Jetzt musste ich erstmal eine ganze Weile überlegen, bis mir eingefallen ist, was die letzte Zeit so passiert ist! Der Grund warum ich mich erst so spät melde ist übrigens Judith. :) Sie hat ihren Laptop im Büro auf den Fußboden fallen lassen, mit der Folge: Display kaputt! Das heißt: wir teilen uns den DAAD-Laptop - und darum bin ich nicht zum schreiben gekommen. (…wäre ja auch wirklich unverschämt von mir, wenn ich mich einfach eine Stunde ins Büro an den Laptop setzte um einen Blogartikel zu schreiben, wenn Judith den Laptop braucht).
Nun also meine Erlebnisse der letzten Zeit: Ich bin Auto gefahren! Ja, das ist in Kampala wirklich ein Erlebnis! Erstens fahren die Autos alle auf der falschen Seite, was auch bedeutet, dass das Lenkrad rechts ist und man mit links schalten muss, und zweitens gibt es hier so eine merkwürdige Vorfahrtsregel: Wer hupt, hat Vorfahrt. …und da muss man sich erstmal dran gewöhnen. Positiv überrascht war ich allerdings von Iris’ Toyota Hiace (ja, Iris fährt ein Matatu), der sich, trotz seiner Größe, erstaunlich gut fährt.
Vorletzten Sonntag war ich mit Iris und Sylvia (Ramadan ist Moslem, darum ist er mit den Kindern zuhause geblieben) in der Kirche. Da es eine katholische Kirche war und ich bis jetzt erst einmal in meinem Leben an einem katholischen Gottesdienst teilgenommen habe, kann ich nicht so recht beurteilen, ob der Gottesdienst dem Europäischen stark ähnelt – toll war er auf jeden Fall. Der Pfarrer war ein Mzungu und es gab eine Art Gospelchor, der allerdings nicht vorn beim Altar stand, sondern ganz einfach auf den Bänken saß. Die Lieder waren in Englisch, Luganda, Acholi oder auch Suaheli, die Predigt wurde jedoch nur auf Englisch gehalten. Es gab keine Gesangsbücher, statt dessen eine Powerpoint-Präsentation mit den Liedtexten die mit einem Beamer an die Wand neben dem Altar projiziert wurde und es gab auch keine Orgel, sondern harfenähnliche Gitarren mit Hawaiiklang sowie Trommeln, die den Chor begleiteten. Quite amazing! Am Abend sind Iris, Judith, Sylvia, Amis und ich zu einer traditionellen afrikanischen Tanzshow ins Ndere Centre nach Ntinda gefahren. Frauen und Männer wackelten mit den Hüften, sprangen durch die Luft und tanzten ausgelassen zur Musik eines afrikanischen Orchesters. Der krönende Abschluss der Show war ein Tanz der Acholi, bei dem jede Tänzerin am Ende sechs Vasen auf ihrem Kopf balancierte.
Letzten Montag war Erics (Judiths und Sabines Mitbewohner) fünfundzwanzigster Geburtstag, darum gingen wir (Eric und alle seine Mitbewohner, die im Moment nicht verreist sind, Pete (ein ugandischer Freund von Eric), vier weitere Amerikanerinnen und ich) ins Efendys Abendbrot essen und Shisha rauchen. Das Essen war superlecker und ich war schon sehr satt, als zwei Amerikanerinnen eine Geburtstagsüberraschung für Eric – einen selbstgebackenen doppelten Schokoladenkuchen – herbeiholten. Man, war der lecker und man, was war das für eine Kalorienbombe! Da muss man sich wirklich nicht wundern, warum die meisten Amerikaner so aussehen, wie sie aussehen… Als ich später nachhause kam, wollten Iris und Martin gerade ins National Theatre zu einer Raggae-Jam-Session aufbrechen. Da ich Dienstag sowieso frei hatte ging ich mit. Als wir kurz nach elf ankamen war die Session bereits vorbei, dafür waren viele Freunde von Martin da. So traf ich Seba, ein Ugander, der nach der Vorstellung durch Martin plötzlich Deutsch mit mir sprach. Ich war verwirrt und gleichzeitig erfreut. Er erzählte mir, dass er mit siebzehn Jahren nach München gezogen ist, dort studiert hat und dann fast zwanzig Jahre lang als Taxifahrer gearbeitet hat. Seit fünf Jahren ist er wieder in Uganda und hat mit dem Geld, das er in Deutschland verdient hat, ein Weisenhaus in Kampala eröffnet. Ich mag es, Menschen zu treffen und ihre Geschichten zu hören…
