Dienstag, 31. März 2009

3:2 für Sachsen.

Nach langer Zeit mal wieder ein Lebenszeichen von meiner Seite! In letzter Zeit hatte ich ziemlich viel zu tun (Spanischhausaufgaben machen, Deutschhausaufgaben kontrollieren, und und und) und darum keine Zeit zu schreiben. Aber das hole ich jetzt alles nach! Ich weiß zwar nicht so richtig, wo ich anfangen soll, weil in den zwei Wochen so viel passiert ist, aber ich fange einfach trotzdem mal an. …am besten, da wo ich aufgehört habe…
Mittlerweile gibt es eine Menge Zuwachs in der Pension.
Nachdem Manuel ausgezogen ist, ist Tabea eingezogen. Sie studiert in Magdeburg Journalismus und macht, wie Sarah, ein Praktikum bei der Allgemeinen Rundschau. Tabea kommt aus dem Vogtland und somit führt Sachsen in unserer Pension 3:2 gegen Baden-Württemberg. ;)
Vor einer Woche ist außerdem Gerrit eingezogen. Er ist Diplom-Medienwirt und Musiker aus Köln und arbeitet hier in Paraguay als Produzent in einem Studio. Das Ganze ist eine Art „interkulturelles Musikprojekt“. Er ermöglicht deutschen Newcomerbands ein Album aufzunehmen – und das preiswerter als in Deutschland und im sonnigen Paraguay. :) Gerrit ist ganz nett und bringt mal ein bisschen männliche Abwechslung in unseren Weiberhaufen. Am Sonntag ist auch schon die erste Band eingetroffen, die hier einen Monat lang ihr erstes Album aufnehmen werden. Außerdem wird noch ein Musikvideo gedreht und es finden Fotoshootings statt. Also alles was dazugehört. Die Band besteht aus vier Jungs um die 18, die für das Projekt extra eine Schulfreistellung vom Kultusministerium bekommen haben. In diesem Fall heißt es also nicht „Schule“, sondern „Musik geht vor!“. …und das kurz vorm Abitur.
Ja, und was ist sonst noch passiert? José Luis hatte Geburtstag und wir haben gleich zweimal gefeiert: vorletzte Woche Donnerstag im Britania reingefeiert und dann am Samstagabend noch mal bei ihm zuhause. Es gab einen riesigen Berg Empanadas Chilenas, die José Luis, Anita und Steffi gemacht hatten – und die waren so lecker, dass ich mein Sättigungsgefühl einfach mal ignoriert habe, bis mir schlecht war. :) Im Anschluss waren wir fünf Mädels mit noch drei Jungs von der Feier in der Pirata Bar - mein erstes echtes paraguayisches Cluberlebnis. Die Musik war scheiße, denn es lief den ganzen Abend Cachaca und Reggaeton, aber an sich war der Abend ganz witzig.
Dafür gab es am Mittwoch bessere Musik, denn wir hatten Salsaunterricht. Da zum Unterricht am Sonntag immer ein starker Frauenüberschuss vorherrscht, wollten wir unser Glück an einem anderen Tag probieren. Zur Vorsorge nahmen Vanessa und ich Gerrit mit, was sich als gute Entscheidung erwies, denn er war neben unserem Tanzlehrer der einzige Mann…
