Samstag, 13. Dezember 2008

Afrikanische Kinderhandhabung.

Ich habe in ganz Uganda noch keinen einzigen Kinderwagen gesehen. Und warum nicht? Weil man Kinderwagen einfach nicht braucht. Wie viel leichter wäre der Alltag, wenn man sich nicht ständig an Müttern, die mit ihren Kinderwagen Regale in Supermärkten versperren, vorbeidrängeln müsste? Noch dazu kommt die andere Geräuschkulisse: afrikanische Kinder schreien nicht. Vielleicht liegt es am Klima, vielleicht aber auch daran, dass sie sich in einem Tuch auf den Rücken ihrer Mütter viel wohler und sicherer fühlen? Wer weiß. Ich für meinen Teil werde meine zukünftigen Kinder jedenfalls nicht in einem Wagen vor mir herschieben und jedes Mal auf Hilfe angewiesen sein müssen, wenn ich in einen Bus einsteigen will…

Norduganda, Weihnachtsstress und Abschiedsstimmung.

Meinem Reiseführer ist zu entnehmen, und das in fett gedruckt, dass auf Grund der schlechten Sicherheitslage dringend von Reisen in den Norden abgeraten wird. Ich habe die Reise jedenfalls überlebt und bin wieder gut in Kampala angekommen. Hier sind die Temperaturen auch wieder erträglich und nicht so heiß wie im Norden. Dafür gibt es auch wieder viele Autos, die man im Norden nur ab und zu gesehen hat. Die Reise begann am Freitag, dem 28.11. Martin und ich fuhren mit einer kleinen Reisegruppe in den Murchinson Falls Nationalpark. Die Tour hatten wir über das Red Chilli Hideway gebucht, das nur 3 Gehminuten von meinem Haus entfernt ist. In Masindi wurde ein Zwischenstopp zum Mittagessen eingelegt und am Nachmittag erreichten wir unser Ziel und wurden auf Safarizelte verteilt. Am nächsten Tag brachen wir noch vor dem Frühstück, aber mit Lunchpaketen bewaffnet, zum Gamedrive auf. Wir bestaunten die unberührte Landschaft des Parks und bekamen etliche Tiere zu Gesicht. Das Tierspektrum reichte von Antilopen und Giraffen bis zu Krokodilen. Außerdem gab es viele Nilpferde. (Wäre aber auch komisch gewesen wenn wir keine NILpferde im Nil gesehen hätten...). Am Nachmittag machten wir eine Bootsfahrt auf dem Nil und sahen noch mehr Nilpferde. Abends saßen Cecilia, Vera, Ben (2 Norwegerinnen und ein Neuseeländer) und ich noch ewig an der Bar und warteten auf um 12. Denn Ben hatte Geburtstag. Punkt 12 schaltete sich der Generator ab und wir sangen bei Kerzenlicht Geburtstagslieder in allen möglichen Sprachen bis plötzlich Hariett auftauchte. Hariett ist ein Nilpferd die sich als Territorium das Red Chilli Camp ausgesucht hat. Und so schlenderte sie im Dunkeln an uns vorbei und wenn ich den Arm ausgestreckt hätte, hätte ich sie wahrscheinlich sogar berühren können. Der nächste Tag begann mit einer Wanderung zu den Murchinson Falls. Auf dem Weg zurück nach Kampala ließ uns der Fahrer auf halber Strecke aussteigen, damit wir weiter (oder besser gesagt wieder zurück) nach Arua fahren konnten. Mit Motocar (Erklärung dazu im Ruandaartikel) und privatem Auto, das uns durch einen glücklich Zufall für den Preis, den wir auch im Bus bezahlt hätten, mitnahm, kamen wir nachmittags in Arua an. Wir bezogen ein Zimmer im Hotel Pacific (Nein, Uganda liegt nicht am Pazifik.) und hatten einen eifersüchtigen Hahn als Nachbarn. Er war eifersüchtig auf die Moscheen, die bereits vor ihm Krach machten. Und so beschloss er einfach schon zu krähen, bevor die Muezzine zum Gebet riefen... Dienstagmorgen nahmen wir den 6 Uhr-Bus nach Karuma und fuhren von dort nach einer Stunde Wartezeit (das Matatu musste erst voll werden) im Matatu nach Gulu weiter. Am Mittwoch reiste Martin um 7 mit dem Postbus zurück nach Kampala, weil er einen Termin hatte. Ich blieb stattdessen noch im Bett liegen und machte am Nachmittag einen Boda-Boda-Ausflug zum Baker’s Fort, das 30 km nördlich von Gulu liegt und über eine Schotterstraße zu erreichen ist. Mitten im Nirgendwo wartete ein Führer vor einer kleinen Hütte, der mir eine Stunde lang die Geschichte des Forts erklärte. Donnerstag nahm ich morgens den Bus nach Lira um Flavie zu besuchen. Sie holte mich vom Buspark ab und wir fuhren auf einem richtigen Boda-Boda („richtig“ bedeutet im dem Fall ein Fahrrad, also die Urform des Boda-Bodas, da es in Lira keine motorisierten Boda-Bodas gibt) zu ihr nach Hause. Sie zeigte mir Lira und stellte mich all ihren Freunden vor und am Freitag nahm sie mich mit auf Arbeit, wo ich ihr den ganzen Tag half Shea Butter in Dosen zu füllen und Etiketten darauf zu kleben. Später schauten wir zu wie Seife aus Sheaöl hergestellt wird – es war also ein sehr spannender und arbeitsreicher Tag. :) Samstag nahmen Flavie, Christin (eine kanadische Freundin von Flavie) und ich ein Matatu nach Kampala, was im Nachhinein eine schlechte Entscheidung war, weil die Fahrt sechs Stunden dauerte. Aber immerhin sind wir heil angekommen und das ist ja schließlich die Hauptsache. Flavie blieb bis Dienstag und wir teilten uns mein Bett. So musste Martin leider auf der Couch schlafen, aber das war ok. :) Sonntag hatte ich meine erste Erfahrung mit der ugandischen Polizei. Nach der Premiere von Jonas, die der Wahnsinn war, fuhr ich mit vollbeladenem Matatu in die Stadt. Lara wollte zur französischen Botschaft und da ich den Weg nicht genau wusste dirigierte sie mich durch Kampala. Leider war eine schlecht gekennzeichnete Einbahnstraße ohne Gegenverkehr dabei die weder ich noch einer meiner Mitfahrer gesehen hat. Und so wurde ich prompt von der Polizei angehalten. Da ich auch keinen Führerschein dabei hatte und nicht mit auf die Polizeiwache wollte, halfen mir 10 Euro Schmiergeld und die Sache war gegessen. Immerhin werde ich jetzt nie wieder vergessen, dass ich in die Straße nur von der anderen Seite fahren darf... Montag gingen Flavie, Martin und ich auf ein Konzert hinterm Theater um den letzten Abend (ich sehe Flavie nämlich nicht mehr bevor sie zurückfliegt) noch mal ordentlich zu feiern. Auf der Bühne stand die deutsche Band Jamaram, die ich vor einem Jahr schon mal in Chemnitz in der Mensa gesehen hatte. Als sich das Konzert dem Ende neigte traute ich meinen Augen kaum, denn ich traf Ruby – Ruby hatte ich vor 6 Jahren in England auf Sprachreise kennen gelernt und seit dem nie wieder gesehen oder gehört. Montag – die Nacht der Erinnerungen. ;) Donnerstag durfte ich das Examen von Gorett und Ruth beaufsichtigen. Komisches Gefühl, wenn man es gewohnt ist auf der anderen Seite zu sitzen... Am Abend wurde die UGCS endlich Goethe Zentrum und darum gab es eine dicke Party. Jamaram spielten wieder (aber zu diesem Anlass waren sie ja auch nach Uganda gereist) und es gab Grillwurst und Gulasch! :) Meine Freizeit verbringe ich in letzter Zeit mit großen Shoppingtouren, da ich immer noch nicht alle Weihnachtsgeschenke zusammen habe...
[Randbemerkung: Das war mein letzter Blogeintrag aus Uganda. Es sind ja nur noch 8 Tage und wenn ich daran denke, dann bin ich jetzt schon ganz traurig. Die letzten 8 Tage erzähle ich dann wenn ich wieder zuhause bin. An dieser Stelle auch ein Dankeschön an meine treuen Leser. :) Dann mach’s mal gut ugandisches Internet. Ich werde dich nicht vermissen!]