Einen Tag später war ich wieder im National Theatre. Nachdem ich den ganzen Nachmittag mit Judith Unterricht vorbereitet hatte fuhren wir mit Sabine ins National Theatre. Diesmal war hatten die Musiker noch nicht mal angefangen zu spielen, denn diesmal waren wir pünktlich da. Das Konzert war sehr afrikanisch. Die Instrumente auf der Bühne waren ziemlich gemischt – sie reichten von Saxophon über Xylophon bis hin zu den verschiedensten Trommeln. Neben dem Sänger, der Moritz Bleibtreu bis auf die Hautfarbe zum verwechseln ähnlich sah, gab es noch drei Backgroundsängerinnen, die zwischendurch verschiedene Tänze vorführten. Da an dem Abend einer der Gäste Geburtstag hatte gab es Kuchen für alle. Montag Kuchen, Dienstag Kuchen - von Kuchen habe ich erstmal genug. :)
Das Wochenende begann dann schließlich am Freitag nach dem German Club, den ich allein leitete, da Judith mit Karsten (ein Freund von ihr aus Kiel) nach Murchison Falls verreisen wollte und Rashid erst 15 Minuten vor Schluss kam, mit der „Inauguration“ (Eröffnung/Einweihung) der UGCS (Ugandan German Cultural Society) und der Alliance Francaise in der Mackinnon Road. Seit kurzem teilen sich die beiden kulturellen Vertretungen von Deutschland und Frankreich ein Gebäude: wenigstens in Uganda klappt die deutsch-französische Verständigung ausgezeichnet! ;) Es gab ein reichhaltiges kulturelles Programm, sowie eine Kunstausstellung zu sehen. Überall auf dem Gelände standen Fackeln, die sich beim Konzert von Maurice Kirya nicht nur als schön, sondern auch als sehr nützlich erwiesen, da der Strom ausfiel. Nach einem Lied unplugged ging das Konzert mit Generator-Strom im Halbdunkeln weiter. Als das Konzert zu Ende war ging es auf Clubtour: Mateos, Club Silk, irgendwo zwischendurch was essen und anschließend Club Cascades. Da wir Jonas, einen stadtbekannten ugandischen Tänzer, Tanz- und Capoeiralehrer, dabei hatten, mussten wir in keinem einzigen Club Eintritt bezahlen. …und das war so ziemlich alles was passiert ist…
Ansonsten gibt es noch zu sagen, dass Kaya, dank guter Erziehung vom Iris und mir, stubenrein ist! Außerdem lerne ich gerade Luganda mit dem „Luganda – Englisch Phrasebook for Tourists“ von Margaret Nanfuka und den Aussprachetipps von Sylvia, da es oft sehr nützlich ist, wenn man die Sprache der Einheimischen spricht und sie sich außerdem wahnsinnig darüber freuen (und wenn man nur „weebale“ (= "danke" sagt). „Eier“ heißt übrigens „maggi“. Das Wort habe ich zwar noch nie benutzt, kann es mir aber dank deutscher Fernsehwerbung erstaunlich gut merken. ;)
Ach ja! Zwei Sachen muss ich auf jeden Fall noch erzählen: Ab dieser Woche gibt mir Herr Heusing eine Stunde seines Kurses „Grundstufe 3“ ab. Ich soll jeden Donnerstag mit Robert und Emanuel Phonetikunterricht machen. Darum wälze ich seit Tagen alle möglichen Phonetikbücher und höre mir die dazugehörigen Kassetten an. UND: ich habe, da ich mich in der Botschaft registriert und auch meine Emailadresse angegeben habe, eine Einladung, wie auch alle anderen deutschen Staatsbürger in Uganda, vom deutschen Botschafter bekommen! Diesen Freitag findet „anlässlich des 18 .Jahrestages der Deutschen Einheit“ eine Feier in der UGSC statt. Außerdem steht noch in der Einladung: „Wegen des erwarteten großen Andrangs ist der Empfang für Kinder unter 16 Jahren nicht geeignet. Nach dem offiziellen Teil beginnt für Tanzlustige eine Disco-Party.“ und „Bitte ein Ausweispapier mitbringen.“. Na das hört sich doch mal nach einer großen deutschen Party an! Ich warte gespannt auf Freitag und berichte nächste Woche wie es war. :)
Bis dahin! Weeraba (tschüß)!
