Mittwoch, 15. Juli 2009

Grenzüberquerung.

Ich hatte mich entschieden den 3-Tages-Bus nach Buenos Aires, anstatt des 6-Stunden-Flugzeuges, zu nehmen. Der Hauptgrund meiner Entscheidung lag an der Hälfte des Preises für das Busticket gegenüber dem Flugticket, ein anderer Grund war, dass ich nach der Busreise den zweifarbigen Chile-Stempel, der mir noch in meiner Sammlung im Reisepass fehlte, haben würde. Und dafür müsste ich ja lediglich eine Grenze überqueren – und das hatte ich ja schon so oft gemacht, in Südamerika. Dauert fünf Minuten – kein Stress. Denkste! Als ich morgens im Bus aufwachte, waren wir kurz vor der peruanischen Grenze. Ich war noch ziemlich schlaftrunken als wir aussteigen sollten um zu frühstücken und Geld zu wechseln. Also frühstückte ich meine sämtlichen mitgebrachten Sachen – denn nach Chile darf man weder Brot, noch Käse, noch frisches oder getrocknetes Obst einführen. Danach stiegen alle wieder in den Bus und als wir die Grenze erreichten hieß es „Alle raus und in einer Schlange aufstellen!“ Huch, solche Töne kennt man ja von den sonst so liebenswürdigen freundlichen Peruanern gar nicht. Und so ging es weiter. Als ich nach ewiger Warterei mit einer anderen Frau zusammen in das Durchsuchungszimmer aufgerufen wurde, hieß es „Rucksack auf dem Stuhl abstellen und öffnen!“ Als alles durchsucht war, sagte sie „Und jetzt urinieren!“ „Ähm, wie bitte? Was soll ich machen?“ „Urinieren! Oder haben Sie Drogen zu verbergen?“ Hatte ich natürlich nicht, aber ich hatte einen Sol dafür ausgegeben vor der Grenze noch mal auf die Toilette zu gehen... Hätte ich das mal vorher gewusst! Also setzte ich mich auf das im winzigen Zimmerchen stehende Klo und die zwei Frauen warteten, bis es plätscherte. Verstößt das nicht gegen irgendwelche Menschenrechte? Dürfen die mich einfach so zwingen aufs Klo zu gehen und dabei zuhören? Naja, egal – Hauptsache die blöde Durchsuchung ist bald vorbei. Nach der Körperdurchsuchung wurde mein großer Reiserucksack durch die Made-in-Germany-Röntgenmaschine geschoben und ich stieg wieder in den Bus, denn es war ja jetzt alles vorbei. ...bis ich aufgerufen wurde. Mein Rucksack sollte kontrolliert werden! Hä? Sind die bescheuert? Röntgen reicht wohl nicht? Also stieg ich wieder auf dem Bus und die „nette“ Dame raunte mich bereits erneut mit „Rucksack öffnen!“ an. Und dann packte sie doch tatsächlich meinen Rucksack aus! Komplett! Ich hatte geschlagene dreißig Minuten gebraucht den Rucksack so zu packen, dass alles passte und ich ihn verschließen konnte und sie schmiss einfach alles raus. Bis sie auf meinen Reithelm stieß. „Was ist das?“ fragte sie darauf klopfend. „Ein Reithelm.“ „Ein Reithelm?“ Nein, eine getrocknete Schildkröte in der ich Koks versteckt habe. Natürlich ist das ein Reithelm, wenn ich es sage. An der Stelle, war ich schon mehr als sauer. Und dann zerrte sie den Helm heraus. In dem Helm hatte ich alle zerbrechlichen Gegenstände verstaut, die ich in Cuzco gekauft hatte und die nicht zerbrechen sollten. Wie z.B. eine kleine handbemalte Tondose, nach der ich ganze drei Tage auf sämtlichen Märkten suchte, ehe ich das perfekte Motiv fand. Sie fiel beim Rauszerren des Helmes zurück in den Rucksack und zerbrach in zwei Teile. So, und damit hatte ich genug! Was soll der Scheiß? Reicht Röntgen nicht? Muss sie alles rausschmeißen und die Hälfte dabei kaputt machen? Ich hätte sie so gern angeschrieen und beschimpft, aber leider kenne ich nur drei spanische Schimpfwörter und für die hätte sie mich wahrscheinlich gleich für mehrere Tage da behalten... Also schmetterte ich die Dose auf den Boden, die daraufhin in alle Teile zersprang, und um die Dramatik zu steigern, und weil ich außerdem noch so müde war, fing ich an zu heulen. Und daraufhin hörte sie auf zu wühlen und die Durchsuchung war beendet. Na geht doch! Dumme frustrierte Alte! Soll sich einen anderen Job suchen, wenn ihr der keinen Spaß macht. Nach einer viertel Stunde hatte ich meinen Rucksack wieder gepackt und wir konnten weiter fahren. An der chilenischen Grenze sollten wir wieder aussteigen und uns in einer Reihe aufstellen. Außerdem sollten wir alle Gepäckstücke in eine Reihe auf den Boden legen. Und dann kamen vier Drogenspürhunde und machten sich über das Gepäck her. Ein Rucksack schien dem einen Hund nicht zu gefallen und er fing heftig an zu scharren – meiner. „Wessen Rucksack ist das?“ „Meiner.“ „Bitte mitkommen.“ Aha, ein bitte und ein Lächeln. Na wenigstens gibt es auf der anderen Seite der Grenze freundliche Behörden. „Haben Sie Drogen konsumiert? Marihuana? Kokain?“ „Nein, aber ich hatte Kokablätter in dem Rucksack. Aus Bolivien. Wegen der Höhe.“ „Na dann schauen wir mal.“ Und tatsächlich waren in meinem Rucksack noch zwei Kokablättchen aus Bolivien. Der Polizist lachte als er sie fand und sagte mir, dass die Hunde bereits bei solchen kleinen Mengen anschlagen, aber das alles in Ordnung sei. Und dann packte er meinen Rucksack wieder so ein, wie er war und trug mir sogar noch den großen, der mittlerweile sechsundzwanzig Kilos wiegt, zum Bus. Also zwei Sachen weiß ich jetzt nach der ganzen Aktion: chilenische Polizisten sind sehr viel freundlicher als peruanische UND wenn ich noch mal nach Peru fliege, was ich auf jeden Fall vorhabe, dann mache ich definitiv keinen Ausflug nach Chile.