Sonntag, 7. Dezember 2008

Verkehrte Welt.

In Europa hat irgendein Idiot Solarien und die Dauerwelle eingeführt, während in Afrika Glättungseisen und Bleechingcreme die Oberhand gewinnen. Wozu also gesund und natürlich leben, wenn man sich mit viel Geld Haut und Haare zerstören kann? Jemand sollte mal das europäische Schönheitsideal mit dem afrikanischen vertauschen und den Menschen sagen, dass sie schön sind, wie sie sind. …dann würde zwar die Schönheitsindustrie ziemlich darunter leiden, aber die Welt wäre irgendwie ein bisschen besser…

Mittwoch, 26. November 2008

Full House.

Nachdem erlebnisreichen Ruandaaufenthalt ist die restliche Woche in Uganda nicht mehr so viel passiert. Und auch in der Woche danach nicht. Es war wie immer Uni und alle Studenten waren da, weil sich das Semester dem Ende neigt und bereits nächste Woche die Examen beginnen. Am Wochenende war der Alltagstrott jedoch vorbei, denn ich habe Besuch aus Deutschland bekommen und außerdem gibt es seit dem auch einen neuen Mitbewohner in unserem Haus. Martin ist am Samstag um zwei, mit nur einer halben Stunde Verspätung, müde und erschöpft in Entebbe gelandet. Ich habe ihn natürlich persönlich mit Iris’ Auto abgeholt. Nachdem ich mich in Kampala total verfahren hatte, habe ich den Rest der Strecke recht gut gefunden (es geht allerdings auch nur geradeaus, wenn man einmal aus Kampala raus ist…). Als wir wieder zuhause waren und alles ausgepackt hatten, gab es eine große Bescherung. Martin hatte ziemlich viele Spielsachen mitgebracht und diese dann im Wohnzimmer Amis und Saidi überreicht. Die Spielzeugautos stießen bei den Jungs auf große Begeisterung, während sich Mama und Papa mit Seifenblasen beschäftigten. Somit wurde Martin bei allen sofort ins Herz geschlossen. ;) Während im Wohnzimmer alle mit den Spielsachen beschäftigt waren, ließ Ali gerade sein Zimmer einräumen. Ali ist Libanese und könnte bis auf die zwei Nuancen dunklere Haut Guildo Horns Doppelgänger sein. Er ist Mitte dreißig und ziemlich ruhig (wobei ziemlich ruhig eigentlich untertrieben ist). Und das ist auch schon alles, was ich von ihm weiß. Da ich mich noch nie mit der libanesischen Kultur befasst habe hoffe ich einfach, dass wir gut miteinander auskommen…Sonntag haben Martin und ich einen Tagesausflug durch Kampala gemacht. Nachdem wir beim MTN-Marathon waren und Mareike und Elli das Ziel erreicht hatten, frühstückten wir im Good African Coffeeshop und besuchten danach Judith und Kaschi. Mittags trafen wir uns mit Mareike und Lara bei Elli und aßen beim Äthiopier in Old Kampala zu Mittag. Weil Lara und Mareike keine Lust zu laufen hatten, besuchten wir zu dritt Kampalas größte Moschee, die Gaddafi National Mosque. Elli und ich trugen zwar lange Hosen und hatten auch unsere Schultern bedeckt, doch so leicht ist es für Frauen nicht in eine Moschee gelassen zu werden… Wir bekamen Tücher und mussten unsere Hosen (Frauen tragen keine Hosen, sondern bodenlange Röcke) und unsere Haare einwickeln. Das sah nicht nur ziemlich bescheuert aus, sondern war auch irgendwie erniedrigend, wenn so eingehüllt neben Martin mit seinen ¾-Jeanshosen und dem kurzen Hemd stand… Als wir die Moschee barfuß betraten fragte ich mich immer wieder, wieso es eigentlich noch keine islamische Alice Schwarzer gibt… Die Führung durch die Moschee, die der Muezzin persönlich vornahm war ziemlich spannend. Wir durften sogar zusehen, wie er durch das Mikro zum Beten aufrief. Danach las er Elli und mir noch eine Geschichte aus dem Koran vor. Mahmood war super nett und bis jetzt auch der einzige Moslem der meinen Fuß lesen konnte (das hat ihn übrigens besonders beeindruckt…) :) . Am Montag war wieder Uni angesagt und am Abend National Theatre und Cascades. Da Dienstage ja meine freien Tage sind machte ich auch nichts. :) Mareike und Elli kamen zum frühstücken vorbei und später erfuhren wir, als wir bereits an der UGCS waren, dass Luganda ausfällt. Im Moment ist es übrigens so heiß, dass man es kaum aushält. Die Luft ist außerdem trocken und es regnet kaum noch. …also ist faul sein schon das Richtige, was man bei so einem Wetter machen kann. ;)
[Randbemerkung: Am Freitag um 8.30 verlasse ich mit Martin Kampala. Wir reisen nach Nordwestuganda und kommen am 06.12. zurück. Also gibt es nächste Woche keinen Eintrag… Dafür aber einen umso längeren wenn ich wieder da bin. ;)]

Freitag, 21. November 2008

MTN-Marathon.

MTN, offizieller Sponsor der Fußballweltmeisterschaft 2010 und mein aktueller Mobilfunknetzbetreiber, sponsert und veranstaltet noch viele andere Sachen. So findet diesen Sonntag zum Beispiel der MTN-Marathon, der durch ganz Kampala verläuft, statt. In sporadischen Abständen sieht man aus diesem Grund immer wieder Läufer am Straßenrand, die sich auf dieses Ereignis vorbereiten. Ich selbst habe ein Lauferlebnis hinter mir, dass mir voll und ganz ausgereichte: vor zwei Monaten kam ich nämlich auf die wahnwitzige Idee regelmäßig joggen zu gehen. So stand ich also um halb sieben auf und ging joggen – die Ismail Road entlang. Mein Ziel war eine halbe Stunde durchzuhalten. Nach nur fünfzehn Minuten hatte ich jedoch so viele Abgase des Berufsverkehrs, der sich jeden Morgen auf meiner Straße ins Unendliche staut, eingeatmet, dass meine Lunge schmerzte. So trat ich also den Rückweg an und beschloss mein Vorhaben regelmäßig joggen zu gehen an den Nagel zu hängen. Seit diesem Ereignis habe ich besonders großen Respekt vor den mutigen Kampala-Joggern und MTN-Marathonläufern und bemitleide ihre armen Lungen.

Donnerstag, 13. November 2008

Im Land ohne Plastiktüten.