Der Donnerstagmorgen begann sehr zeitig, denn Vanessa und ich hatten Reitunterricht. Da die Sonne vormittags trotz Herbstbeginn immer noch sehr stark scheint (Sarah und ich hatten letzte bzw. diese Woche immerhin schon mal einen Sonnenstich von der Vormittagssonne), muss man eben schon halb neun auf dem Reitplatz sein. Nach der Reitstunde waren wir ziemlich fertig und unbeweglich und duschten noch die Pferde, bevor wir verschwitzt heimfuhren. Zuhause war ich zwar erschöpft, aber wahnsinnig glücklich, denn es war erst meine vierte Reitstunde und ich kann, im Moment natürlich noch nicht perfekt, galoppieren!
Am selben Abend luden mich meine Studenten aus dem Abendkurs zum essen nach dem Unterricht ein. Sie hatten mich bereits am Dienstag gefragt, ob Lust hätte – und da sage ich ja nicht nein. Damit meine Lieben auch mal Abwechslung haben und nicht immer nur mit mir Deutsch reden, brachte ich noch die Mädels mit. Letztendlich war es ein dreisprachiger Abend, den wir, einstimmig beschlossen, bald bei einem Asado in unserem Garten wiederholen werden.
Freitag hatte mich Ingolf zum Essen eingeladen. Da er ja so ziemlich den ganzen Tag mit seiner Mama alleine ist, brauchte er wohl zur Abwechslung mal einen anderen Gesprächspartner. Ingo redet nämlich wie ein Wasserfall… Er fuhr mit mir ins „El Gaucho“, ein Restaurant, in dem die Kellner mit riesigen Fleischspießen verschiedensten Fleisches an jeden Tisch kommen und jedem, der nicht nein sagt, ein Stück Fleisch abschneiden. Ich wusste gar nicht, dass eine einzige Kuh so verschieden schmecken kann! …und so habe ich leider mal wieder viel zu viel gegessen…
Als ich am Samstag zur Arbeit fuhr, hatte ich immer noch Muskelkater in den Oberarmen und im Rücken. …Beim Reiten benutze ich Muskeln, von deren Existenz ich bis jetzt noch nichts wusste… :) Den Unterricht habe ich natürlich trotzdem gemeistert. Diesmal sogar ohne wegen mangelnder Disziplin schreien zu müssen… Da die Kleinen immer ganz wild sind selber an die Tafel zu schreiben, ließ ich mir diese Arbeit größtenteils einfach abnehmen und schonte somit gleichzeitig meine muskelkatergeplagten Arme. ;)
In der Mittagspause rief mich Yasmin zu sich ins Büro und übergab mir meinen Gehaltscheck in Höhe von 2.227.067 Guarani. Ja, jetzt bin ich zweifacher Millionär! …jedenfalls in Paraguay.
Nach der Arbeit, mit Vanessa und Katrin, einer Arbeitskollegin von Vanessa, auf dem Weg zum Mittagessen in der Stadt, erlebte ich meinen ersten Verkehrsunfall in Asunción. Da paraguayische Busfahrer meistens rasen wie angestochen und nicht davor zurückschrecken in Schlängellinien rechts und links Autos zu überholen, war es absehbar, dass bald mal was passiert. Zum Glück wurde niemand verletzt und der Busfahrer hatte „nur“ einen nagelneuen metallicfarbenen Toyota seitlich gerammt… Hoffentlich ist ihm das mal eine Lehre!
Am Abend waren die Mädels, Gerrit und ich im Britania, mittlerweile unserem Lieblingslokal, und schon war das Wochenende wieder vorbei.
Seit Montag ist der Alltag wieder eingekehrt: Unterricht geben und Unterricht nehmen, zwischendurch ein bisschen Sport und natürlich viel zu viel essen. :)
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José Luis' Hund mit gierigem Blick auf die Empanadas Chilenas.


