In der letzten Woche in Uganda habe ich mein Weihnachtsgeschenk eingelöst. Am 4. November hatten mir meine Eltern ein Gorillapermit geschenkt - mit diesem Gorillapermit kann man am Gorillatracking im Bwindi Impenetrable Nationalpark teilnehmen. In diesem Nationalpark leben 340 Berggorillas. Das ist fast die Hälfte der Weltgesamtpopulation. Vier Berggorillagruppen im Bwindi Nationalpark sind habituiert, d.h. an den Menschen gewöhnt. Es dauert zwei (!) Jahre bis eine Gorillagruppe an den Menschen gewöhnt ist. Ich hatte wahnsinniges Glück noch ein Permit zu erhalten, da diese üblicherweise bereits eine Ewigkeit vorher gebucht werden. Da das Gorillatracking am 16. Dezember war, fuhr ich einen Tag vorher mit dem Gatewaybus nach Buhoma. Gateway ist die einzige Busfirma die in den Bwindi Impenetrable Nationalpark fährt – und so hatte ich keine andere Wahl, obwohl der Bus äußerlich nicht gerade zum Mitfahren einlud... Der Bus fuhr fast pünktlich kurz vor acht Uhr (um sieben sollte er fahren...). Bereits gegen Mittag hatten wir unsere erste Panne. Die hinteren Bremsen mussten getauscht werden. Da es in Uganda kein ATU gibt und anscheinend auch sonst keine andere Werkstatt in der Nähe war, hieß das Motto „Selbst ist der Mann.“ und so wurden einfach aus alten Schrottteilen neue Bremsen gebaut. Nach zwei Stunden konnten wir endlich weiterfahren. Ich schlief die meiste Zeit und wurde hin und wieder von einem Huhn geweckt, das hinter mir saß und es andauernd schaffte sich aus einer Reisetasche zu befreien und unter meinem Sitz nach vorn zu laufen... Als es bereits dunkel war hatten wir eine erneute Panne. Diesmal musste ein Reifen gewechselt werden. Im Dunkeln und ohne Wagenheber ist dies jedoch leichter gesagt als getan. Ich war so müde nach der langen Fahrt auf der zum größten Teil unbefestigten Straße, dass ich nur noch schlafen wollte. Vorm Bus traf ich Tim, ein Australier, der die gleiche Gorillafamilie wie ich gebucht hatte und auch im Buhoma Community Rest Camp übernachten wollte. Nach kurzer Zeit hielt ein Pick-Up an und nahm uns ins Camp mit. Um neun aßen wir Abendbrot und fielen erschöpft in unsere Betten im sonst leeren Schlafsaal. Am nächsten Morgen gab es halb acht Frühstück und danach wurden alle Trackingteilnehmer auf der Wiese vorm Camp in Gruppen geordnet. Es folgte eine lange Erklärung und Belehrung und dann ging es endlich los. Da sich Gorillagruppe MUBARE ein Stückchen weiter weg vom Camp aufhielt, fuhr meine Gruppe ein Stück mit einem Minibus. Nach einer Weile stiegen wir aus und wanderten durch die vulkanische Berglandschaft. Bereits nach einer halben Stunde Wanderns hoffte ich sehr, dass der schlimmste Fall, nämlich dass man sechs Stunden suchen muss um die Gorillas zu finden, nicht eintritt. Ich war total außer Puste und verfluchte meine Raucherlunge bei jedem Schritt… Unser Führer David hatte während der Wanderung immer wieder Funkkontakt mit drei anderen Führern, die bereits vor uns losgewandert waren um den Spuren der Gorillas vorm Vortag zu folgen. Sie navigierten uns in die richtige Richtung. Nach einer Weile verwandelte sich die Wiesen-und-Acker-Landschaft in einen dichten Regenwald. Wir – oder besser David mit seiner Panga (so ein langes gebogenes Messer) - schlugen uns durch dichtes Gestrüpp und irgendwann drehte sich David um und sagte „Pssst.