[Randbemerkung: Da mein kulando-Fotospeicher voll ist, versuche ich mal mir einen flickr-Account anzulegen. Also wird es vielleicht bald wieder die passenden Fotos zum Text geben. Wenn alles klappt steht der Link dann rechts unten unter "Links"...]
Montag, 29. September 2008
Mittwoch, 17. September 2008
Meine erste Unterrichtsstunde und der Rest von letzter Woche.
“Ach, am Donnerstag habe ich einen wichtigen Termin. Könnten Sie vielleicht die Stunde übernehmen, Frau Richter?“ So kam es zu meiner ersten eigenen Unterrichtsstunde – Thema: kennen, wissen und können. Zum Glück waren im Arbeitsheft „em“ sehr brauchbare Erklärungen zu finden, die den Unterschied in der Verwendung dieser Verben deutlich machen. Also musste ich mir die deutschen Erklärungen nur noch auf Englisch übersetzen und mir eine Unterrichtsplanung einfallen lassen.
Als meine beiden Studenten (2. Jahr Beginners) am Donnerstag endlich, nach fünfzehnminütiger Verspätung, ins Zimmer traten und meine Aufregung nicht größer hätte sein können, begann die Unterrichtsstunde mit einer Wiederholung der Konjugation der drei Verben. Als nächstes erklärte ich ihre unterschiedliche Verwendung. Dies dauerte ziemlich lange, aber es sollte schließlich auch verstanden werden... Die verbleibenden fünfzehn Minuten verbrachten Robert und Emanuel mit einer Übung, die ich erstellt hatte. Da dies jedoch länger dauerte als ich gedacht hatte und die beiden ja außerdem viel zu spät gekommen waren, gab ich ihnen die Übung schließlich als Hausaufgabe auf - und außerdem noch zwei andere Aufgaben. Ich habe ihnen versucht zu erklären, dass sie die Verwendung der Verben nur richtig lernen, wenn sie diese viel üben. Ich hoffe sehr, dass sie das verstehen und mich für den Berg an Hausaufgaben nicht hassen. :)
Am Freitag wurde ich morgens durch Benjamin und Martin (Freunde von Iris, die im Wohnzimmer übernachtet hatten), die sich im Wohnzimmer lautstark unterhielten, geweckt. Als ich mein Handy einschaltete, schrieb mir Judith um mir zu sagen, dass wir uns schon eher auf dem Wochenkunstmarkt treffen. Also aß ich mein Frühstück so schnell ich konnte, packte meine Sachen und wollte los, als Amis heulend in der Tür stand, weil er seine Eltern nicht finden konnte. Ich beruhigte ihn, setzte ihn vor den Fernseher, schaltete ein Kinderprogramm ein und verabschiedete mich von Benjamin, der am gleichen Tag nach Frankreich zurückflog. Nach nur zehn Minuten saß ich schließlich im Matatu (zu meinem Erstaunen sogar eins, dass in meine Richtung fuhr. …es passiert ziemlich selten, dass man beim ersten Mal das richtige Matatu erwischt.) und nach einer ewig langen Fahrt, weil wie immer Stau war, erreichte ich schließlich die Jinja Road und lief zum Markt. Nachdem Sabine, Judith und ich wahnsinnig schöne Sachen gekauft haben (ich kann an der Stelle nicht sagen, was ich gekauft habe, da einige Weihnachtsgeschenke darunter sind… :)) sind wir zu 1000 Cups, einem supergeilen Cafe im Stadtzentrum, gefahren um uns vom Bummeln zu erholen. ;) Später fand dann noch der Deutschclub statt. Dieses Mal konnte ich sogar teilnehmen und mir ging es gut. :) Der Plan für diese Sitzung war das Anschauen einer deutschen Serie. Judith hatte dafür von der ARD die erste Staffel „Berlin, Berlin“ bekommen. Da dies ein riesiger Erfolg war schauten wir sogar, auf Wunsch der Stundenten, zwei Folgen. Wir schauten die Serie, zum besseren Verständnis, mit Untertiteln für Hörgeschädigte. Da im Deutschclub einige Born-again-Christen sind (fragt mich nicht, was das genau ist. Ich weiß nur, dass sie sich für die einzig wahren Christen halten und ziemlich strenge Regeln haben, an die sie sich halten -> z.B. kein Sex vor der Ehe, kein Alkohol…) konnte ich mir bei jeder Liebesszene um dem darauf folgenden entsetzten