Die beiden Neuzugänge.










Tabea, Michelle und Gerrit.

Dienstag, 17. März 2009

Die Woche der alten flirtenden Männer.

Ich weiß nicht warum, aber letzte Woche war „die Woche der alten flirtenden Männer“. Da das Britania ein schöner Pub mit vielen netten Menschen ist, zog es uns am Donnerstag wieder dahin. Vanessa, ihr Chef Gustavo und Analia, eine Arbeitskollegin von Vanessa, saßen bereits wartend an einem Tisch, als Rafaela, Arnaldo und ich endlich ankamen. Es war ein lustiger Abend, wir aßen, tranken und quatschten. Irgendwann ging ich zur Bar um für Vanessa und mich Getränke zu holen. Vanessa wollte natürlich ein Getränk, das ich mir kaum merken konnte: Pfirsichsaft. Und so ging ich voll konzentriert, nicht auf meine Umgebung achtend, zur Bar und wiederholte in meinem Kopf immer wieder „jugo del durazno“. Als ich bestellt hatte und mich wie ein kleines Kind darüber freute, dass ich mir das Wort richtig gemerkt hatte, passierte es: Ken sprach mich von der Seite an. Und dann hing ich eine halbe Stunde an der Bar fest! Ich hätte ihm einfach sagen können: „Ken, ich bin 21 und du wahrscheinlich über 60. Denk also noch mal darüber nach, ob es wirklich so eine gute Idee ist mich hier ganz hemmungslos anzumachen.“. Danach hätte ich mich umdrehen und verschwinden können – habe ich aber nicht! Ich lächelte freundlich und unterhielt mich mit ihm, bis ich es schließlich doch schaffte irgendein „Meine Freundin wartet auf ihr Getränk. Tut mir leid, aber ich muss gehen.“ raus zubringen. Ich kann in solchen Situationen einfach nicht unfreundlich sein! Wir sind dann auch bald gegangen und so musste ich mich nicht noch einmal auf ein unfreiwilliges Ken-Gespräch einlassen… Was geht nur in den Köpfen solcher Männer vor??? Denkt er wirklich ernsthaft, dass ich auf Männer in seinem Alter stehe???
Freitag war ein neuer Tag und der Abend fast schon wieder vergessen. Auf Arbeit erfuhr ich, dass ich Samstagmorgen von 8.45 bis 12 Uhr einen Anfänger-Jugendkurs vertreten solle. Nach dem Unterricht fuhr ich also nach Hause und bereitete mich bis spät in die Nacht auf den Unterricht vor, da ich noch nie mit Jugendlichen oder dem Lehrwerk „Genial“ (Langenscheidt), das sie benutzen, gearbeitet habe.
Samstag früh erschien ich auf Arbeit und wurde von Caroline mit der freundlichen Nachricht überrascht, dass ich den Kurs nicht vertrete, sonder ab jetzt übernehme. AH! Darauf war ich nicht vorbereitet! Ich übernehme den Kurs! Na schön. Caroline stellte mich der Klasse vor und danach war ich allein – allein mit 15 Kindern im Alter von schätzungsweise 10-14 Jahren. Nach ein paar Hör- und Leseübungen, bastelten wir Steckbriefe mit Glitzer und bunten Stiften um sie in der nächsten Stunde mit Fotos zu versehen und an die Wand zu hängen. Ich versuchte mich die ganze Zeit in die Kleinen reinzuversetzten – ist ja bei mir noch nicht sooo lange her - um sie besser verstehen zu können… Hat aber nicht geklappt. :) Sätze wie: „Ich mag nicht: schlafen“ kann ich einfach nicht verstehen! War ich jemals in einem Alter, indem ich schlafen nicht mochte? Am Ende der Stunde stellte sich heraus, dass fünf wahnsinnig große Tokio Hotel-Fans in der Klasse sind. Verrückt! Ich wusste ja, dass Tokio Hotel weltweiten Erfolg haben – aber wer hätte gedacht, dass Paraguay auch zu den Erfolgsländern zählt? Als ich ziemlich fertig zuhause ankam, stellte ich fest, dass so ein Haufen Kinder ziemlich anstrengend ist. Großen Respekt an Realschul- und Gymnasiumslehrer! :)
