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Samstag, 20. Juni 2009

Marktszenen.

"Sopa de Mani" (Erdnusssuppe): mein Mittagessen auf dem Markt in Sucre.


Die Tortenabteilung, ebenfalls auf dem Markt in Sucre.


Markt in Potosi: die Fleischabteilung.

Lamaföten und andere Glücksbringer.

Jedes Land hat seinen eigenen speziellen Aberglauben - in Bolivien bringen getrocknete Lamaföten Glück. Nein, man hängt sie sich nicht etwa um den Hals, man vergräbt sie unter der Türschwelle eines neu gebauten Hauses. Dadurch soll das Haus vor Einsturz oder Naturgewalten bewahrt werden und Jahrhunderte überdauern. Bauarbeiter setzen keinen Stein auf den anderen, solange nicht ein Lamafötus unter dem Fundament in der Erde liegt! Bei größeren Bauwerken allerdings reicht so ein ungeborenes Lama nicht aus, da muss etwas Größeres her. Und so verbuddelt man nicht etwa ein ausgewachsenes Lama, nein, man benutzt die höchste Schöpfung Gottes als Glücksbringer: den Menschen. Jedoch nicht etwa getrocknet, sondern lebendig. Da es in La Paz genug Bettler und Obdachlose gibt, fällt es nicht schwer einen oder zwei geeignete Opfer zu finden. Man fängt sie ein und macht sie betrunken - und schließlich vergräbt man sie bei lebendigem Leib. Man munkelt, dass unter der gewaltigen Brücke, die „Miraflores“ mit dem Nachbarstadtteil verbindet, sogar mehr als zwei Menschen vergraben wurden. Na dann können wir nur abwarten, wie viele Jahre die Brücke überdauert...

Lamaföten auf dem Hexenmarkt in La Paz.

Dienstag, 12. Mai 2009

Putschgerüchte.

Theologe und Präsident Paraguays Fernando Lugo.

Die Innenstadt ist voll mit Tausenden von Menschen - vor allem Bauern, die harte Arbeit verrichten und mehr Geld fordern. Unter den Demonstranten sind aber auch Lehrer, denn heute wird an allen öffentlichen Schulen Paraguays gestreikt. Die Zeitungen schreiben, dass es eine friedliche Demonstration sein wird und bis jetzt behalten sie Recht. Die Gerüchteküche brodelt allerdings! Mittlerweile ist es kein Geheimnis mehr, dass Lugo sich ein sozialistisches Paraguay wünscht und mit seinem venezuelanischen Kollegen Chávez gleichziehen will. Letzte Woche trommelte Lugo junge Linke aus ganz Südamerika zusammen und ließ sie für eine Woche auf dem Militärgelände übernachten. Ergebnis waren Transparente an den Wänden der Kasernen die "Che Guevara" und "Sozialismus" verkündeten. Gerüchte besagen nun, dass Lugo ein paar seiner Männer bewaffnet unter die Demonstranten mischen will, um Unruhe zu stiften und diese Situation für einen Staatsstreich zu nutzen. Im Moment ist allerdings noch nichts davon zu merken, man bekommt nur von allen Seiten den guten Ratschlag die Innenstadt zu meiden. …und abzuwarten.

Fotos von Fidel Castro, Che Guevara, Hugo Chávez, Evo Morales und Anderen in einer Kaserne. (Quelle: ABC Color)

Freitag, 1. Mai 2009

Jesus fährt immer mit.

Da ich jeden Tag mehrmals mit dem Bus fahre, war es mir bereits des Öfteren möglich die Innengestaltung der Busse zu bestaunen. In Asunción ist jeder Bus ein Individuum, das vom Busfahrer nach seinem Geschmack gestaltet wird. Manche Busse strahlen in geschmackvollem blau-weiß und großen "Olimpia"-Schriftzügen und verkünden den Fahrgästen den Lieblingsfußballverein des Fahrers. In anderen Bussen gibt es schwarze Gardinen, die vor der Sonne schützen, und in einigen weniger Geschmackvollen ist der gesamte Platz um die Frontscheibe mit bunten Plüschtieren dekoriert. Eines gibt es aber, dass alle Busse verbindet: Jesus. Im sehr katholischen Paraguay verwundert das nicht besonders. Anstatt sich mit Verkehrsregeln vertraut zu machen, vertraut man auf Gott. In nicht wenigen Bussen ist über dem Kopf des Fahrers zu lesen: "Ich fahre, aber Jesus lenkt." Jesus-Sticker dürfen natürlich auch nicht fehlen! Riesengroße Jesusse breiten mitten auf der Frontscheibe ihre Arme aus. Mich, als Fahrgast, beunruhigen diese Riesenaufkleber, die dem Fahrer größere Teile der Sicht auf die Straße nehmen, ein wenig. Mehr jedoch, dass die Fahrer davon ausgehen "gelenkt" zu werden...