Gesichtsausdruck der Born-agains ein Schmunzeln nicht verkneifen. Danach beschlossen Judith und ich mit dem Matatu zum Supermarkt zu fahren, Abendbrot einzukaufen, ein paar Sachen bei Judith abzuholen, mit dem Boda-Boda zu mir zu fahren um Abendbrot zu essen und anschließend im Latinoclub feiern zu gehen. Es kam jedoch anders. Als wir nach einer Ewigkeit immer noch kein Matatu gefunden hatten, dass in unsere Richtung fuhr bzw. noch Plätze frei hatte, nahmen wir ein Boda-Boda. Wir kamen 20.15 am Supermarkt an und dieser hatte bereits geschlossen. Also stiegen wir erneut aufs Boda und beschlossen unterwegs nur noch ein paar Bier zu kaufen, da Judith noch Brot und Käse zuhause hatte. Nach der Hälfte der Strecke sprangen wir allerdings vom Boda ab, da es zu regnen begonnen hatte, der Fahrer jedoch weiterhin um die Kurven raste, als wäre die Straße noch trocken. Da es den restlichen Abend regnete, übernachtete ich bei Judith, da Taxis ziemlich teuer sind.
Der Samstag begann mit einem Frühstück bei Judith. Danach fuhr ich nach Hause, da Iris und ich in Nsambia noch ein paar Möbel einkaufen wollten (ich hatte immer noch keinen Wäschekorb und mir fehlte außerdem ein Papierkorb). So verbrachten wir den Tag shoppend auf verschiedenen Märkten. Da es ein besonders heißer Tag war, wollte Iris am Nachmittag schwimmen gehen. Ich blieb zu Hause, da ich mich am Tag zuvor erkältet hatte und richtete unser Haus mit den neuen Möbeln und Teppichen ein. Am Abend verließ ich das Haus nur noch einmal um mit Sylvia Airtime für mein Handy zu kaufen, da meine Prapaidkarte leer war. Wir schlenderten zu einem der vielen kleinen Straßenläden direkt um die Ecke und ich hatte Saidi auf dem Arm, was eine Attraktion für alle Ugander, die wir unterwegs trafen, war: eine Uganderin, die mit einem Mzungu, der ein afrikanisches Baby auf dem Arm trägt, spazieren geht! Wow!
Da Iris sich am Samstag einen Tisch für ihr Zimmer in Nsambia anfertigen lassen hatte fuhren wir erneut einkaufen. Außerdem wollte Iris gern einen farbigen Stoff kaufen um die kahle weiße Wand in unserem Wohnzimmer zu verdecken. Wir fuhren durch die Stadt und kauften etliche Sachen ein. Der letzte Markt, den wir anfuhren um weiterhin nach Stoffen und außerdem nach Gemüse und einer Teekanne zu schauen war Nakawa Market. Als wir alles gekauft hatten und den Heimweg antraten entdeckte Iris an einem Metallverarbeitungsstand ein Hundebaby – und sie musste es haben! (Iris ist momentan ziemlich im Kaufrausch und das anscheinend nicht nur für Möbel und Pflanzen…) Also kauften wir Kaya, unsere noch nicht stubenreine Hundedame, für umgerechnet vier Euro. So endete die letzte Woche und nun ist auch die Geschlechterverteilung in unserem Haus ausgeglichen…
Als meine beiden Studenten (2. Jahr Beginners) am Donnerstag endlich, nach fünfzehnminütiger Verspätung, ins Zimmer traten und meine Aufregung nicht größer hätte sein können, begann die Unterrichtsstunde mit einer Wiederholung der Konjugation der drei Verben. Als nächstes erklärte ich ihre unterschiedliche Verwendung. Dies dauerte ziemlich lange, aber es sollte schließlich auch verstanden werden... Die verbleibenden fünfzehn Minuten verbrachten Robert und Emanuel mit einer Übung, die ich erstellt hatte. Da dies jedoch länger dauerte als ich gedacht hatte und die beiden ja außerdem viel zu spät gekommen waren, gab ich ihnen die Übung schließlich als Hausaufgabe auf - und außerdem noch zwei andere Aufgaben. Ich habe ihnen versucht zu erklären, dass sie die Verwendung der Verben nur richtig lernen, wenn sie diese viel üben. Ich hoffe sehr, dass sie das verstehen und mich für den Berg an Hausaufgaben nicht hassen. :)