Am Abend fand bei uns im Garten eine Grillfeier statt. Ich hatte dazu ein paar Arbeitskollegen eingeladen, außerdem die Mädels aus der Pension und Marcel, mit dem Vanessa und ich beim Karneval waren, mit Freundin. Grillen in Paraguay ist ganz anders als bei uns! Hier gibt es keine Steaks, hier wird Fleisch gegrillt! Darum heißt „Grillen“ auch „Asado“ (= Fleisch). 1,3 kg Rind werden ringsum gesalzen und warten dann 1,5 Stunden über der Glut auf ihren Verzehr: das beste Grillfleisch, das ich je gegessen habe! Auf Grund einer verlorenen Wette musste ich am Ende des Abends in den Pool springen. Mein Wettpartner Arnaldo zeigte sich jedoch solidarisch und sprang mit. Alles in allem war es ein feucht-fröhlicher Abend. ;)
Sonntag hatten Vanessa und ich Salsaunterricht. Wir stellten uns wie immer zu Deutsch an und ich bekam im Minutentakt „Mas sexy! Mas sexy!“ zu hören! Ich bewege mich nicht sexy genug! :( Naja, muss ich wohl mal zuhause vorm Spiegel üben... Juan, unser Salsalehrer, fragte nach der Stunde, ob wir Lust auf Britania hätten. In zwei Stunden sollten wir uns treffen. Ja warum eigentlich nicht? Da wir allerdings eine Stunde zu spät ankamen, war unsere Salsagruppe bereits verschwunden. Wir tranken also alleine ein Bierchen und warteten auf Gustavo – bis sich ein alter Mann zu uns an den Tisch setzte. Nein, nicht Ken, sondern ein grauhaariger Nürnberger, der seit 30 Jahren nicht mehr in Deutschland lebt, weil ihm das politische System nicht mehr zusagt. Nachdem er eine Weile über „den Osten“ hergezogen war, wechselte er zu Angela Merkel. „Sie ist eine Schande.“ und „Wie konnte Deutschland nur so verkommen, eine Kommunistin als Kanzlerin zu wählen?“ Dann wurde es mir zu bunt. Ich funkelte ihn böse an und erklärte ihm mal meine politische Sicht der Dinge. Danach stand er auf und verschwand. Tja, wenn ich will kann ich anscheinend doch unfreundlich sein. ;) Meine „Menschen, die ich nicht mag“-Liste hat sich um einen Punkt erweitert: 1) Amerikaner, 2) Chinesen und neu: 3) Bayern! (Ausnahmen bestätigen die Regel.) Schließlich kam Gustavo und holte uns ab. Vor kurzem hatte er sich, obwohl er keinen Führerschein besitzt und auch nicht fahren kann, ein Motorrad gekauft. …und er war tatsächlich mit seiner Maschine da – und den ganzen Weg im ersten Gang gefahren! Ah! Gemeinsam, Gustavo sein Motorrad schiebend, gingen wir zu einer Radiostation, mit der Gustavo irgendwas zu tun hat, schauten uns alles an und lernten nette Leute kennen. Auf dem Weg dorthin kamen wir an den Indianern vorbei und nachdem Gustavo sein Bike an der Sendestation abgestellt hatte, liefen wir dorthin zurück und schauten Indianertänzen mitten in der Stadt zu (siehe dazu vorletzter Artikel). Schließlich wurden wir von einem netten Radiomitarbeiter heimgefahren.
Am Montag hatte ich meine erste Spanischstunde. …ich stellte mich sogar gar nicht mal so blöd an. Langsam kommen meine vor Ewigkeiten erworbenen Spanischkenntnisse zurück. Jetzt heißt es jeden Tag: lernen, lernen, lernen.
Ach ja! Und fast hätte ich es vergessen: Manuel ist ausgezogen. Und ich konnte sogar noch einen kurzen Blick von der Seite erhaschen bevor er verschwand... ;)