11 Kommentare:

  1. Sehr schöne Story! Obwohl es natürlich sehr dramatisch war!

    Schöne Grüße
    Fabian

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  2. Hehe:

    1. Schöne Erzählweise, man kann die Situation glatt im Kopf nachstellen.

    2. Ich glaube das verstößt gegen keine Menschenrechte, das ist Sicherheitspolitik. Sie haben ja keine Körperöffnung ohne Verdacht untersucht.

    3. Durftest du denn die Blätter behalten oder haben sie die beim Zoll eingezogen?

    4. Na zum Glück kaufst du die 10 Kilo Koks für mich erst in Argentinien!

    5. Verzeih, dass mich das amüsiert, aber das ist deinem Erzählton geschuldet.

    Adios Amiga!

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  3. 6. Warum willst du nicht mehr nach Peru?

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  4. Also eher Grenzüberschreitung.

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  5. @ Fabian
    Danke. Und ja, es war wirklich sehr dramatisch. :P
    @ Martin
    1. Ja, die Blaetter durfte ich behalten.
    2. 10 Kilo Koks geht nicht, dann muss ich Uebergepaeck am Flughafen zahlen.
    3. Ich hab doch geschrieben, dass ich definitiv vorhabe nochmal nach Peru zu fliegen... :)

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  6. Mein heimlicher Star deiner Story ist definitiv Schildi, dicht dahinter folgt an zweiter Stelle Dramaqueen, Frollein Richter ;-)
    Ich hoffe du hast noch ein paar erholsame Tage in B.A., pass auf dich auf!

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  7. oh mann!!!
    ich kann diese dramatik, die tränen und besonders die wut sehr gut nachvollziehen.mein gott.

    wie kann die so beshceuert sein und dein döschen :) kaputt machen.
    naja ich wünsch dir noch eine wundervolle reise und heimreise und nur noch entzückende, zuvorkommende, schnelle, oberflächliche zöllner.

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  8. Warum passiert hier nix mehr?! LOS, SCHREIB WAS!

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  9. Wer ist denn bloederfuchs??? Ich schreib nix mehr, weil mein Alltagsleben in Deutschland so alltäglich ist.

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  10. Dein Kommilitone, den du letztens im Edeka überfallen hast und der Freitag dann leider nicht zur Vorlesung gekommen ist :)

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