“. Alle waren still. Wir hatten die Gorillas gefunden! Und das nach nur anderthalb Stunden. Wir gaben unsere Rucksäcke bei den Guides ab, tranken noch einen Schluck und jeder hatte seine Kamera griffbereit. Nach nur drei Schritten waren wir da – und da lagen sie und relaxten. Jedenfalls lag da die Hälfte der Gruppe – denn die Gruppe MUBARE besteht aus elf Mitgliedern, darunter ein Silberrücken. Dieser ließ nicht lange auf sich warten und kam mit den restlichen Gorillas um zu Fressen. Nach der Mahlzeit stand er auf, ging in einer Richtung los und alle folgten ihm – auch wir. Da vier Gliedmaßen schneller sind als zwei hatten wir Mühe hinterherzukommen. Zum Glück hatte der dicke, träge Silberrücken beschlossen hin und wieder eine Fresspause einzulegen… Wir waren die ganze Zeit so dicht an der Gruppe, dass man sie fast anfassen konnte – und dann passierte es. Ich hockte mich zwei Meter vor Kanyonyi, dem siebenjährigen Vizechef der Gruppe, um ihn zu fotografieren, als er plötzlich aufstand, auf mich zukam und mich anfasste. [EIN FREILEBENDER BERGGORILLA HAT MICH ANGEFASST!!!] …da wir uns, wenn der Fall eintritt dass ein Gorilla auf uns zukommt, langsam zurück zur Gruppe bewegen sollten, zog er mir kurz an meiner Jacke und ließ mich zurück zu meiner Gruppe, bevor er sich wieder zu seiner Gruppe gesellte. Nach kurzer Zeit war eine Stunde, die wie im Flug verging, vorbei und wir ließen die Gorillas allein. [Pro Gorillagruppe sind am Tag nur acht Personen für maximal eine Stunde zugelassen.] Wir wanderten zum Camp zurück und waren glücklich und erschöpft. Nach einer erfrischenden Dusche besuchten Tim und ich Ann, eine Irländerin aus unserer Trackinggruppe, die eine Safari über einen Reiseveranstalter gebucht hatte und in einem ziemlich luxuriösen Hotel mit einem gigantischen Ausblick übernachtete. Wir quatschten, tranken Bier und teilten uns zu viert das Abendbrot von Ann und ihrem Fahrer Godfrey, das um Welten besser schmeckte als das in unserem Camp. Am nächsten Morgen nahmen mich Ann und Godfrey zurück nach Kampala. Ich war sehr froh nicht noch einmal mit Gateway fahren zu müssen… Wir nahmen außerdem eine andere Route als der Bus und so schaffte ich es doch noch DAS Touristenfoto schlechthin von mir auf dem Äquator machen zu lassen.
Die letzten Tage in Kampala verbrachte ich zusammen mit Martin auf dem Weihnachtskunstmarkt im Stadtzentrum. Außerdem beaufsichtigte ich ein letztes Mal eine Examensklausur und verabschiedete mich so langsam aber sicher von allen… Am letzten Abend aßen wir mit allen, die bis dahin noch nicht abgereist waren, im Tuhende Abendbrot. Anschließend gingen wir zu Mateos tanzen und verabschiedeten uns schließlich irgendwann voneinander.
Der letzte Morgen in Kampala war ein Sonniger. Kaya war ganz aufgeregt und lief wie verrückt durchs Haus bis der Taxifahrer kam und Martin und mich abholte. Als die letzte Träne weggewischt war fuhren wir. …Ich hätte nicht gedacht, dass ein Abschied für immer so schwer ist…
Am Flughafen angekommen war aller Abschiedsschmerz vergessen, denn wir hatten Ärger mit 30 Kilo Übergepäck… [Ja, wir hatten tatsächlich zusammen 120 kg Gepäck…] Wir warteten und warteten und irgendwann gab uns die Frau am Schalter die Auskunft, dass wir nichts dafür zahlen müssen und alles in Ordnung sei. Danach aßen wir die letzten ugandischen Samosas und traten die Heimreise an. Ab Addis Ababa flogen wir, warum auch immer, in der Buisness Class nach Frankfurt und hatten viel Platz. :) Am 22.12. kam ich schließlich mittags am Dresdner Hauptbahnhof an und wurde von meinen Eltern mit einem Strauß Blumen empfangen. Es war komisch wieder da zu sein. …vor allem aber schön.