Sonntag, 19. April 2009

Die Kinder der Schönen und Reichen.

In Asuncion ist es wie in jeder anderen Hauptstadt eines Entwicklungslandes: es gibt eine riesige Kluft zwischen Arm und Reich. Als Europäer gehört man natürlich zur oberen Gesellschaftsschicht - selbst als Student. Da ich am Goethe Zentrum arbeite, bin ich meist nur von Menschen aus dieser Schicht umgeben, denn Sprachkurse kann sich nun mal nicht jeder leisten. Für Kinder von acht bis neun, deren reiche Eltern ihren Spösslingen schon frühzeitig eine umfangreiche Bildung ermöglichen wollen, gibt es Kindersprachkurs. In diesen Kursen habe ich noch nie hospitiert, aber meine Kolleginnen erzählten schon oft, dass diese Kurse besonders anstrengend seien, da die Kinder sehr frech sind. Aber wieso sind denn gerade Oberschichtenkinder so frech? Reiche Familien in Asunción haben ein Kindermädchen! Und dieses Kindermädchen macht alles für die Kinder - und damit meine ich ALLES. So müssen z.B. noch nicht einmal vom Tisch gefallene Stifte aufgehoben werden - wozu hat man schließlich ein Kindermädchen, das sich bücken kann? Und so benehmen sich die Kinder dann eben auch im Unterricht! "Heb mal das Papier auf, das ist mir runter gefallen." ist ein Satz der nicht selten gegenüber der Lehrerin geäußert wird, da die Kinder oft nicht zwischen Kindermädchen und Lehrerin differenzieren können.
Der neuste Trend in der Schicht der Schönen und Reichen sind übrigens "Nurses". Diese Krankenschwestern kann man sich für die ersten drei bis vier Wochen nach der Geburt "kaufen", damit sie sich rund um die Uhr um das Neugeborene kümmern, das heißt Baby wickeln, baden und füttern. Mama kann sich während dessen von der schweren Geburt erholen und durch Nichtstun ihre ursprüngliche Schönheit zurückerlangen. Diese "Nurses" sind natürlich eigentlich ziemlich überflüssig und verbauen außerdem der Mutter die Chance eine tiefere Bindung zu ihrem eigenen Kind aufzubauen - aber darum geht es ja nicht. Es geht nicht darum, ob eine "Nurse" sinnvoll ist oder nicht - es geht einzig und allein darum sich abzugrenzen! Und wer es sich leisten kann, der leistet es sich eben…

Freitag, 3. April 2009

Paraguayer und SchönheitsOPs.

In Paragay macht man kein Geheimnis um SchönheitsOPs. Ist ja eigentlich auch richtig, denn unechte Brüste erkennt man selbst, wenn man auf beiden Augen blind ist - wozu also lügen? Und da Paraguayer im allgemein sehr ehrlich und direkt sind, was positive oder negative Kommentare zur Figur angeht, wird auch offen über besagte Operationen geredet. Neulich, Samstagmorgen während der Pause im Lehrerzimmer, wurde das Thema "Figur" wieder einmal ausgiebig beredet. Wer sieht besonders gut aus? Was darf man essen? Auf die Frage an eine Lehrerin und zweifache Mutter, wieviel Sport man machen müsse um SO einen flachen Bauch zu bekommen, antwortete sie: "Ach mein Bauch? Der ist operiert. Nach zwei Kindern kriegste den auch mit Sport nicht mehr weg." In Deutschland ist diese Art von Ehrlichkeit nur schwer vorstellbar... In Asunción ist es sogar schon vorgekommen, dass Schönheitsoperationen in Polizeikontrollen vor Strafe schützten: "Ich konnte mich nicht anschnallen, meine Brust ist frisch operiert." wird durchaus als plausibler Grund akzeptiert! ...also Ehrlichkeit und Direktheit gut und schön - aber wenn Ästhetik vor Sicherheit geht, dann sollte man seine Ansichten doch nochmal überdenken...