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Ein paar Fotos vom Grillabend (zum Vergrößern anklicken):


die Grillmeister Arnaldo und José Luis


Asado


Marcel, Michelle und Sarah


Kame, seine Freundin Aurelia und Annika


mal ein Pärchenfoto von Vanessa und mir ;)


Arnaldo und Freundin Rafaela


Anita und Freund José Luis


Marcel und Freundin Annika

Montag, 16. März 2009

Neuer Wochenplan.

...Reiten hat bis jetzt noch keinen festen Termin. Und nein, das da in der Tabelle ist nicht alles, was ich zu tun habe. Ich muss den Unterricht der mittlerweile drei Kurse natürlich auch vorbereiten und außerdem Spanisch lernen. :)

Indianertanz.

Aus einer Bar kommend auf dem Weg zu einer anderen Feier blieben Vanessa und ich stehen, denn es gab einen Indianertanz zu sehen – mitten in der Stadt. Die Indianer hatten wir schon oft gesehen, denn seit zwei Monaten protestieren sie in Asunción, indem sie auf dem Plaza Urugaya leben. Auf den ersten Blick sind sie mit Obdachlosen zu verwechseln, die bei Regen Planen zwischen Bäumen als Zelte spannen, jedoch geht es hier um etwas – um Aufmerksamkeit. Seit Ewigkeiten soll ein „Oberster“ bestimmt werden, der zwischen den Stämmen vermitteln und wichtige Entscheidungen treffen soll, jedoch hat dies bis jetzt zu keiner Einigung geführt. Das ist aber auch nicht einfach, denn schon allein auf dem Plaza wird unter den Indianern in 26 verschiedenen Sprachen gesprochen und in den Entscheidungen, die zu treffen sind, geht es nicht um Kleinigkeiten, sondern unter Anderem um viel Land. Morgen findet endlich der von allen lang ersehnte Indianerkongress statt, indem Präsident Lugo einen verantwortlichen „Obersten“ bestimmt – wahrscheinlich ist heute also die letzte Nacht unter freiem Himmel. Ich weiß nicht, ob Indianer jeden Abend tanzen, oder nur wenn besondere Ereignisse anstehen, aber ich bin glücklich, dass wir dieses Ereignis noch erleben durften, bevor sie morgen ihre Sachen packen und endlich in den Chaco, ihre Heimat, zurück reisen. Es ist schön zu sehen, wie Menschen, die so viele verschiedene Sprachen sprechen, sich durch Musik verstehen…

[photos by Swiatek Wojtkowiak, flickr.com]

Dienstag, 10. März 2009

Händel in Paraguay.

Ein Wunder ist passiert! Es hat sich abgekühlt! Nach langer Zeit sind die Temperaturen mal wieder erträglich. Der Himmel ist dafür zwar fast den ganzen Tag bewölkt und lässt nur hin und wieder Sonnenstrahlen durch, aber das nehme ich gerne in Kauf. Außerdem kann man dadurch ein bisschen Strom sparen, denn die Klimaanlage läuft nicht den ganzen Tag und so lässt auch das schlechte Gewissen des Energieverschwenders nach… ;)
Die restlichen Wochentage habe ich mit Unterricht vorbereiten und Unterrichten verbracht. Abends, wenn ich von der Arbeit nach Hause kam, hat Vanessa auf mich gewartet um den Tag auszuwerten. Da sie von Donnerstag bis Montag mit Marcel und seiner Freundin eine Paraguay-Rundreise machte, musste ich mir Abends etwas anderes vornehmen, und so war ich am Donnerstag mit Anita, Jose Louis und Steffi im Britanita. Am Freitag wurde ein Ballettstück aufgeführt. „Hijo del fuego“ („Sohn des Feuers“) war ein sehr modernes Stück, das im Centro Cultural de España Juan de Salazar kostenlos zu sehen war. Leider haben wir die erste halbe Stunde verpasst, da der Bus irgendwie einen anderen Weg fuhr als gedacht, dafür war die zweite halbe Stunde sehr lohnenswert. Anschließend ließen wir den Abend im Olders Pub mit Cocktails (die Cocktails sind hier so wahnsinnig billig! Ein Caipi kostet z.B. 2,40 €) ausklingen und nahmen schließlich ein Taxi nach Hause. Am nächsten Morgen hatte ich mich um 7:50 Uhr mit Rafaela zum Reiten verabredet. Und so fuhren wir reiten. Nach anderthalb Stunden waren wir fertig und es begann zu nieseln. Der Nieselregen verwandelte sich innerhalb von drei Minuten in den stärksten Regen, den ich je gesehen habe, und die Straßen in reißende Flüsse und Seen. Zum Glück saßen wir im Auto. Rafaelas VW Golf ist zwar kein Amphibienfahrzeug, aber er schlug sich trotzdem gut durch das Wasser. Den Rest des Tages habe ich es endlich geschafft mein Buch, das ich bereits in Uganda begonnen hatte, zu beenden. Abends schaute ich mir „City of God“ an, einen sehr sehenswerten Film über das Leben in den Armenvierteln von Rio de Janeiro, und fiel müde ins Bett. Mein Sonntag begann mit Frühstück und Skype, denn sonntags ist Telefoniertag. Danach wollten Michelle und Sarah zum Lambare, einem Aussichtspunkt in der Nähe, fahren. Ich entschloss mich mitzukommen und wir warteten auf den Bus. …und warteten und warteten. Irgendwann wechselten wir die Straßenseite und fuhren mit einem anderen Bus zum „Del Sol“ einem riesigen Einkaufscenter. Wir bummelten durch alle Geschäfte und aßen Mittag. Am Abend holte Jose Louis Sarah und mich aus der Pension ab und wir fuhren mit Steffi und Anita zu einem Barockkonzert in einer Kirche. Es war ein komisches Gefühl in einer paraguayischen Kirche Orgelstücke von Händel zu hören. Nachdem Orgelkonzert führte der Bach Chor Asunción unter Orchesterbegleitung zwei Messen von Bassani auf. Es war ein tolles Konzert – für Chöre kann ich mich ja sowieso sehr begeistern! Im Anschluss fuhren wir ins Landau Abendbrot essen. Da Sarah und ich bereits gegessen hatten, gab es für uns Mousse au Chocolat und Obstsalat – super lecker. :) Gestern Abend kam Vanessa von ihrem Ausflug wieder und wir hatten uns viel zu erzählen…