Da ich ziemlich schlecht im Unterricht-Improvisieren bin, musste meine Phonetikstunde am Donnerstag auf Grund von fehlendem Strom ausfallen, da weder Kopierer noch Kassettenabspielgerät funktionierten. Freitag war der Strom an der Uni wieder da und wir hörten, auf Wunsch der Studenten, wie bereits letzte Woche deutsche Musik im German Club. Diesmal Mia. “Tanz der Moleküle”, Die Ärzte “Westerland” und “Ich will” von Rammstein. Ich war der Meinung, dass man Rammstein als Deutschstudent einfach kennen sollte, auch wenn ich mir ziemlich sicher war, dass den an Raggae-gewöhnten-Studenten diese harten Gitarrenklänge wohl nicht zusagen würden. Aber ich hatte mich getäuscht. Nicht nur die Studenten, sondern auch Raschid (ein Deutschlehrer, der uns im Deutschklub meist unterstützt) fanden Rammstein toll. Raschid meinte sogar, dass man “Ich will” sehr gut im Unterricht zum Thema Modalverben einsetzten könnte. Soll er mal machen. :) Samstagmorgen begann meine Mission “Visum verlängern”. Da mir alle, die die Visum-Verlängerungstortur bereits hinter sich hatten, abrieten dies im Immigration Office Kampala zu erledigen, weil es ewig lange dauert und noch dazu ziemlich langweilig ist, habe ich mich entschieden nach Ruanda zu fahren. Und da man am Lake Bunyonyi, einem der wenigen Seen in Uganda der bilharziosefrei ist und man deshalb in ihm schwimmen kann, vorbei muss um nach Ruanda zu gelangen, verbrachten Judith und ich dort unser Wochenende. Kurz vor sechs standen wir am New Taxi Park um die Busfirma “Horizon” zu suchen, die uns nach Kabale bringen sollte – ohne Erfolg. Dafür hingen uns nach wenigen Sekunden zehn Ugander am Ärmel und wollten uns in einen ihrer Busse ziehen. Nach etlichen Anläufen hatten wir einen Bus gefunden der nach Kabale fuhr und der einigermaßen vertrauenswürdig aussah. Da mir der Fahrer sagte: “We are leaving right now.” Stiegen wir in den Bus der Firma „Kibugo Enterprises“ ein. Drei Stunden später fuhr dieser endlich los… Gegen vier kamen wir in Kabale an. Wir schlugen uns durch die Menschenmassen vorm Bus, die uns alle ein Taxi andrehen wollten und stiegen schließlich in irgendeins ein. Am Lake Bunyonyi wartete ein Kanu auf uns, das uns zu unserer Unterkunft brachte. Die Landschaft war gigantisch (aber das brauche ich wohl nicht jedes Mal zu erwähnen, wenn ich von Uganda rede…) und wir genossen die letzten Sonnenstrahlen, bevor wir unser Zimmer, ein Twin Dorm (Schlafsaal mit zwei Betten), im Byoona Amagara Island Retreat bezogen. Am nächsten Tag liehen wir uns ein Kanu, welches ein ausgehöhlter Baum war, und erkundeten den See. Völlig erschöpft um mit Sonnenbrand (ja ich weiß, “es war bewölkt” zählt langsam nicht mehr als Entschuldigung… ) erreichten wir am Abend, kurz bevor es anfing zu gewittern, unsere Herberge und fielen nach ein paar Bierchen ins Bett…Der nächste Morgen begann viel zu früh. Halb sechs holte uns und ein norwegisches Ehepaar ein Motorboot ab. Nach einer Taxifahrt wieder in Kabale angekommen verabschiedete ich mich von Judith, die den Rückweg nach Kampala antrat, und fuhr weiter. Ich hatte den Taxifahrer gebeten mich zum Taxi Park zu bringen. Irgendwann hielt er an einer verlassenen Tankstelle an und zeigte auf ein Auto. Als ich ihn darauf hinwies, dass dies aber kein Matatu sei, meinte er nur, dass er den Fahrer kennt und dieser mich bis zur Grenze fährt und schon war mein Gepäck im Kofferraum verschwunden. Ich stieg also ein und zu 7. fuhren wir in einem 5-Sitzer-Toyota (die Ugander nennen so ein Gefährt „Motocar“) nach Katuna zum Grenzübergang. Nach der Passkontrolle war ich also in Ruanda. Ich fand sofort einen Bus der glücklicherweise nach Kigali fuhr und auch noch zwei Plätze frei hatte. Vom Einsteigen hielt mich nur noch die Gepäckkontrolle ab. Da ich dachte keine verbotenen Sachen mitzuführen, öffnete ich meine Tasche. Der Kontrolleur, der kein englisch sprach zeigte auf eine Plastiktüte in meiner Tasche. Ich versicherte ihm, dass sich darin lediglich Schuhe befinden und öffnete die Tüte zum Beweis. Wütend riss er sie mir aus der Hand, schütte die Schuhe in meine Tasche und warf die Tüte auf den Boden. Ein zweiter Ruander, der meinen völlig hilflosen Blick bemerkte, kam hinzu und sagte: “In Rwanda we don’t want this.” Ich leerte also alle Plastiktüten aus und warf sie ebenfalls auf den Boden. Später erfuhr ich, dass Plastiktüten in Ruanda seit 2005 verboten sind. Hätte ich das mal eher gelesen… Nach kurzer Zeit war ich in Kigali gelandet. Und da stand ich nun - und wusste nicht wohin mit mir. Zum Glück nahm mich sofort ein Ruander, der englisch sprach, an die Hand und wies mich in Kigali ein. Er führte mich zu einem Forex-Büro, indem ich Geld tauschen konnte und anschließend zu dem Hotel, das ich mir in meinem Reiseführer als Unterkunft ausgesucht hatte – es war geschlossen. Also zeigte er mir noch ein anderes. Da dies aber nicht in meiner Preisklasse lag und ich außerdem Hunger hatte, lud ich Emmi zum Frühstück ein, um mich für seine Hilfe zu bedanken, und fuhr zur ORTPN, der Touristeninformation. Die nette Dame am Schalter gab mir die Adresse von einer recht billigen Unterkunft und ich machte mich auf dem Weg. Kurz nach um zwölf hatte ich, nach einigen Sprachschwierigkeiten, endlich ein Zimmer im „Centre National de Pastorale St. Paul“ für zwei Nächte gebucht. So konnte ich nun also Kigali erkunden – dachte ich mir. Doch das war leichter gesagt, als getan. …da hatte man sich gerade an den Linksverkehr in Uganda gewöhnt, fahren die Autos plötzlich wieder auf der anderen Seite. Doch das größere Problem war die Orientierung. Auf meiner Karte waren zwar alle Straßen eingezeichnet, jedoch habe ich in ganz Kigali ein einziges Straßennamensschild gesehen. Und so gab ich, nachdem ich mich etliche Male verirrt hatte, zu Sonnenuntergang auf und wollte in einem Restaurant aus meinem Reiseführer essen gehen. Nachdem mich der fünfte Bodafahrer endlich verstanden hatte und mir zu verstehen gab, dass er das Restaurant kenne, fuhren wir los. Er setzte mich an einer Gaststätte im Nirgendwo ab, die nicht die war, zu der ich eigentlich wollte. Außerdem war alle Tische leer und das Essen überteuert. Wenigstens hat es geschmeckt und der Kellner war Ugander, was bedeutete, dass er sehr nett und gesprächig war und ich mit ihm englisch und ein paar Brocken Luganda sprechen konnte. Er organisierte mir nach dem Essen sogar noch ein Boda-Boda und übersetzte dem Fahrer wo er mich absetzten sollte. Er brachte mich zurück zu meiner katholischen Unterkunft und ich fiel sofort ins Bett. Trotz des Regens stand ich am nächsten Morgen gut gelaunt auf um in der Stadt zu frühstücken. Ich schnappte mir meinen Schirm und machte mich auf den Weg. Mir war ziemlich kalt, da es in Ruanda viel kälter als in Uganda ist, und war deshalb froh endlich im Bourbon Coffee Shop, den mein Reiseführer empfohlen hatte, zu sitzen und mein leckeres, wenn auch recht teueres Frühstück zu genießen (in Ruanda kostet alles das Dreifache im Vergleich zu Uganda…). Nachdem ich eine Stunde lesend auf mein Wechselgeld gewartet hatte (da die Kellnerin dachte, ich hätte es schon bekommen, was sich allerdings als Missverständnis erwies…) wollte ich Kigali erneut erkunden. Ich gab meiner Orientierung also eine zweite Chance - und wurde erneut enttäuscht. So nahm ich schließlich ein Boda-Boda zum Hotel des Mille Collines, das durch den Film „Hotel Ruanda“ bekannt wurde, um dort Mittag zu essen. Und da war es also – Hotel Ruanda. …sah im Film irgendwie ganz anders aus… Der große graue Klotz, der sich direkt gegenüber der Touristeninformation befand war mir am Vortag schon aufgefallen, aber an den Film hatte ich dabei nicht gedacht. Zum Glück war es bis zum ORTPN ja nicht weit und so war ich pünktlich zehn vor zwei auf dem Parkplatz bereit für die Stadtrundfahrt durch Kigali die ich am Vortag gebucht hatte. Meine Freude war jedoch rasch vorbei, denn die Stadtrundfahrt fiel auf Grund zu wenig Teilnehmer (ich war anscheinend die Einzige, die gebucht hatte) aus. Die Tatsache, dass ich mein Geld zurückbekam verbesserte meine Laune auch nicht besonders. Also fuhr ich auf eigene Faust zum Memorial National du Genocide de Gisozi, dem 2004 eröffneten Genozidmuseum. Nachdem es seit ich in Ruanda ankam geregnet hatte, hörte der Regen in dem Moment auf, als ich die Gedenkstätte betrat und die Sonne strahlte. Die Ausstellung war jedoch die zwei Stunden, die ich in der Sonne hätte verbringen können, wert. Da ich beschlossen hatte die Stadtführung einfach allein zu machen, war mein nächster Punkt das Haus von Dr. Kandt, dem deutschen Stadtgründer Kigalis, in dem sich mittlerweile ein Naturkundemuseum befindet. Als ich dort ankam sagte man mir, dass das Museum heute auf Grund von Vermessungsarbeiten geschlossen sei. Ich brach meine Stadtführung ab, verfluchte Ruanda und begab mich in die nächstbeste Bar um mich volllaufen zu lassen. Nach zwei Bieren fiel mir ein, dass das allein in einem fremden Land vielleicht doch nicht die beste Idee ist und so ging ich nach Hause. Unterwegs organisierte ich mir noch einen Taxifahrer, was leichter gesagt, als getan war. Denn auf die Frage „Do you speak English?“ antworteten alle mit „Yes.“, verstanden jedoch nie, was ich eigentlich wollte. Nach Ewigkeiten fand ich einen Taxifahrer, der 30 Jahre lang in Uganda gearbeitet hatte. Am Morgen darauf um Punkt fünf war mein Taxifahrer da um mich zum Nyabugogo Taxipark zu bringen. Da ich den Taxifahrer für 5.15 bestellt hatte, war ich natürlich noch nicht fertig, da ich nicht damit gerechnet hatte, dass ein afrikanischer Taxifahrer überpünktlich ist. 5.24 saß ich dann endlich im Kampala Coach und knapp eine halbe Stunde später traten wir den Rückweg an. Die Straße führte durch die hügelige Landschaft Ruandas, die um diese Zeit noch ganz im Nebel versunken war. Als ich gerade eingeschlafen war, klingelte mein Handy – mein Chef. Er wollte wissen wo ich gerade sei und ob ich denn heute schon aus Ruanda zurückkomme. Dies halte er für besser, denn es gebe große Spannungen zwischen Deutschland und Ruanda und selbst der deutsche Botschafter sei des Landes verwiesen worden. …zum Glück war es nur noch eine Stunde bis Uganda. An der Grenze in Katuna bemerkte ich, dass Sarah genau vor mir im Bus saß. Die US-Amerikanerin habe ich in meiner ersten Woche in Uganda kennen gelernt und wir wollten sogar schon mal zusammenziehen. Zufälle gibt’s. Als ich gegen vier das erste Schild sah, auf dem Kampala stand, war ich überglücklich. Ich schaute endlich wieder in strahlende Kindergesichter, die Straßen waren das reinste Verkehrschaos und die Sonne schien. Als ich aus dem Fenster schaute fiel mir eine Zeile aus einem Lied ein: „Ich rieche den Dreck, ich atme tief ein und dann bin ich mir sicher wieder zuhause zu sein.“ Eigentlich mag ich das Lied nicht besonders, aber irgendwie hat diese eine Zeile genau das ausgedrückt, was ich dem Moment gedacht habe…

