustür aufgehalten hatte, während hinter mir jemand schob, weil er vermeintlich aussteigen wollte... Zum Glück war nur mein Portemonnaie nicht mehr da. Und zum allergrößten Glück war meine VISAkarte, die ich an dem Tag dabei hatte um Geld zu holen, in einem anderen Fach im Rucksack... Adrenalingeladen ging ich in meinen Klassenraum, in dem zwei meiner Schüler bereits mit Geschenken auf mich warteten. Der 30. April ist in Paraguay Lehrertag. An Schulen findet kein Unterricht statt, weil alle Lehrer frei haben und die wenigen Lehrer, die trotzdem an Instituten unterrichten müssen, bekommen wenigstens Geschenke. Am Abend fuhr ich mit Vanessa und Gerrit ins Britania und trank ein paar Bierchen auf diesen mehr als verwirrenden Tag.
Das Wochenende begann zeitig, nachdem ich mich am Arbeitertag richtig ausgeschlafen hatte. Da Freitag frei war, waren nur 10 meiner Schüler da – der Rest war verreist. Natürlich fehlten die größten Rabauken, die immer den Unterricht stören, nicht. Aber ich hatte sie trotzdem im Griff. Ja, mittlerweile habe ich den Dreh raus. ;) Jetzt ist nur noch abzuwarten, ob meine neuste Strategie "Jeder der die Hausaufgaben gemacht hat bekommt als Belohung einen Lolly" funktioniert. Mal sehen, wie viele Hausaufgaben ich nächste Woche einsammeln werde... 12 Uhr, nach dem Unterricht, war auf dem Hof bereits das Büffet aufgebaut. Zum "Tag der Arbeit" ist es in Paraguay üblich, dass man seine Angestellten zum Essen einlädt. Es gab ein typisch paraguayisches Gericht, von dem ich den Namen schon wieder vergessen habe: mit Mais gefüllter, gerollter Pfannkuchenteig in einer Auflaufform drapiert und mit einer hellen Soße übergossen. Mais mit Pfannkuchen ist eine interessante Geschmackskombination, von der ich im Nachhinein nicht mal sagen kann, ob ich sie mag oder nicht. Zum Nachtisch gab es Apfelstrudel und Vanilleeis! Ich bin fast geplatzt vor Freude - und sicherlich auch, weil mein Bauch so voll war.
Im Hof des Goethe Zentrums: Sekretärin Jasmín, eine meiner nur samstags arbeitenden Kolleginnen, meine Chefin Caroline und Kollegin Aurelía (v.l.).
Am Sonntag gab es schon wieder deutsches Essen, denn der Club Alemán lud zum Maifest ein! Vanessa, Gerrit und ich aßen "2 Frankfurter, ensalada y pan" (Wiener Würsten, Kartoffelsalat und Brot). Zum Nachtisch gab es eine riesige Auswahl an Torten und Gebäcken. Ich wählte einen "Berliner" (Pfannkuchen ;)) mit "Dulce de Leche" - die wohl ekligste Kombination die es gibt. Dulce de Leche ist ein dicker, klebriger Brotaufstrich der äußerlich Erdnussbutter sehr ähnelt, aber geschmacklich viel zu süßem Karamell mit Milch gemischt.
Und so neigten sich die Wochen des deutschen Essens dem Ende. Diese Woche wird wieder streng darauf geachtet, was gegessen wird und was nicht. Süßigkeiten sind gestrichen und Obst und Gemüse stehen dafür ganz oben auf der Speisekarte. ...solange, bis ich wieder ordentlich in meine Hosen passe... ;)
Sonst noch was?