Die neuesten Erkenntnisse:
- ich nehme doch nur einmal pro Woche Reitstunden
- Picúro ist eine Stute
- es sind jetzt 5 Stunden Zeitunterschied zu Deutschland (in der Nacht vom 7. zum 8. März war Zeitumstellung auf Winterzeit)


Anita, Steffi und ich im Britania.


"Picada Completa" (eine Platte mit allemmöglichen Fleisch; in der Mitte: Weinwürstchen).


Mit Fahrtwind und Michelle im Bus.


"Hijo del Fuego".
(Um allen Urheberrechtsverletzungen aus dem Weg zu gehen: Die letzten drei Fotos wurden von Michelle gemacht.)

Mittwoch, 4. März 2009

Unterrichtsbeginn.

Die neusten Ereignisse:

- habe Manuel immer noch nicht gesehen
- Oscar hat eine Freundin
- heute sollen es bis zu 38°C werden
- habe seit Montag zwei Anfängerkurse*

* Einer davon ist ein Intensivkurs. Er dauert fünf Wochen und ich unterrichte jeden Tag von 17 bis 19 Uhr zwei Stunden lang Anfänger. Mein zweiter Anfängerkurs ist kein Intensivkurs, darum dauert er drei Monate und findet nur dreimal pro Woche 1,5 Stunden statt. Diesen Kurs unterrichte ich montags, dienstags und donnerstags von 19.00 bis 20.30.
Am Montag waren die Teilnehmer beider Kurse noch ein bisschen skeptisch mir gegenüber. Wahrscheinlich konnte sich keiner so richtig vorstellen, wie ich ohne Spanischkenntnisse unterrichten solle… Gestern hatten jedoch alle Teilnehmer ihre Skepsis abgelegt, schenkten mir vollstes Vertrauen und es wurde auch ab und zu gelacht. Jetzt muss ich mir nur noch alle Namen merken (Das ist bei 26 Schülern eigentlich nicht so schwer, jedoch muss ich mir die Namen an sich erstmal merken, bevor ich sie den Schülern zuordnen kann… Nix mit Katrin, Peter und Stefanie. ;)) und darauf warten, dass die Temperaturen bald wieder erträglich werden…
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Nachtrag zur Temperatur um 11Uhr24:

Montag, 2. März 2009

Neue Mitbewohner.