Donnerstag, 6. November 2008

Obamaeuphorie.

Seit gestern denken alle Ugander, dass sie die Welt regieren. Das ist ziemlich witzig. Sie sind unglaublich stolz, dass ein Halb-Ostafrikaner Präsident geworden ist. In Kenia war heute sogar Nationalfeiertag deshalb. Aber ich kann die Afrikaner verstehen. Mir ging es ja nicht anders, als Angie an die Macht kam… Eine Frau wird Bundeskanzler - und dann auch noch aus dem Osten! Darum freue ich mich einfach mit ihnen. …und nebenbei bemerkt bringt die ganze Obama-Deko ein bisschen Abwechslung und ist tausendmal schöner als diese schreckliche Weihnachtsdeko die seit einer Weile alle Supermärkte schmückt…

Montag, 3. November 2008

Waragi.

Ich traute meinen Augen kaum als am Montag alle vier Studenten aus dem Literaturwissenschaftskurs pünktlich da waren (und mit pünktlich meine ich nicht die afrikanische Pünktlichkeit…)! Mit was auch immer William (der Koordinator für Deutsch) ihnen gedroht hat – es hat gewirkt. Dieses Anwesenheitserfolgserlebnis musste natürlich am Abend ordentlich begossen werden: mit Waragi-Cola zur Raggaeseassion vorm National Theatre und anschließend im Cascades. (…zum Glück habe ich dienstags frei…) Ein wenig verkatert erkundeten Judith und ich am Dienstag den Owino Market, Kampalas größten Markt für Textil- und Gebrauchsartikel. Der Markt ist so riesig, dass es unmöglich war den Ausgang zu finden, ohne nach dem Weg zu fragen… Völlig erschöpft von dem langen Fußmarsch durch die vielen kleinen Marktgassen gönnten wir uns in der Stadt erstmal ein Bier. Irgendwann bekam ich eine SMS in der stand, dass Jane leider keine Zeit habe und der Lugandakurs am Abend deshalb ausfalle. Passender hätte es nicht sein können! So konnte ich zum ersten Mal Jonas’ Stück (ich schreibe Stück, weil es schwer zu definieren ist. Irgendwas zwischen modernem afrikanischem Tanz, Ballett und Theater) komplett sehen. Da ich schon etliche Male bei den Proben war hatte ich große Erwartungen, die jedoch weit übertroffen wurden. Das Stück war der Wahnsinn! Ich freue mich schon auf die Premiere im Dezember.
Am Mittwoch sollte die feierliche Übergabe der Stipendienurkunden des DAAD an ugandische Studenten stattfinden. Und sie fand auch statt – mit einem einzigen von über sechzig geladenen Stipendiaten. Das war zwar sehr schade, wenn man an die Vorbereitung und Planung der Feier denkt, jedoch blieb eine Menge Essen übrig, das wir uns zum Trost liebevoll verpackt mitnehmen durften. Am Abend stand Kuchenbacken für Amis’ Geburtstag auf dem Programm: Erdnuss-Schoko- und Ananas-Bananen-Schoko-Kuchen mit vielen bunten Schokolinsen darauf. Nachdem ich am Donnerstag Judiths Stunde vertreten und Phonetikunterricht gegeben hatte, feierten wir zuhause Kindergeburtstag. Es gab die Kuchen, die ich gebacken hatte, heißen Kakao, jede Menge Luftballons und außerdem einen überglücklichen Amis und vier gut gelaunte, wenn auch sehr schüchterne, Partygäste. :)
Freitagnachmittag war wieder German Club und diesmal waren wir gut auf deutsche Musik vorbereitet. Wir hörten “Ein Kompliment” von den Sportfreunden und es wurde fleißig übersetzt, gelacht und natürlich gesungen. [Anmerkung: Katharina, diesmal kannst du dich nicht über die Musikauswahl beschweren!] Auf der Fahrt mit dem Boda nach Hause fiel Judith fast kreischend runter, weil sie sich so erschrocken hatte. Links neben uns erschien plötzlich ein anderes Boda auf dem ein Typ mit Scream-Maske saß. Das war aber glücklicherweise auch das einzige Halloween-Erlebnis an diesem Tag. :) Nach dieser anstrengenden Woche ließen wir uns im Steak-Out richtig volllaufen, was zur Folge hatte, dass ich Samstag bis Nachmittag meinen Rausch ausschlief. ;) Nach dem Frühstück wollte ich zu Judith zum Kaffeekränzchen, als Sylvia mit Saidi auf dem Arm in der Küche erschien und mir von ihrer Zahn-OP erzählte. Da Ramadan nicht da war nahm ich ihr Saidi ab, damit sie sich auch mal ein paar Stunden ausruhen konnte und fuhr babysittend zu Judith. Ich schaffte es fast wieder zu Hause zu sein, bevor Saidi die Schnauze voll hatte, weil er müde war und beschloss die restliche Autofahrt zu schreien… Sonntagmorgen kam Elli zum Frühstück vorbei. Wir wollten schwimmen gehen, doch es war ziemlich kalt und außerdem regnete es. So saßen wir bis zum Nachmittag auf der Veranda und gingen schließlich doch schwimmen. Bereits nach den ersten Bahnen bemerkte ich, dass ich einen ziemlichen Muskelkater im rechten Arm hatte. Saidi ist ganz schön schwer…
[Randbemerkung: EINEN GANZ DICKEN KUSS UND EIN RIESIGES DANKESCHÖN AN MUTTI UND VATI! (Näheres dazu wenn ich den 16.12. überlebt habe. :))]

Dienstag, 28. Oktober 2008

Literaturwissenschaftsdesinteresse.