- Ich habe 4 neue Schüler bekommen. Drei davon in meinem 17 Uhr-Kurs und einen in meinem Samstagskurs. Juhu! 16 Bälger waren ja noch nicht genug... ;)
- Meine Kleinen sagten mir letzten Samstag im Unterricht, ich sei eine Hippie-Lehrerin. [Zur Erklärung: In Paraguay zwängt sich jede Frau, wie unförmig und dick sie auch immer sein mag, in hautenge Oberteile. ...meine Shirts und Blusen würde man hier wohl eher in der Umstandsabteilung verkaufen...] Ich überlege noch, ob ich es als Kompliment auffassen soll oder nicht. :)
- Es gibt Sicherheitsvorkehrungen im Goethe Zentrum zur Schweinegrippe, die laut Gesundheitsministerium zu treffen sind: in jedem Raum muss sich eine Flasche Desinfektionsmittel befinden und Lehrer sollten einen gewissen Abstand zu ihren Schülern einhalten. Na dann kann sie ja kommen, die Schweinegrippe! ;)
Donnerstagmorgen hieß es dann endgültig Abschied nehmen. Ein wenig traurig und mit vier voll beladenen Autos fuhren wir zum Flughafen um den Bodhi Trees auf Wiedersehen zu sagen. Bereits nach fünf Minuten am Schalter gab es einen Groupie-Auflauf hinter den Jungs und jedes der Mädels wollte ein Foto und ein Küsschen. Nach einer Weile wurde der Bereich hinter uns vom Flughafenpersonal abgesperrt und den zahlreichen Fans somit Fotos aus der Nähe verwehrt. Ich frage mich bis heute, ob sie eigentlich wissen, mit welcher Band sie sich ablichten ließen. ;)
Als die Jungs im Flugzeug saßen kehrte endlich wieder Ruhe in die Pension ein. Und damit es nicht zu ruhig wird, bekamen wir zwei neue Mitbewohner: Sarah und Markus. Sarah studiert in Köln Regionalwissenschaften Südamerika und arbeitet im PASCH-Projekt an zwei Schulen in Asunción, die auf Grund des Projekts Deutschunterricht anbieten. Markus kam ein paar Tage später an als Sarah. Im Vorhinein hieß es, er würde auswandern wollen und sich das Land erstmal anschauen, bevor seine Familie nachkommt. Letztendlich hat sich ergeben, dass Markus gar keine Familie hat und auch nicht unbedingt auswandern will. Er ist gelernter Kfz-Mechaniker und schaut sich vier Wochen lang ein bisschen in Paraguay um.
Am Samstag war Tag der offenen Tür in vier Kulturinstituten Asuncións - eins davon war das Deutsche. Und so wurde ich nach getaner Arbeit von den Mädels und Gerrit im Institut abgeholt und wir schlugen uns den Bauch mit Zwiebelkuchen und Apfelstrudel voll. Im Anschluss schauten wir im englischen und spanischen Kulturinstitut vorbei und - was auch sonst? - aßen. :) Den späten Nachmittag nutzten die Mädels und ich um Salate vorzubereiten. In kurzer Zeit entstanden ein gemischter Gemüsesalat, Nudelsalat, schwäbischer Kartoffelsalat und Obstsalat mit Flan als Geburtstagsgeschenk für Rafaela, die uns am Abend zum Asado eingeladen und sich die Salate gewünscht hatte. Tabea, Sarah, Gerrit und ich brachen, nachdem die Küche wieder funkelte, erstmal zum Joggen auf, denn was gibt es Schöneres als sich nach großer Anstrengung hungrig an den gedeckten Tisch zu setzten? :)
Den Anfang der darauf folgenden Woche verbrachte ich auf Arbeit und in der Pension und bis Mittwoch passierte nichts Spezielles. Am Mittwoch korrigierte ich einen Berg Hausaufgaben, nachdem ich am Morgen Spanischunterricht gehabt hatte, um am Abend, als sportlichen Ausklang des Tages, Reiten zu gehen - und wurde prompt von Picúro aus dem Galopp abgeworfen. Aber bis auf eine zerrissene Hose ist alles noch heil und mein Sport- und Reitgeist ungetrübt. ;)