Montag, 16. März 2009

Indianertanz.

Aus einer Bar kommend auf dem Weg zu einer anderen Feier blieben Vanessa und ich stehen, denn es gab einen Indianertanz zu sehen – mitten in der Stadt. Die Indianer hatten wir schon oft gesehen, denn seit zwei Monaten protestieren sie in Asunción, indem sie auf dem Plaza Urugaya leben. Auf den ersten Blick sind sie mit Obdachlosen zu verwechseln, die bei Regen Planen zwischen Bäumen als Zelte spannen, jedoch geht es hier um etwas – um Aufmerksamkeit. Seit Ewigkeiten soll ein „Oberster“ bestimmt werden, der zwischen den Stämmen vermitteln und wichtige Entscheidungen treffen soll, jedoch hat dies bis jetzt zu keiner Einigung geführt. Das ist aber auch nicht einfach, denn schon allein auf dem Plaza wird unter den Indianern in 26 verschiedenen Sprachen gesprochen und in den Entscheidungen, die zu treffen sind, geht es nicht um Kleinigkeiten, sondern unter Anderem um viel Land. Morgen findet endlich der von allen lang ersehnte Indianerkongress statt, indem Präsident Lugo einen verantwortlichen „Obersten“ bestimmt – wahrscheinlich ist heute also die letzte Nacht unter freiem Himmel. Ich weiß nicht, ob Indianer jeden Abend tanzen, oder nur wenn besondere Ereignisse anstehen, aber ich bin glücklich, dass wir dieses Ereignis noch erleben durften, bevor sie morgen ihre Sachen packen und endlich in den Chaco, ihre Heimat, zurück reisen. Es ist schön zu sehen, wie Menschen, die so viele verschiedene Sprachen sprechen, sich durch Musik verstehen…

[photos by Swiatek Wojtkowiak, flickr.com]

Mittwoch, 25. Februar 2009

Paraguayischer Aberglaube.

In Paraguay leben noch immer Guaranís, die Ureinwohner Paraguays, Boliviens, Argentiniens und Brasiliens, und mit ihnen leben ihre Traditionen, ihr Glaube und ihre Sagenwelt. So haben viele Paraguayer einen speziellen Glauben was Geister betrifft…denn Geister gibt es und an ihrer Existenz wird nicht gezweifelt. Im Speziellen gibt es neun mythologische Wesen, von deren Existenz die Guaraní überzeugt sind. Einer von ihnen ist Pombero. Dieser kleine Zwerg wird auch „Herr der Nacht“ genannt, da er nachts die Häuser beschützt – vorausgesetzt man bringt ein Opfer dar: Tabak, Honig oder Kaña (paraguayischer Zuckerrohrschnaps). Und dieses Opfer ist am nächsten Tag wirklich verschwunden… Eine weitere Sagengestalt ist Kurupí. Er ist der fünfte Sohn von Taú und Kerana und hat die Gestalt eines erwachsenen Mannes dessen Penis als Gürtel um den Bauch geschlungen ist. Vor ihm fürchten sich vor allem Frauen und Mädchen, denn Kurupí vergewaltigt im Dunkeln. Darum verlassen Guaraní-Frauen im Dunklen nur selten das Haus. Und so gibt es zu jeder Gestalt eine kleine Geschichte und man hat immer jemanden auf den man die Schuld schieben kann wenn etwas Schlechtes passiert oder nicht funktioniert. Sogar bei uns im Goethe Zentrum gibt es einen Geist, das hat mir Caroline gestern überzeugt erzählt. Sie hat sie auch schon zweimal gesehen - eine große helle Frauengestalt… Sie klopft oft bei Caroline an die Tür und will am Unterricht teilnehmen, außerdem hüpft sie gern in leeren Räumen über Carolines Büro und hält nachts die Nachtwächter vom Schlafen ab, indem sie Krach macht. …und so leben die Geister, Gespenster und Sagengestalten inmitten der Menschen und werden von allen akzeptiert. …und mittlerweile finde ich es sogar ein bisschen unheimlich auf Arbeit zu gehen. ;)

Samstag, 13. Dezember 2008

Afrikanische Kinderhandhabung.