Letzten Montag hatte ich frei, da meine lieben Studenten aus dem Literaturgeschichtskurs nicht zum Unterricht erschienen sind. Nach einer Stunde Kaffeekränzchen mit Judith gingen wir also wieder nach Hause. Als ich mich Mittwoch halb sieben aus dem Bett quälte um ab acht erneute zwei Stunden vergeblich mit Judith zu warten war ich allerdings sauer. Wir reichten Beschwerde beim Koordinator für Deutsch ein und sagten ihm, dass das so nicht weiter geht. Er versprach mit den Studenten zu sprechen und wir hofften auf Besserung. Donnerstag durfte ich dafür alle Stunden “nachholen” indem ich Herrn Heusing und auch Judith vertrat. So unterrichtete ich Gorret zwei Stunden lang und danach Robert und Emanuel ebenfalls zwei Stunden. Da Judith am Freitag immer noch mit schrecklichen Bauchkrampfen zu kämpfen hatte und ich weiß, wie viel besser man sich fühlt wenn man Gesellschaft beim Kranksein hat, war mir ein Krankenbesuch wichtiger als im German Club zwei Stunden lang einen Film zu schauen. Samstag ging es Judith bedeutend besser und wir trafen uns bei mir zum kochen und relaxen bevor wir den Abend im Steak Out zur EastAfricanNight, mit Künstlern aus Norduganda, ausklingen ließen. Sonntag war wieder Schwimmen angesagt. Diesmal mit Sonnencreme und ohne Sonnenbrand. Nach 50 Bahnen machte ich mich erschöpft auf den Weg nach Hause um zu essen und mich zu entspannen. Am Abend fuhr ich mit Iris und Bakahri zu Mr. Brown und Leticia nach Ntinda. Die Fahrt war für mich, wie immer wenn ich fahren darf, ein Erlebnis - der Verkehr in Kampala ist wirklich ein Abenteuer. :) Nachdem Leticia uns alle bekocht hatte fuhren wir nach Muyenga ins Bukasa. Bei einer Raggaesession und reichlich Waragi endete das Wochenende.
Ich habe übrigens ein neues Hobby: backen. Zum Glück hat Amis am Donnerstag Geburtstag. ;)


Sonntag, 26. Oktober 2008

Surreale Welt.

Letztens saß ich auf dem Boden vorm Fernseher als plötzlich eine winzig kleine Ameise an mir vorbeikrabbelte. Als ich gerade dachte, dass die Ameisen, die ich aus meiner Heimat kenne, viel größer sind, wurde sie von einer anderen Ameise überholt, die die zwanzigfache Größe der Kleinen hatte. Und weil mein Erstaunen nicht groß genug war, kroch eine Nacktschnecke um die Ecke, die nur ein kleines Stückchen größer war als die kleinere der beiden Ameisen. Daraufhin schlenderte ich durch den Garten und entdeckte an einem Zuckerrohrblatt eine Schnecke, die doppelt so groß war wie deutsche Weinbergschnecken. Bevor ich zurück ins Haus ging warf ich einen letzten Blick auf unsere Hanfpflanzen, die innerhalb weniger Wochen enorm gewachsen sind, und dachte mir: “In Afrika ist alles möglich.”

Mittwoch, 22. Oktober 2008

Geburtstag und was sonst noch passiert ist.

Da es bis Donnerstag gedauert hat, ehe ich wieder normal aussah, habe ich mich Montag und Dienstag nur einmal aus dem Haus getraut um ins Krankenhaus zur Nachkontrolle zu fahren. Mittwoch war meine Wange zwar immer noch ein bisschen geschwollen, allerdings war mir so langweilig zu Hause, dass mir mein Aussehen egal war und ich wieder zur Uni gegangen bin. Ich hatte für Gorett und Ruth (die beiden Mädels aus dem Advanced Language Skills Kurs) eine Hausaufgabe vorbereitet. Sie sollten Fragen zu einem Text aus der Zeitschrift Cicero über die Frau von Robert Mugabe beantworten. Dafür gab ich ihnen zwei Wochen Zeit. Da die Hausaufgabe ziemlich komplex und zeitaufwändig ist, erhob ich Einspruch, als Herr Heusing den beiden zusätzliche Hausaufgaben aufgeben wollte. Zu meiner großen Überraschung warf Ruth ein, dass sie gerne Hausaufgaben bekommt, weil ihr dadurch die Übersetzungen im Unterricht leichter fallen. Das nenne ich motivierte Studenten! Mir wäre es in meiner Schulzeit nie in den Sinn gekommen den Lehrer um Hausaufgaben zu bitten… Anschließend wertete ich mit Robert und Emanuel den Test aus, den sie letzte Woche geschrieben hatten. Mit dem durchschnittlichen Ergebnis der beiden war ich zufrieden, denn es zeigte, dass sie das Perfekt verstanden hatten. Der German Club am Freitag verlief besonders kommunikativ. Wir spielten „Finde jemanden, der …“. Bei dem Spiel bekommt jeder einen Zettel, auf dem verschiedene Sachen stehen (z.B. „ … gut singen kann“) Die Schüler hatten dann die Aufgabe sich untereinander Fragen zu stellen und so viele „jemands“ wie möglich zu finden. Das war ziemlich witzig. Bei der Auswertung von „der gut singen kann“ wollten die Schüler, dass jeder, der auf die Frage mit „ja“ geantwortet hat ein Lied singen. Und so wurde dann gesungen. Judith und ich brachten den Studenten anschließend „Bruder Jakob“ bei, weil sie unbedingt ein deutsches Lied singen wollten und mir auf die Schnelle kein besseres eingefallen ist. Und weil es gerade gepasst hat, stimmte Judith noch ein Geburtstagslied an. Danach folgten Fragen und Diskussionen und wir fanden heraus, dass es kein Geburtstagslied auf Luganda gibt und dass es auch noch gar nicht so lange her ist, dass man in Uganda die Tradition, seinen Geburtstag zu feiern, einführte… Am Abend gab es eine kleine Grillfeier bei uns im Garten. Ramadan hatte dafür am Morgen sechs Hühner geschlachtet und Sylvia hatte den ganzen Tag Essen vorbereitet. Es war super lecker! Frisches Fleisch ist eben doch was anderes als eingeschweißte Steaks aus dem Supermarkt. :) Als morgens halb fünf die letzten Gäste gegangen waren, war ich so hellwach, dass ich noch die Veranda aufräumte und Geschirr abspülte. Um fünf fiel ich schließlich ins Bett und wurde vier Stunden später von Jan und Martin geweckt, die im Garten Kaffee tranken und dabei laut diskutierten. Ich machte mir Frühstück und setzte mich mit auf die Veranda in die Sonne. Zum Glück regnete es den ganzen Nachmittag und so konnte ich meinen Kater doch noch ausschlafen… ;)
[An dieser Stelle noch mal vielen lieben Dank an alle für die lieben, zahlreichen Geburtstagswünsche!]
Da ich mittlerweile erschreckend zugenommen habe, beschlossen Elli und ich am Sonntag schwimmen zu gehen. Da es ziemlich nach Regen aussah, vergaß ich meine Sonnencreme. Am Schwimmbecken angekommen, verzogen sich alle Wolken und die Sonne schien den Rest des Tages. Das Wetter hier ist aber auch unberechenbar. Manchmal scheint die Sonne und plötzlich regnet es stundenlang und das nächste Mal ist es genau umgekehrt. Da ich mir an diesem Nachmittag einen ziemlichen schlimmen Sonnenbrand geholt habe, werde ich meine Sonnencreme garantiert nicht mehr vergessen, wenn ich schwimmen gehe, egal wie bewölkt der Himmel auch ist…

Dienstag, 14. Oktober 2008

Independence Day, Sipi Falls und Krankenhaus.