In der Pension gibt es neue Mitbewohner! Ingos Mama, die nette alte Dame, die immer die neusten Neuigkeiten der Pension rumgetratschte und auch sonst immer da war um zu reden oder Fragen zu beantworten, ist ausgezogen. Da Ingos Container nach langer Wartezeit angekommen und das Haus nun eingerichtet ist, konnte sie endlich umziehen. Dafür gab es weiblichen Nachschub zweier Mädels. Sarah, Literaturwissenschaftsstudentin aus München, und Michelle, die doch tatsächlich gerade ihren Bachelor an der TU Chemnitz absolviert hat – die Welt ist ein Dorf! Wir haben uns sogar schon mal kurz bei einem unicef-Treffen gesehen… Verrückt. Ja und neben mir wohnt immer noch Manuel, der jedoch bald ausziehen wird. Ich habe ihn bis jetzt noch nicht einmal gesehen, weil er sich Tag und Nacht in seinem Zimmer verkriecht und ich habe die Hoffnung bereits aufgegeben ihn, über den in der ganzen Pension am meisten geredet wird, noch mal zu Gesicht zu bekommen. Außerdem habe ich einen Mitbewohner in meinem Bad. Er wohnt im Abfluss und ich habe ihn Oscar getauft – Oscar mein Kakerlakenfreund. Und ich habe noch einen neuen Freund: Picúro, mein Pferd! Ich nehme jetzt zweimal pro Woche Reitstunden und bin sehr froh ihn als Reitpartner zu haben, denn wir verstehen uns echt super! Am Donnerstag habe ich ihn kennen gelernt, weil ich das erste Mal Reiten war. Mein Reitlehrer hat mich die ganze Zeit gelobt (Vanessa hat es mir zwischendurch übersetzt...)! Ich habe so eine gute Kondition und sei so gelenkig (ich und gelenkig!). Und dann durfte ich sogar alleine traben! Alleine! Gleich in der ersten Reitstunde! Ja, Reiten ist toll - und auch noch gut für meinen Rücken. :) Am Freitag bin ich dann total verkatert auf Arbeit gekommen. Ich konnte kaum gerade laufen, so einen Muskelkater hatte ich… Allerdings musste ich ja nur hospitieren und sitzen – dachte ich jedenfalls. Als ich nach Carolines Stunde Anita begrüßte, sagte sie mir, dass Aurelia krank sei und dass ich, da kein anderer Lehrer einspringen könne, die Stunde vertreten müsse. Praktikanten haben da auch kein Mitspracherecht – sie müssen! :) Und so hatte ich meine erste Unterrichtsstunde. Da ich schon oft in der Klasse hospitiert hatte, kannte ich die Schüler und die Schüler kannten mich. Da Aurelia für die Stunde jedoch Grammatik eingeplant hatte – Personalpronomen im Dativ und Akkusativ- und Dativergänzungen – war ich kurz vor Unterrichtsbeginn doch ziemlich aufgeregt, denn ich konnte mich noch allzu gut an meine Konzentration im Fremdsprachenunterricht bei Grammatikthemen erinnern… Letztendlich habe ich die Stunde gut hinter mich gebracht und ich hatte den Eindruck, dass das Thema auch von allen verstanden wurde! …ich werde Aurelia heute gleich mal nach einem Feedback fragen… :) Gestern Abend war ich mit Vanessa beim Salsaunterricht. Es war lustig und hat Spaß gemacht. Ich hab nur irgendwie den Salsa-Rhythmus noch nicht ganz durchschaut. …aber Übung macht ja bekanntlich den Meister. Da Vanessa ein Schwulenmagnet ist, wie Arnaldo das sehr treffend formuliert hat, da sie in Asunción ziemlich häufig schwule Männer kennen lernt, waren natürlich die gut aussehenden Männer im Tanzkurs schwul. Beim Salsa tanzen ist das jedoch ein Vorteil, da mir gesagt wurde, dass kein Mann so gut Salsa tanzt, wie ein Schwuler. :) Anschließend waren Vanessa und ich bei Rafaela und Arnaldo zum Abendbrot eingeladen. Danach schauten wir im Internet nach dem Kinoprogramm, entschieden uns für irgendeinen Film mit Brad Pitt und fuhren ins Kino. Dort stellten wir fest, dass alle Filme aus dem Kinoprogramm liefen, außer der, den wir sehen wollten. Da wir uns nicht auf einen anderen Film einigen konnten, gingen wir in die nächste Bar um den Sonntag bei einem Bier ausklingen zu lassen. Da Arnaldo gern deutsch lernen möchte und ich gern spanisch, entschlossen wir uns zu einer Tandempartnerschaft. [Für alle Unwissenden ein Auszug aus Wikipedia: „Im Tandem eine Sprache zu erlernen bedeutet, dass sich zwei Personen mit unterschiedlicher Muttersprache gegenseitig die jeweils fremde Sprache beibringen. (…) Beim klassischen Prinzip gilt: Die Hälfte der Zeit wird der einen Person gewidmet, die andere Hälfte der anderen Person. So können sich zum Beispiel ein Portugiese und ein Deutscher eine halbe Stunde auf Deutsch unterhalten und anschließend eine halbe Stunde auf Portugiesisch.“] …darauf bin ich ja mal gespannt! Am allermeisten aber auf meinen eigenen Anfängerkurs am Goethezentrum, der heute um 19 Uhr beginnt…

Sonntag, 1. März 2009