Am Freitag wurde ich morgens durch Benjamin und Martin (Freunde von Iris, die im Wohnzimmer übernachtet hatten), die sich im Wohnzimmer lautstark unterhielten, geweckt. Als ich mein Handy einschaltete, schrieb mir Judith um mir zu sagen, dass wir uns schon eher auf dem Wochenkunstmarkt treffen. Also aß ich mein Frühstück so schnell ich konnte, packte meine Sachen und wollte los, als Amis heulend in der Tür stand, weil er seine Eltern nicht finden konnte. Ich beruhigte ihn, setzte ihn vor den Fernseher, schaltete ein Kinderprogramm ein und verabschiedete mich von Benjamin, der am gleichen Tag nach Frankreich zurückflog. Nach nur zehn Minuten saß ich schließlich im Matatu (zu meinem Erstaunen sogar eins, dass in meine Richtung fuhr. …es passiert ziemlich selten, dass man beim ersten Mal das richtige Matatu erwischt.) und nach einer ewig langen Fahrt, weil wie immer Stau war, erreichte ich schließlich die Jinja Road und lief zum Markt. Nachdem Sabine, Judith und ich wahnsinnig schöne Sachen gekauft haben (ich kann an der Stelle nicht sagen, was ich gekauft habe, da einige Weihnachtsgeschenke darunter sind… :)) sind wir zu 1000 Cups, einem supergeilen Cafe im Stadtzentrum, gefahren um uns vom Bummeln zu erholen. ;) Später fand dann noch der Deutschclub statt. Dieses Mal konnte ich sogar teilnehmen und mir ging es gut. :) Der Plan für diese Sitzung war das Anschauen einer deutschen Serie. Judith hatte dafür von der ARD die erste Staffel „Berlin, Berlin“ bekommen. Da dies ein riesiger Erfolg war schauten wir sogar, auf Wunsch der Stundenten, zwei Folgen. Wir schauten die Serie, zum besseren Verständnis, mit Untertiteln für Hörgeschädigte. Da im Deutschclub einige Born-again-Christen sind (fragt mich nicht, was das genau ist. Ich weiß nur, dass sie sich für die einzig wahren Christen halten und ziemlich strenge Regeln haben, an die sie sich halten -> z.B. kein Sex vor der Ehe, kein Alkohol…) konnte ich mir bei jeder Liebesszene um dem darauf folgenden entsetzten Gesichtsausdruck der Born-agains ein Schmunzeln nicht verkneifen. Danach beschlossen Judith und ich mit dem Matatu zum Supermarkt zu fahren, Abendbrot einzukaufen, ein paar Sachen bei Judith abzuholen, mit dem Boda-Boda zu mir zu fahren um Abendbrot zu essen und anschließend im Latinoclub feiern zu gehen. Es kam jedoch anders. Als wir nach einer Ewigkeit immer noch kein Matatu gefunden hatten, dass in unsere Richtung fuhr bzw. noch Plätze frei hatte, nahmen wir ein Boda-Boda. Wir kamen 20.15 am Supermarkt an und dieser hatte bereits geschlossen. Also stiegen wir erneut aufs Boda und beschlossen unterwegs nur noch ein paar Bier zu kaufen, da Judith noch Brot und Käse zuhause hatte. Nach der Hälfte der Strecke sprangen wir allerdings vom Boda ab, da es zu regnen begonnen hatte, der Fahrer jedoch weiterhin um die Kurven raste, als wäre die Straße noch trocken. Da es den restlichen Abend regnete, übernachtete ich bei Judith, da Taxis ziemlich teuer sind.
Der Samstag begann mit einem Frühstück bei Judith. Danach fuhr ich nach Hause, da Iris und ich in Nsambia noch ein paar Möbel einkaufen wollten (ich hatte immer noch keinen Wäschekorb und mir fehlte außerdem ein Papierkorb). So verbrachten wir den Tag shoppend auf verschiedenen Märkten. Da es ein besonders heißer Tag war, wollte Iris am Nachmittag schwimmen gehen. Ich blieb zu Hause, da ich mich am Tag zuvor erkältet hatte und richtete unser Haus mit den neuen Möbeln und Teppichen ein. Am Abend verließ ich das Haus nur noch einmal um mit Sylvia Airtime für mein Handy zu kaufen, da meine Prapaidkarte leer war. Wir schlenderten zu einem der vielen kleinen Straßenläden direkt um die Ecke und ich hatte Saidi auf dem Arm, was eine Attraktion für alle Ugander, die wir unterwegs trafen, war: eine Uganderin, die mit einem Mzungu, der ein afrikanisches Baby auf dem Arm trägt, spazieren geht! Wow!