Nachdem ich die letzten zwei Monate lang in Kampala gelebt hatte ohne es auch nur ein einziges Mal zu verlassen, beschlossen Judith und ich am Wochenende irgendwo hinzufahren: mit Sabine, Flavie und Thomas nach Sipi in die Berge! Da Donnerstag Independence Day und somit Feiertag war, konnten wir den folgenden Freitag als Brückentag nutzen und hatten dadurch ein verlängertes Wochenende.
Den Independence Day verbrachte ich auf dem Sofa vorm Fernseher, da der Präsident live vom Kololo Airstrip übertragen wurde. Es waren Tausende von Menschen gekommen um die Reden vom Präsidenten und sämtlicher Minister sowie die Blaskapelle, die zwischendurch spielte, zu hören. Das war jedoch alles ziemlich langweilig und ich freute mich sehr über meine Entscheidung nicht hingefahren zu sein. Außerdem kann Saidi mittlerweile krabbeln und erreicht somit mühelos alle Gegenstände auf dem Boden und da Sylvia sehr damit beschäftigt war ein Feiertagsessen zu kochen, passte ich auf Saidi auf. Nachmittags fuhr ich zu Judith um den Wochenendtrip zu planen. In der Stadt war die Hölle los - Menschen wohin man blickte! Ich war froh, als ich endlich das Tor hinter mir schließen und mich mit Judith im Garten sonnen konnte. Am Abend, nach gelungener Planung und reichlichem Abendessen, fuhr ich satt und müde nach Hause. Dort wartete Sylvia mit einem riesigen Teller voll Reis und Hühnchen auf mich – Essen, dass sie mir vom Feiertagsessen aufgehoben hatte und ich unbedingt sofort probieren sollte. Als ich irgendwann im Bett lag war ich froh nicht geplatzt zu sein…:)
Freitagmorgen klingelte mein Wecker irgendwann als es noch nicht hell war. Ich packte meine Sachen, frühstückte und ging irgendwann vors Tor an die Straße um auf Robert, meinen Bodafahrer, zu warten. An diesem Morgen war es so kalt, dass man seinen eigenen Atem sehen konnte. Frierend wartete ich auf Robert. Und wartete, und wartete… Nachdem Robert 25 Minuten zu spät endlich doch kam, schaffte ich gerade noch so den Postbus, an dem Judith und Sabine bereits auf mich warteten. Fünf Minuten nach acht fuhr der Bus Richtung Mbale los. Wir bezahlten 12.000 Schilling für die siebenstündige Fahrt durch gesamt Ostuganda. Der Bus passierte das Mandela Stadium, den tropischen Regenwald “Mabira Forest”, weitflächige Reisfelder und Teeplantagen und wir überquerten den Nil. Die Aussicht aus dem Bus war so interessant, dass ich trotz großer Müdigkeit die ganze Zeit die Augen offen hielt. Der 36 km-Umweg über Bugiri und Tororo, den der Postbus fuhr um Postsäcke in den Poststationen im Osten abzugeben, wurde mit dem “Tororo Rock”, einem 1800 Meter hohen Felsblock mitten in der Landschaft, belohnt. Nach 322 Kilometern kamen wir schließlich in Mbara an. Da Flavie, die aus Lira anreiste, und Thomas, der zwar auch in Kampala wohnt, allerdings nicht frei bekommen hatte und somit später losfuhr, noch nicht da waren, nahmen wir zu Dritt ein Taxi nach Sipi ins “Crow’s Nest”, unserer Unterkunft, von der man einen wahnsinnig schönen Blick auf die Sipi Falls hat. Sipi selbst ist ein winzigkleiner Ort in 1170 Metern Höhe am Nordhang des Mount Elgon (4321 m). Auf Flavie und Thomas wartend, saßen wir auf der Veranda unseres Bungalows und gönnten uns zum Sonnenuntergang ein Nile. Als wir endlich zu Fünft waren aßen wir Abendbrot und fielen in unsere Doppelstockbetten. Der darauf folgende Samstag begann bereits um acht mit einem Frühstück, da uns Moses halb neun zu einer geführten Wanderung zu allen drei Wasserfällen abholte. Die Wanderung durch die bergige Landschaft dauerte insgesamt fünf Stunden. Höhepunkt der Wanderung war das Abseilen direkt neben dem untersten und höchsten Wasserfall, der 60 Meter in die Tiefe stürzt. Als wir nass und verschlammt Crow’s Nest erreichten wurden wir mit einer heißen Dusche belohnt. Danach sollte es zu einer Kaffeeplantage gehen, wo man den Kaffee bevor man ihn trinkt selbst rösten und mahlen kann. Jedoch wurden wir nach wenigen Metern von einem Regenschauer überrascht und fanden Unterschlupf in einer kleinen Bar. Da der Regen nicht aufhörte, wurde schnell klar, dass der Kaffee wohl ausfallen musste. Stattdessen kamen wir in den “Genuss” von “local beer”, das allerdings nicht viel mit Bier gemeinsam hat. Der Wirt servierte uns eine halbvolle Kanne mit vergorenem Mais-Matsch und goss diesen schließlich mit heißem Wasser auf. Als die Kanne geleert war hörte der Regen auf und wir nutzten die kurze Pause um in unser ‚Nest’ zurückzulaufen. Nachdem ich mit Judith den Sonnenuntergang von der Spitze unseres Hügels bestaunt hatte, ließen wir den Abend schließlich am Lagerfeuer ausklingen. Da Flavie den Sonnenuntergang und die unbeschreibliche Aussicht vom Hügel weit aufs Land und die Berge verschlafen hatte, stand ich mit ihr am nächsten Morgen halb sieben auf um den Hügel erneut zu besteigen und diesmal den Sonnenaufgang zu sehen. Danach packten wir unsere Sachen, frühstückten und wurden 8.45 Uhr von unserem Taxifahrer nach Mbale zurückgefahren. Da die Post sonntags nicht arbeitet, konnten wir nicht mit dem Postbus nach Kampala zurückfahren, sondern nahmen, nachdem wir uns von Flavie, die zurück nach Lira fuhr, verabschiedet hatten, einen Anderen. Dieser kam bereits nach viereinhalb Stunden in Kampala an. Zu Viert ließen wir das wahnsinnig schöne Wochenende in einem Cafè neben Shoprite ausklingen und nahmen dann jeder ein Boda-Boda nach Hause. Auf der Fahrt flog mir ein Insekt ins Auge und stach mir ins Augenlid. Als nach vier Stunden nicht nur mein Auge, sondern meine komplette Gesichtshälfte auf das Doppelte angeschwollen war, brachte Iris mich schließlich ins International Hospital Kampala. Dort bekam ich vier verschiedene Medikamente und wir fuhren wieder nach Hause. …und so schaffte es ein Insekt mir die letzten Stunden des zuvor so wunderbaren Wochenendes zu versauen…
[Randbemerkung: Montagmorgen konnte ich mein Auge immerhin schon wieder einen Zentimeter öffnen, traute mich jedoch weder in die Uni noch auf die Straße…
Randbemerkung 2: Mein süßer Schatz! Schade, dass ich mich nicht mehr von dir verabschieden konnte... Keine Katze der Welt wird dich je ersetzen können! 1000 Küsse in den Katzenhimmel!]

Montag, 6. Oktober 2008

Tag der deutschen Einheit und deutsche Braukunst in Uganda.