Donnerstag war ein Tag der absolut konträren Emotionen - meine Emotionskurve war ein reinster Zick-Zack. Am Morgen fuhr ich mit Pensionsbesitzer Peter nach Clorinda, der nächstgelegenen Stadt in Argentinien, um mir ein neues Visum zu holen. Peter wollte seine argentinische Rente abholen und so nahm er mich kostenfrei mit. Außerdem war eine Freundin von Peter mit von der Partie, die als Überraschung ihre beiden Schwestern mitnahm. Alle drei waren starke Raucherinnen mit Lederhaut und Dauerhusten und bei ihrem Anblick war ich wieder einmal froh das Rauchen aufgegeben zu haben. In Clorinda angekommen lief ich mit den zwei Schwestern in ein Café, während Peter und die dritte Schwester ihre Rente abholten. Nach zwei Stunden (!!!) in einem Café in Clorina, dass wir nicht verlassen konnten, da keiner der beiden argentinischen Schwestern Pesos (die Währung Argentiniens) einstecken hatte und wir somit die Rechnung nicht bezahlen konnten, kam Peter endlich in seinem gekühlten Mercedes M-Klasse und holte und ab. Nachdem ich einen neuen Paraguay-Stempel im Pass hatte, war ich glücklich und wir fuhren nach Hause. Am Nachmittag fuhr ich, wie immer, mit dem Bus zur Arbeit und wurde im Institut von Sarah mit den Worten "Ey, dein Rucksack ist offen." begrüßt. Erst da fiel mir auf, dass ich im Bus gerade Opfer eines geplanten Raubüberfalles geworden war. Und da schloss sich auch der Kreis in meinem Kopf, wieso mich der Junge an der Bustür aufgehalten hatte, während hinter mir jemand schob, weil er vermeintlich aussteigen wollte... Zum Glück war nur mein Portemonnaie nicht mehr da. Und zum allergrößten Glück war meine VISAkarte, die ich an dem Tag dabei hatte um Geld zu holen, in einem anderen Fach im Rucksack... Adrenalingeladen ging ich in meinen Klassenraum, in dem zwei meiner Schüler bereits mit Geschenken auf mich warteten. Der 30. April ist in Paraguay Lehrertag. An Schulen findet kein Unterricht statt, weil alle Lehrer frei haben und die wenigen Lehrer, die trotzdem an Instituten unterrichten müssen, bekommen wenigstens Geschenke. Am Abend fuhr ich mit Vanessa und Gerrit ins Britania und trank ein paar Bierchen auf diesen mehr als verwirrenden Tag.
Das Wochenende begann zeitig, nachdem ich mich am Arbeitertag richtig ausgeschlafen hatte. Da Freitag frei war, waren nur 10 meiner Schüler da – der Rest war verreist. Natürlich fehlten die größten Rabauken, die immer den Unterricht stören, nicht. Aber ich hatte sie trotzdem im Griff. Ja, mittlerweile habe ich den Dreh raus. ;) Jetzt ist nur noch abzuwarten, ob meine neuste Strategie "Jeder der die Hausaufgaben gemacht hat bekommt als Belohung einen Lolly" funktioniert. Mal sehen, wie viele Hausaufgaben ich nächste Woche einsammeln werde... 12 Uhr, nach dem Unterricht, war auf dem Hof bereits das Büffet aufgebaut. Zum "Tag der Arbeit" ist es in Paraguay üblich, dass man seine Angestellten zum Essen einlädt. Es gab ein typisch paraguayisches Gericht, von dem ich den Namen schon wieder vergessen habe: mit Mais gefüllter, gerollter Pfannkuchenteig in einer Auflaufform drapiert und mit einer hellen Soße übergossen. Mais mit Pfannkuchen ist eine interessante Geschmackskombination, von der ich im Nachhinein nicht mal sagen kann, ob ich sie mag oder nicht. Zum Nachtisch gab es Apfelstrudel und Vanilleeis! Ich bin fast geplatzt vor Freude - und sicherlich auch, weil mein Bauch so voll war.
Und so neigten sich die Wochen des deutschen Essens dem Ende. Diese Woche wird wieder streng darauf geachtet, was gegessen wird und was nicht. Süßigkeiten sind gestrichen und Obst und Gemüse stehen dafür ganz oben auf der Speisekarte. ...solange, bis ich wieder ordentlich in meine Hosen passe... ;)
Sonst noch was?
- Ich habe 4 neue Schüler bekommen. Drei davon in meinem 17 Uhr-Kurs und einen in meinem Samstagskurs. Juhu! 16 Bälger waren ja noch nicht genug... ;)
- Meine Kleinen sagten mir letzten Samstag im Unterricht, ich sei eine Hippie-Lehrerin. [Zur Erklärung: In Paraguay zwängt sich jede Frau, wie unförmig und dick sie auch immer sein mag, in hautenge Oberteile. ...meine Shirts und Blusen würde man hier wohl eher in der Umstandsabteilung verkaufen...] Ich überlege noch, ob ich es als Kompliment auffassen soll oder nicht. :)
- Es gibt Sicherheitsvorkehrungen im Goethe Zentrum zur Schweinegrippe, die laut Gesundheitsministerium zu treffen sind: in jedem Raum muss sich eine Flasche Desinfektionsmittel befinden und Lehrer sollten einen gewissen Abstand zu ihren Schülern einhalten. Na dann kann sie ja kommen, die Schweinegrippe! ;)
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