Da Iris sich am Samstag einen Tisch für ihr Zimmer in Nsambia anfertigen lassen hatte fuhren wir erneut einkaufen. Außerdem wollte Iris gern einen farbigen Stoff kaufen um die kahle weiße Wand in unserem Wohnzimmer zu verdecken. Wir fuhren durch die Stadt und kauften etliche Sachen ein. Der letzte Markt, den wir anfuhren um weiterhin nach Stoffen und außerdem nach Gemüse und einer Teekanne zu schauen war Nakawa Market. Als wir alles gekauft hatten und den Heimweg antraten entdeckte Iris an einem Metallverarbeitungsstand ein Hundebaby – und sie musste es haben! (Iris ist momentan ziemlich im Kaufrausch und das anscheinend nicht nur für Möbel und Pflanzen…) Also kauften wir Kaya, unsere noch nicht stubenreine Hundedame, für umgerechnet vier Euro. So endete die letzte Woche und nun ist auch die Geschlechterverteilung in unserem Haus ausgeglichen…
Dienstag, 9. September 2008
Studenten und Lebensmittelvergiftung.
Ich hätte nie gedacht, dass ich mich einmal so freue, wenn ich erfahre, dass der Unterricht beginnt – aber so ist es! Für mich geht es diese Woche richtig los! Montag wurde kurzfristig zum Feiertag erklärt, Dienstag habe ich frei und hospitiere nur in Judiths Kurs, aber am Mittwoch fange ich dann an. Anfangen bedeutet in meinem Fall in Kursen zu assistieren, also so lange dabei helfen den Unterricht vorzubereiten und außerdem hospitieren, bis ich mir getraue selbst ein paar Stunden zu unterrichten. Ich assistiere in drei Kursen. Ein Kurs ist eigentlich ein Literaturwissenschaftsseminar, das den Studenten die Epochen der Aufklärung bis zum Vormärz näher bringen soll. Da in der Kursbeschreibung steht, dass der Unterricht vorwiegend auf englisch gehalten wird, da die Studenten erst zwei Jahre Deutschunterricht an der Universität hinter sich haben, werde ich mich bei diesem Kurs wohl auf das Vorbereiten des Unterrichts konzentrieren und das Unterrichten Judith überlassen. Die beiden anderen Kurse, in denen ich assistiere, unterrichtet Herr Heusing. Der eine Kurs heißt „Advanced German Language Skills“ und richtet sich an Erstsemester, die bereits in der Schule Deutschunterricht hatten. Da die zwei Studentinnen, die diesen Kurs belegen, jedoch einige grammatische Probleme haben, wie sie Herrn Heusing berichteten, wird sich der Kurs vorrangig auf diese Probleme konzentrieren, ehe man zur Textanalyse und dem Schreiben von Essays übergehen kann. Zwei Studenten sind in diesem Semester übrigens die Mindestanzahl an Kursteilnehmern. Es hat jedoch in den vergangenen Jahren auch schon Kurse mit nur einem einzigen Teilnehmer gegeben. Das es verhältnismäßig wenig Studenten der deutschen Sprache an der Makerere University gibt (insgesamt gibt es um die 30000 Studenten an der Uni – wir haben in diesem Semester neun neue Deutschstudenten), liegt wahrscheinlich daran, dass es noch zwei weitere Schulen in Kampala gibt, die Deutschunterricht anbieten – an der MUK sind immerhin Studiengebühren von fast 20000 Dollar pro Jahr fällig. Im Grunde ist mir die geringe Studentenzahl jedoch sehr recht, da so eine viel individuellere Betreuung der Studierenden möglich ist und die Klassenräume außerdem sehr klein sind. Der andere Kurs, bei dem ich assistiere, heißt „Grundstufe 3“ und richtet sich an Studenten im zweiten Studienjahr Deutsch, die in der Schule noch keinen Deutschunterricht hatten. In diesem Kurs wird mit dem Lehrwerk „Themen 2“ gearbeitet. Da die Lehrbücher aus den achtziger Jahren stammen und viele Abbildungen und Texte unaktuell sind, werde ich sicher oft selbst kreativ sein können.