Das erste Mal in meinem Leben, dass ich den Tag der deutschen Einheit bewusst gefeiert habe war am Freitag. Schon komisch einen deutschen Nationalfeiertag im Ausland zu feiern… Noch komischer so viele Deutsche auf einem Haufen in Uganda anzutreffen. Und am komischsten waren wohl die vielen Ugander auf der Party, die deutsch sprechen konnten. So hatte man auf jeden Fall die Gelegenheit das absurde Gefühl zu erleben stolz auf seine Herkunft zu sein und außerdem den größten Teil des Abends in seiner Muttersprache zu sprechen. Der Abend war schön und ich war betrunken. Das war allerdings auch nicht schwer, da man den ganzen Abend weder für Getränke noch fürs Essen bezahlen musste (An dieser Stelle danke an alle deutschen Steuerzahler…) Es wurde getanzt, geredet und gelacht und ich habe endlich den deutschen Botschafter getroffen! :) …und außerdem noch weitere nette Menschen, die mir alle ihre Visitenkarte zugesteckt haben. Kontakte knüpfen ist im Ausland immer wichtig... Eine der Visitenkarten gehört zum Beispiel zu Toni, einem bayrischen Bierbrauer, der hier in einer Brauerei arbeitet und mich und Judith zu einer Brauereiführung mit Bier- und Krapfenverkostung eingeladen hat. Wir sollen mit vielen Freunden kommen und uns das Bier schmecken lassen. (…das wäre doch ein netter und billiger Geburtstagsausflug… Mal sehen.)
Am Samstag waren Iris, Martin (ein Rastafari-Freund von Iris), Jonas, Samuel (einer von Jonas’ Tänzern) und ich auf der Geburtstagsparty von Mr. Brown, einem ugandischen Raggae-DJ. Die Feier fand auf dem „Miami Beach“ am Viktoriasee statt. Der Strand war mehr eine große Wiese und hatte irgendwie Nordseeflair, dafür war der Blick auf den Viktoriasee bei Nacht unschlagbar! Es gab ein großes Lagerfeuer und es wurde getrommelt und Gitarre gespielt – bis es anfing zu regnen. Als Rückzugsmöglichkeit diente eine Strandbar. Irgendwann stand ein Ugander auf, die Musik ging aus und alle wurden still. Als ich gerade anfing mich zu wundern, was das alles soll, drehte er sich seiner Mzungu-Freundin zu und machte ihr einen Heiratsantrag. Sie war überglücklich und bejahte den Antrag sofort. Zuhause erzählte ich Sylvia die Geschichte und erwähnte dabei auch, dass die Mzungu-Freundin, im Gegensatz zu ihrem ugandischen Freund, ziemlich dick und auch nicht besonders hübsch war. Sie sagte mir, dass afrikanische Männer alle Mzungufrauen hübsch finden, egal wie sie aussehen. …da sieht man’s mal wieder: Geld macht sexy! :)
Übrigens hatten wir letzte Woche mal irgendwann Affen im Garten. Sie sind durch den ganzen Garten gerannt und auch auf dem Dach rumgeklettert. Laut meines Reiseführers waren es wohl grüne Meerkatzen. Ich fand die Affen sehr witzig und habe sie die ganze Zeit mit Saidi und Kaya beobachtet. Kaya war total aus dem Häuschen! Es war wohl das erste Mal in ihrem Leben, dass sie Affen begegnet ist. Irgendwann hat sie dann alle laut bellend vertrieben. Drei Tage später, als Iris den Fernseher für den aktuellen Monat bezahlt hatte, bekamen wir die Quittung für das „Affentheater“ – der Fernseher funktionierte nicht. Die Affen hatten beim Klettern irgendwas an der Satellitenschüssel zerstört. Also musste ein DSTV-Angestellter kommen und sie reparieren. Der Spaß hat dann 30.000 UgS gekostet – doofe Affen!
An der Uni ist letzte Woche nicht viel passiert, weil Montag kein einziger Student zum Unterricht erschien und Dienstag ein Feiertag (Idi-Day - Ende der Fastenzeit) war. Als Strafe für das allgemeine Schwänzen am Montag, und auch, weil es sowieso mal fällig war, erstellte ich einen Test zur Aufklärung. So bekommt man wenigstens mal ein Feedback, ob der Unterrichtsstoff über deutsche Epochen auch hängen geblieben ist. Außerdem hatte ich am Donnerstag meine erste Phonetikeinheit. Die Stunde ist ziemlich gut verlaufen und hat total Spaß gemacht. Und das nicht nur mir, sondern auch Emanuel und Robert!
Übrigens hat mir Jonas letztens beim Mittagessen den Unterschied zwischen den Deutschen und den Ugandern erzählt: „Die Deutschen existieren - Ugander leben.“ …mittlerweile kann ich das bestätigen…

Montag, 29. September 2008

Kirche, Kultur und Kuchen.

Jetzt musste ich erstmal eine ganze Weile überlegen, bis mir eingefallen ist, was die letzte Zeit so passiert ist! Der Grund warum ich mich erst so spät melde ist übrigens Judith. :) Sie hat ihren Laptop im Büro auf den Fußboden fallen lassen, mit der Folge: Display kaputt! Das heißt: wir teilen uns den DAAD-Laptop - und darum bin ich nicht zum schreiben gekommen. (…wäre ja auch wirklich unverschämt von mir, wenn ich mich einfach eine Stunde ins Büro an den Laptop setzte um einen Blogartikel zu schreiben, wenn Judith den Laptop braucht).
Nun also meine Erlebnisse der letzten Zeit: Ich bin Auto gefahren! Ja, das ist in Kampala wirklich ein Erlebnis! Erstens fahren die Autos alle auf der falschen Seite, was auch bedeutet, dass das Lenkrad rechts ist und man mit links schalten muss, und zweitens gibt es hier so eine merkwürdige Vorfahrtsregel: Wer hupt, hat Vorfahrt. …und da muss man sich erstmal dran gewöhnen. Positiv überrascht war ich allerdings von Iris’ Toyota Hiace (ja, Iris fährt ein Matatu), der sich, trotz seiner Größe, erstaunlich gut fährt.
Vorletzten Sonntag war ich mit Iris und Sylvia (Ramadan ist Moslem, darum ist er mit den Kindern zuhause geblieben) in der Kirche. Da es eine katholische Kirche war und ich bis jetzt erst einmal in meinem Leben an einem katholischen Gottesdienst teilgenommen habe, kann ich nicht so recht beurteilen, ob der Gottesdienst dem Europäischen stark ähnelt – toll war er auf jeden Fall. Der Pfarrer war ein Mzungu und es gab eine Art Gospelchor, der allerdings nicht vorn beim Altar stand, sondern ganz einfach auf den Bänken saß. Die Lieder waren in Englisch, Luganda, Acholi oder auch Suaheli, die Predigt wurde jedoch nur auf Englisch gehalten. Es gab keine Gesangsbücher, statt dessen eine Powerpoint-Präsentation mit den Liedtexten die mit einem Beamer an die Wand neben dem Altar projiziert wurde und es gab auch keine Orgel, sondern harfenähnliche Gitarren mit Hawaiiklang sowie Trommeln, die den Chor begleiteten. Quite amazing! Am Abend sind Iris, Judith, Sylvia, Amis und ich zu einer traditionellen afrikanischen Tanzshow ins Ndere Centre nach Ntinda gefahren. Frauen und Männer wackelten mit den Hüften, sprangen durch die Luft und tanzten ausgelassen zur Musik eines afrikanischen Orchesters. Der krönende Abschluss der Show war ein Tanz der Acholi, bei dem jede Tänzerin am Ende sechs Vasen auf ihrem Kopf balancierte.
Letzten Montag war Erics (Judiths und Sabines Mitbewohner) fünfundzwanzigster Geburtstag, darum gingen wir (Eric und alle seine Mitbewohner, die im Moment nicht verreist sind, Pete (ein ugandischer Freund von Eric), vier weitere Amerikanerinnen und ich) ins Efendys Abendbrot essen und Shisha rauchen. Das Essen war superlecker und ich war schon sehr satt, als zwei Amerikanerinnen eine Geburtstagsüberraschung für Eric – einen selbstgebackenen doppelten Schokoladenkuchen – herbeiholten. Man, war der lecker und man, was war das für eine Kalorienbombe! Da muss man sich wirklich nicht wundern, warum die meisten Amerikaner so aussehen, wie sie aussehen… Als ich später nachhause kam, wollten Iris und Martin gerade ins National Theatre zu einer Raggae-Jam-Session aufbrechen. Da ich Dienstag sowieso frei hatte ging ich mit. Als wir kurz nach elf ankamen war die Session bereits vorbei, dafür waren viele Freunde von Martin da. So traf ich Seba, ein Ugander, der nach der Vorstellung durch Martin plötzlich Deutsch mit mir sprach. Ich war verwirrt und gleichzeitig erfreut. Er erzählte mir, dass er mit siebzehn Jahren nach München gezogen ist, dort studiert hat und dann fast zwanzig Jahre lang als Taxifahrer gearbeitet hat. Seit fünf Jahren ist er wieder in Uganda und hat mit dem Geld, das er in Deutschland verdient hat, ein Weisenhaus in Kampala eröffnet. Ich mag es, Menschen zu treffen und ihre Geschichten zu hören…
Einen Tag später war ich wieder im National Theatre. Nachdem ich den ganzen Nachmittag mit Judith Unterricht vorbereitet hatte fuhren wir mit Sabine ins National Theatre. Diesmal war hatten die Musiker noch nicht mal angefangen zu spielen, denn diesmal waren wir pünktlich da. Das Konzert war sehr afrikanisch. Die Instrumente auf der Bühne waren ziemlich gemischt – sie reichten von Saxophon über Xylophon bis hin zu den verschiedensten Trommeln. Neben dem Sänger, der Moritz Bleibtreu bis auf die Hautfarbe zum verwechseln ähnlich sah, gab es noch drei Backgroundsängerinnen, die zwischendurch verschiedene Tänze vorführten. Da an dem Abend einer der Gäste Geburtstag hatte gab es Kuchen für alle. Montag Kuchen, Dienstag Kuchen - von Kuchen habe ich erstmal genug. :)
Das Wochenende begann dann schließlich am Freitag nach dem German Club, den ich allein leitete, da Judith mit Karsten (ein Freund von ihr aus Kiel) nach Murchison Falls verreisen wollte und Rashid erst 15 Minuten vor Schluss kam, mit der „Inauguration“ (Eröffnung/Einweihung) der UGCS (Ugandan German Cultural Society) und der Alliance Francaise in der Mackinnon Road. Seit kurzem teilen sich die beiden kulturellen Vertretungen von Deutschland und Frankreich ein Gebäude: wenigstens in Uganda klappt die deutsch-französische Verständigung ausgezeichnet! ;) Es gab ein reichhaltiges kulturelles Programm, sowie eine Kunstausstellung zu sehen. Überall auf dem Gelände standen Fackeln, die sich beim Konzert von Maurice Kirya nicht nur als schön, sondern auch als sehr nützlich erwiesen, da der Strom ausfiel. Nach einem Lied unplugged ging das Konzert mit Generator-Strom im Halbdunkeln weiter. Als das Konzert zu Ende war ging es auf Clubtour: Mateos, Club Silk, irgendwo zwischendurch was essen und anschließend Club Cascades. Da wir Jonas, einen stadtbekannten ugandischen Tänzer, Tanz- und Capoeiralehrer, dabei hatten, mussten wir in keinem einzigen Club Eintritt bezahlen. …und das war so ziemlich alles was passiert ist…
Ansonsten gibt es noch zu sagen, dass Kaya, dank guter Erziehung vom Iris und mir, stubenrein ist! Außerdem lerne ich gerade Luganda mit dem „Luganda – Englisch Phrasebook for Tourists“ von Margaret Nanfuka und den Aussprachetipps von Sylvia, da es oft sehr nützlich ist, wenn man die Sprache der Einheimischen spricht und sie sich außerdem wahnsinnig darüber freuen (und wenn man nur „weebale“ (= "danke" sagt). „Eier“ heißt übrigens „maggi“. Das Wort habe ich zwar noch nie benutzt, kann es mir aber dank deutscher Fernsehwerbung erstaunlich gut merken. ;)
Ach ja! Zwei Sachen muss ich auf jeden Fall noch erzählen: Ab dieser Woche gibt mir Herr Heusing eine Stunde seines Kurses „Grundstufe 3“ ab. Ich soll jeden Donnerstag mit Robert und Emanuel Phonetikunterricht machen. Darum wälze ich seit Tagen alle möglichen Phonetikbücher und höre mir die dazugehörigen Kassetten an. UND: ich habe, da ich mich in der Botschaft registriert und auch meine Emailadresse angegeben habe, eine Einladung, wie auch alle anderen deutschen Staatsbürger in Uganda, vom deutschen Botschafter bekommen! Diesen Freitag findet „anlässlich des 18 .Jahrestages der Deutschen Einheit“ eine Feier in der UGSC statt. Außerdem steht noch in der Einladung: „Wegen des erwarteten großen Andrangs ist der Empfang für Kinder unter 16 Jahren nicht geeignet. Nach dem offiziellen Teil beginnt für Tanzlustige eine Disco-Party.“ und „Bitte ein Ausweispapier mitbringen.“. Na das hört sich doch mal nach einer großen deutschen Party an! Ich warte gespannt auf Freitag und berichte nächste Woche wie es war. :)
Bis dahin! Weeraba (tschüß)!
[Randbemerkung: Da mein kulando-Fotospeicher voll ist, versuche ich mal mir einen flickr-Account anzulegen. Also wird es vielleicht bald wieder die passenden Fotos zum Text geben. Wenn alles klappt steht der Link dann rechts unten unter "Links"...]