Ich habe in ganz Uganda noch keinen einzigen Kinderwagen gesehen. Und warum nicht? Weil man Kinderwagen einfach nicht braucht. Wie viel leichter wäre der Alltag, wenn man sich nicht ständig an Müttern, die mit ihren Kinderwagen Regale in Supermärkten versperren, vorbeidrängeln müsste? Noch dazu kommt die andere Geräuschkulisse: afrikanische Kinder schreien nicht. Vielleicht liegt es am Klima, vielleicht aber auch daran, dass sie sich in einem Tuch auf den Rücken ihrer Mütter viel wohler und sicherer fühlen? Wer weiß. Ich für meinen Teil werde meine zukünftigen Kinder jedenfalls nicht in einem Wagen vor mir herschieben und jedes Mal auf Hilfe angewiesen sein müssen, wenn ich in einen Bus einsteigen will…

Sonntag, 7. Dezember 2008

Verkehrte Welt.

In Europa hat irgendein Idiot Solarien und die Dauerwelle eingeführt, während in Afrika Glättungseisen und Bleechingcreme die Oberhand gewinnen. Wozu also gesund und natürlich leben, wenn man sich mit viel Geld Haut und Haare zerstören kann? Jemand sollte mal das europäische Schönheitsideal mit dem afrikanischen vertauschen und den Menschen sagen, dass sie schön sind, wie sie sind. …dann würde zwar die Schönheitsindustrie ziemlich darunter leiden, aber die Welt wäre irgendwie ein bisschen besser…

Freitag, 21. November 2008

MTN-Marathon.

MTN, offizieller Sponsor der Fußballweltmeisterschaft 2010 und mein aktueller Mobilfunknetzbetreiber, sponsert und veranstaltet noch viele andere Sachen. So findet diesen Sonntag zum Beispiel der MTN-Marathon, der durch ganz Kampala verläuft, statt. In sporadischen Abständen sieht man aus diesem Grund immer wieder Läufer am Straßenrand, die sich auf dieses Ereignis vorbereiten. Ich selbst habe ein Lauferlebnis hinter mir, dass mir voll und ganz ausgereichte: vor zwei Monaten kam ich nämlich auf die wahnwitzige Idee regelmäßig joggen zu gehen. So stand ich also um halb sieben auf und ging joggen – die Ismail Road entlang. Mein Ziel war eine halbe Stunde durchzuhalten. Nach nur fünfzehn Minuten hatte ich jedoch so viele Abgase des Berufsverkehrs, der sich jeden Morgen auf meiner Straße ins Unendliche staut, eingeatmet, dass meine Lunge schmerzte. So trat ich also den Rückweg an und beschloss mein Vorhaben regelmäßig joggen zu gehen an den Nagel zu hängen. Seit diesem Ereignis habe ich besonders großen Respekt vor den mutigen Kampala-Joggern und MTN-Marathonläufern und bemitleide ihre armen Lungen.

Donnerstag, 6. November 2008

Obamaeuphorie.

Seit gestern denken alle Ugander, dass sie die Welt regieren. Das ist ziemlich witzig. Sie sind unglaublich stolz, dass ein Halb-Ostafrikaner Präsident geworden ist. In Kenia war heute sogar Nationalfeiertag deshalb. Aber ich kann die Afrikaner verstehen. Mir ging es ja nicht anders, als Angie an die Macht kam… Eine Frau wird Bundeskanzler - und dann auch noch aus dem Osten! Darum freue ich mich einfach mit ihnen. …und nebenbei bemerkt bringt die ganze Obama-Deko ein bisschen Abwechslung und ist tausendmal schöner als diese schreckliche Weihnachtsdeko die seit einer Weile alle Supermärkte schmückt…

Sonntag, 26. Oktober 2008

Surreale Welt.

Letztens saß ich auf dem Boden vorm Fernseher als plötzlich eine winzig kleine Ameise an mir vorbeikrabbelte. Als ich gerade dachte, dass die Ameisen, die ich aus meiner Heimat kenne, viel größer sind, wurde sie von einer anderen Ameise überholt, die die zwanzigfache Größe der Kleinen hatte. Und weil mein Erstaunen nicht groß genug war, kroch eine Nacktschnecke um die Ecke, die nur ein kleines Stückchen größer war als die kleinere der beiden Ameisen. Daraufhin schlenderte ich durch den Garten und entdeckte an einem Zuckerrohrblatt eine Schnecke, die doppelt so groß war wie deutsche Weinbergschnecken. Bevor ich zurück ins Haus ging warf ich einen letzten Blick auf unsere Hanfpflanzen, die innerhalb weniger Wochen enorm gewachsen sind, und dachte mir: “In Afrika ist alles möglich.”