Am Freitag fand die erste Sitzung des Deutschclubs statt. Dafür haben Rashid, der Leiter des Deutschclubs, Judith und ich bereits letzten Mittwoch besprochen, was wir für die nächsten zwölf Termine des Deutschclubs planen. Ich freute mich sehr auf meine erste offizielle Veranstaltung an der Universität und obwohl mir seit dem Aufstehen schlecht war, änderte dies nichts an meiner Vorfreude. Als ich jedoch am Campus ankam, war mir so schlecht, dass ich mich erst einmal ins Büro legen musste. Die Zeit, während der Deutschclub stattfand, verbrachte ich auf der Wiese vor dem Klassenzimmer, da ich mich im Minutentakt übergeben musste. Klasse! Die erste Veranstaltung meines Praktikums - und ich konnte nicht teilnehmen. Judith erzählte mir nachher, dass ich nicht viel verpasst habe und sie die Sitzung auch schon nach einer Stunde beendet hätten. Wir gingen daraufhin in der Guild Canteen Pommes essen und Cola trinken, die sich nachher jedoch, wie jede Nahrung, die ich an dem Tag zu mir genommen hatte, auf der Wiese wieder fand. So ist also eine Lebensmittelvergiftung - wenigstens bin ich diese Erfahrung reicher. …und wenn das nächste Mal vierundzwanzig Stunden lang der Strom ausfällt vergesse ich garantiert nicht mehr alle Lebensmittel aus dem Kühlschrank zu entsorgen um sie nicht mehr aus Versehen zu essen…
Am Freitag fand die erste Sitzung des Deutschclubs statt. Dafür haben Rashid, der Leiter des Deutschclubs, Judith und ich bereits letzten Mittwoch besprochen, was wir für die nächsten zwölf Termine des Deutschclubs planen. Ich freute mich sehr auf meine erste offizielle Veranstaltung an der Universität und obwohl mir seit dem Aufstehen schlecht war, änderte dies nichts an meiner Vorfreude. Als ich jedoch am Campus ankam, war mir so schlecht, dass ich mich erst einmal ins Büro legen musste. Die Zeit, während der Deutschclub stattfand, verbrachte ich auf der Wiese vor dem Klassenzimmer, da ich mich im Minutentakt übergeben musste. Klasse! Die erste Veranstaltung meines Praktikums - und ich konnte nicht teilnehmen. Judith erzählte mir nachher, dass ich nicht viel verpasst habe und sie die Sitzung auch schon nach einer Stunde beendet hätten. Wir gingen daraufhin in der Guild Canteen Pommes essen und Cola trinken, die sich nachher jedoch, wie jede Nahrung, die ich an dem Tag zu mir genommen hatte, auf der Wiese wieder fand. So ist also eine Lebensmittelvergiftung - wenigstens bin ich diese Erfahrung reicher. …und wenn das nächste Mal vierundzwanzig Stunden lang der Strom ausfällt vergesse ich garantiert nicht mehr alle Lebensmittel aus dem Kühlschrank zu entsorgen um sie nicht mehr aus Versehen zu essen…
Dienstag, 2. September 2008
Stromausfall.
Als ich gestern um acht im Dunkeln mein Zuhause mit dem Boda erreichte, brannte in keinem einzigen Zimmer Licht. Ich wunderte mich, da Iris’ Matatu auf seinem Parkplatz vorm Haus stand, was ein ziemlich sicheres Zeichen ist, dass sie bereits von der Arbeit zurück ist. Als ich das Haus betrat und aus dem Dunkel die Stimmen von Iris und Benjamin vernahm, die auf dem Sofa lagen, wusste ich, was los ist: Stromausfall.
