Mittlerweile gibt es eine Menge Zuwachs in der Pension.
Nachdem Manuel ausgezogen ist, ist Tabea eingezogen. Sie studiert in Magdeburg Journalismus und macht, wie Sarah, ein Praktikum bei der Allgemeinen Rundschau. Tabea kommt aus dem Vogtland und somit führt Sachsen in unserer Pension 3:2 gegen Baden-Württemberg. ;)
Vor einer Woche ist außerdem Gerrit eingezogen. Er ist Diplom-Medienwirt und Musiker aus Köln und arbeitet hier in Paraguay als Produzent in einem Studio. Das Ganze ist eine Art „interkulturelles Musikprojekt“. Er ermöglicht deutschen Newcomerbands ein Album aufzunehmen – und das preiswerter als in Deutschland und im sonnigen Paraguay. :) Gerrit ist ganz nett und bringt mal ein bisschen männliche Abwechslung in unseren Weiberhaufen. Am Sonntag ist auch schon die erste Band eingetroffen, die hier einen Monat lang ihr erstes Album aufnehmen werden. Außerdem wird noch ein Musikvideo gedreht und es finden Fotoshootings statt. Also alles was dazugehört. Die Band besteht aus vier Jungs um die 18, die für das Projekt extra eine Schulfreistellung vom Kultusministerium bekommen haben. In diesem Fall heißt es also nicht „Schule“, sondern „Musik geht vor!“. …und das kurz vorm Abitur.
Ja, und was ist sonst noch passiert? José Luis hatte Geburtstag und wir haben gleich zweimal gefeiert: vorletzte Woche Donnerstag im Britania reingefeiert und dann am Samstagabend noch mal bei ihm zuhause. Es gab einen riesigen Berg Empanadas Chilenas, die José Luis, Anita und Steffi gemacht hatten – und die waren so lecker, dass ich mein Sättigungsgefühl einfach mal ignoriert habe, bis mir schlecht war. :) Im Anschluss waren wir fünf Mädels mit noch drei Jungs von der Feier in der Pirata Bar - mein erstes echtes paraguayisches Cluberlebnis. Die Musik war scheiße, denn es lief den ganzen Abend Cachaca und Reggaeton, aber an sich war der Abend ganz witzig.
Dafür gab es am Mittwoch bessere Musik, denn wir hatten Salsaunterricht. Da zum Unterricht am Sonntag immer ein starker Frauenüberschuss vorherrscht, wollten wir unser Glück an einem anderen Tag probieren. Zur Vorsorge nahmen Vanessa und ich Gerrit mit, was sich als gute Entscheidung erwies, denn er war neben unserem Tanzlehrer der einzige Mann…
Der Donnerstagmorgen begann sehr zeitig, denn Vanessa und ich hatten Reitunterricht. Da die Sonne vormittags trotz Herbstbeginn immer noch sehr stark scheint (Sarah und ich hatten letzte bzw. diese Woche immerhin schon mal einen Sonnenstich von der Vormittagssonne), muss man eben schon halb neun auf dem Reitplatz sein. Nach der Reitstunde waren wir ziemlich fertig und unbeweglich und duschten noch die Pferde, bevor wir verschwitzt heimfuhren. Zuhause war ich zwar erschöpft, aber wahnsinnig glücklich, denn es war erst meine vierte Reitstunde und ich kann, im Moment natürlich noch nicht perfekt, galoppieren!
Am selben Abend luden mich meine Studenten aus dem Abendkurs zum essen nach dem Unterricht ein. Sie hatten mich bereits am Dienstag gefragt, ob Lust hätte – und da sage ich ja nicht nein. Damit meine Lieben auch mal Abwechslung haben und nicht immer nur mit mir Deutsch reden, brachte ich noch die Mädels mit. Letztendlich war es ein dreisprachiger Abend, den wir, einstimmig beschlossen, bald bei einem Asado in unserem Garten wiederholen werden.
Freitag hatte mich Ingolf zum Essen eingeladen. Da er ja so ziemlich den ganzen Tag mit seiner Mama alleine ist, brauchte er wohl zur Abwechslung mal einen anderen Gesprächspartner. Ingo redet nämlich wie ein Wasserfall… Er fuhr mit mir ins „El Gaucho“, ein Restaurant, in dem die Kellner mit riesigen Fleischspießen verschiedensten Fleisches an jeden Tisch kommen und jedem, der nicht nein sagt, ein Stück Fleisch abschneiden. Ich wusste gar nicht, dass eine einzige Kuh so verschieden schmecken kann! …und so habe ich leider mal wieder viel zu viel gegessen…
Als ich am Samstag zur Arbeit fuhr, hatte ich immer noch Muskelkater in den Oberarmen und im Rücken. …Beim Reiten benutze ich Muskeln, von deren Existenz ich bis jetzt noch nichts wusste… :) Den Unterricht habe ich natürlich trotzdem gemeistert. Diesmal sogar ohne wegen mangelnder Disziplin schreien zu müssen… Da die Kleinen immer ganz wild sind selber an die Tafel zu schreiben, ließ ich mir diese Arbeit größtenteils einfach abnehmen und schonte somit gleichzeitig meine muskelkatergeplagten Arme. ;)
In der Mittagspause rief mich Yasmin zu sich ins Büro und übergab mir meinen Gehaltscheck in Höhe von 2.227.067 Guarani. Ja, jetzt bin ich zweifacher Millionär! …jedenfalls in Paraguay.
Nach der Arbeit, mit Vanessa und Katrin, einer Arbeitskollegin von Vanessa, auf dem Weg zum Mittagessen in der Stadt, erlebte ich meinen ersten Verkehrsunfall in Asunción. Da paraguayische Busfahrer meistens rasen wie angestochen und nicht davor zurückschrecken in Schlängellinien rechts und links Autos zu überholen, war es absehbar, dass bald mal was passiert. Zum Glück wurde niemand verletzt und der Busfahrer hatte „nur“ einen nagelneuen metallicfarbenen Toyota seitlich gerammt… Hoffentlich ist ihm das mal eine Lehre!
Am Abend waren die Mädels, Gerrit und ich im Britania, mittlerweile unserem Lieblingslokal, und schon war das Wochenende wieder vorbei.
Seit Montag ist der Alltag wieder eingekehrt: Unterricht geben und Unterricht nehmen, zwischendurch ein bisschen Sport und natürlich viel zu viel essen. :)
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José Luis' Hund mit gierigem Blick auf die Empanadas Chilenas.
Die beiden Neuzugänge.
Tabea, Michelle und Gerrit.