Stromausfälle sind in Kampala keine Seltenheit, wie ich bereits in der ersten Woche fast jeden Abend im Makerere University Guesthouse erfahren hatte - wer einen Konverter hat ist hier klar im Vorteil! Komisch, dachte ich, als ich meine Schuhe im Wohnzimmer auszog und froh war, dass in meinem Handy eine Lampe integriert ist, denn wir haben doch einen Konverter. Auf die Frage, warum dieser nicht funktioniere, antwortete Iris nur, dass er kaputt sei und sie weder wisse warum noch daran gedacht habe Kerzen zu kaufen. Na schön! Stromausfall, Konverterausfall, keine Kerzen und erst um acht. Ich borgte mir eine Kerze von Sylvia und beschloss den restlichen Abend im Kerzenschein zu lesen, bis mich Iris fragte, ob ich Lust hätte mit Benjamin zu einem Freund zu fahren um ein bisschen was zu trinken und zu quatschen. Als sie mir versprach den Heimweg nicht allzu spät anzutreten, willigte ich ein. Wir fuhren zu Jan, einem französischen Freund von Iris und Benjamin, der mit einer Uganderin verheiratet ist, zwei Kinder hat und in einem riesigen Haus in Muyenga wohnt, in dem es, wie nur in den seltensten Häusern in Kampala, die anscheinend einen Generator hatten, noch Strom gab. Die Fahrt nach Muyenga war abenteuerlich, da es auf dem letzten Stück keine befestigten Strassen gab und die Wege teilweise nur noch aus zwanzig Zentimeter hohem Matsch bestanden, da es vorher geregnet hatte. Den restlichen Abend verbrachten wir in ruhiger Runde in Jans Wohnzimmer und schauten BigBrother Africa, was nicht wirklich spannend war, aber wenigstens ein bisschen unterhaltsam.
Am nächsten Morgen war der Strom immer noch nicht zurückgekehrt. Im Hellen ist das ja nicht weiter schlimm, dachte ich mir beim aufstehen, bis ich unter der kalten Dusche stand. Zum Glück ist das Wasser aus der Leitung nicht so kalt wie man es aus Deutschland gewohnt ist, da es in einem schwarzen Kanister, der ein wenig durch die Sonne aufgewärmt wird, gespeichert ist. Als ich mir schließlich Frühstück machen wollte und den Kühlschrank öffnete, stellte ich erneut fest, das Strom leider doch nicht nur für warmes Wasser und Licht benötigt wird. Zum Glück haben wir wenigstens einen Gasherd…
Stromausfälle sind in Kampala keine Seltenheit, wie ich bereits in der ersten Woche fast jeden Abend im Makerere University Guesthouse erfahren hatte - wer einen Konverter hat ist hier klar im Vorteil! Komisch, dachte ich, als ich meine Schuhe im Wohnzimmer auszog und froh war, dass in meinem Handy eine Lampe integriert ist, denn wir haben doch einen Konverter. Auf die Frage, warum dieser nicht funktioniere, antwortete Iris nur, dass er kaputt sei und sie weder wisse warum noch daran gedacht habe Kerzen zu kaufen. Na schön! Stromausfall, Konverterausfall, keine Kerzen und erst um acht. Ich borgte mir eine Kerze von Sylvia und beschloss den restlichen Abend im Kerzenschein zu lesen, bis mich Iris fragte, ob ich Lust hätte mit Benjamin zu einem Freund zu fahren um ein bisschen was zu trinken und zu quatschen. Als sie mir versprach den Heimweg nicht allzu spät anzutreten, willigte ich ein. Wir fuhren zu Jan, einem französischen Freund von Iris und Benjamin, der mit einer Uganderin verheiratet ist, zwei Kinder hat und in einem riesigen Haus in Muyenga wohnt, in dem es, wie nur in den seltensten Häusern in Kampala, die anscheinend einen Generator hatten, noch Strom gab. Die Fahrt nach Muyenga war abenteuerlich, da es auf dem letzten Stück keine befestigten Strassen gab und die Wege teilweise nur noch aus zwanzig Zentimeter hohem Matsch bestanden, da es vorher geregnet hatte. Den restlichen Abend verbrachten wir in ruhiger Runde in Jans Wohnzimmer und schauten BigBrother Africa, was nicht wirklich spannend war, aber wenigstens ein bisschen unterhaltsam.
Am nächsten Morgen war der Strom immer noch nicht zurückgekehrt. Im Hellen ist das ja nicht weiter schlimm, dachte ich mir beim aufstehen, bis ich unter der kalten Dusche stand. Zum Glück ist das Wasser aus der Leitung nicht so kalt wie man es aus Deutschland gewohnt ist, da es in einem schwarzen Kanister, der ein wenig durch die Sonne aufgewärmt wird, gespeichert ist. Als ich mir schließlich Frühstück machen wollte und den Kühlschrank öffnete, stellte ich erneut fest, das Strom leider doch nicht nur für warmes Wasser und Licht benötigt wird. Zum Glück haben wir wenigstens einen Gasherd…
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