Mittwoch, 17. September 2008

Meine erste Unterrichtsstunde und der Rest von letzter Woche.

“Ach, am Donnerstag habe ich einen wichtigen Termin. Könnten Sie vielleicht die Stunde übernehmen, Frau Richter?“ So kam es zu meiner ersten eigenen Unterrichtsstunde – Thema: kennen, wissen und können. Zum Glück waren im Arbeitsheft „em“ sehr brauchbare Erklärungen zu finden, die den Unterschied in der Verwendung dieser Verben deutlich machen. Also musste ich mir die deutschen Erklärungen nur noch auf Englisch übersetzen und mir eine Unterrichtsplanung einfallen lassen.
Als meine beiden Studenten (2. Jahr Beginners) am Donnerstag endlich, nach fünfzehnminütiger Verspätung, ins Zimmer traten und meine Aufregung nicht größer hätte sein können, begann die Unterrichtsstunde mit einer Wiederholung der Konjugation der drei Verben. Als nächstes erklärte ich ihre unterschiedliche Verwendung. Dies dauerte ziemlich lange, aber es sollte schließlich auch verstanden werden... Die verbleibenden fünfzehn Minuten verbrachten Robert und Emanuel mit einer Übung, die ich erstellt hatte. Da dies jedoch länger dauerte als ich gedacht hatte und die beiden ja außerdem viel zu spät gekommen waren, gab ich ihnen die Übung schließlich als Hausaufgabe auf - und außerdem noch zwei andere Aufgaben. Ich habe ihnen versucht zu erklären, dass sie die Verwendung der Verben nur richtig lernen, wenn sie diese viel üben. Ich hoffe sehr, dass sie das verstehen und mich für den Berg an Hausaufgaben nicht hassen. :)
Am Freitag wurde ich morgens durch Benjamin und Martin (Freunde von Iris, die im Wohnzimmer übernachtet hatten), die sich im Wohnzimmer lautstark unterhielten, geweckt. Als ich mein Handy einschaltete, schrieb mir Judith um mir zu sagen, dass wir uns schon eher auf dem Wochenkunstmarkt treffen. Also aß ich mein Frühstück so schnell ich konnte, packte meine Sachen und wollte los, als Amis heulend in der Tür stand, weil er seine Eltern nicht finden konnte. Ich beruhigte ihn, setzte ihn vor den Fernseher, schaltete ein Kinderprogramm ein und verabschiedete mich von Benjamin, der am gleichen Tag nach Frankreich zurückflog. Nach nur zehn Minuten saß ich schließlich im Matatu (zu meinem Erstaunen sogar eins, dass in meine Richtung fuhr. …es passiert ziemlich selten, dass man beim ersten Mal das richtige Matatu erwischt.) und nach einer ewig langen Fahrt, weil wie immer Stau war, erreichte ich schließlich die Jinja Road und lief zum Markt. Nachdem Sabine, Judith und ich wahnsinnig schöne Sachen gekauft haben (ich kann an der Stelle nicht sagen, was ich gekauft habe, da einige Weihnachtsgeschenke darunter sind… :)) sind wir zu 1000 Cups, einem supergeilen Cafe im Stadtzentrum, gefahren um uns vom Bummeln zu erholen. ;) Später fand dann noch der Deutschclub statt. Dieses Mal konnte ich sogar teilnehmen und mir ging es gut. :) Der Plan für diese Sitzung war das Anschauen einer deutschen Serie. Judith hatte dafür von der ARD die erste Staffel „Berlin, Berlin“ bekommen. Da dies ein riesiger Erfolg war schauten wir sogar, auf Wunsch der Stundenten, zwei Folgen. Wir schauten die Serie, zum besseren Verständnis, mit Untertiteln für Hörgeschädigte. Da im Deutschclub einige Born-again-Christen sind (fragt mich nicht, was das genau ist. Ich weiß nur, dass sie sich für die einzig wahren Christen halten und ziemlich strenge Regeln haben, an die sie sich halten -> z.B. kein Sex vor der Ehe, kein Alkohol…) konnte ich mir bei jeder Liebesszene um dem darauf folgenden entsetzten Gesichtsausdruck der Born-agains ein Schmunzeln nicht verkneifen. Danach beschlossen Judith und ich mit dem Matatu zum Supermarkt zu fahren, Abendbrot einzukaufen, ein paar Sachen bei Judith abzuholen, mit dem Boda-Boda zu mir zu fahren um Abendbrot zu essen und anschließend im Latinoclub feiern zu gehen. Es kam jedoch anders. Als wir nach einer Ewigkeit immer noch kein Matatu gefunden hatten, dass in unsere Richtung fuhr bzw. noch Plätze frei hatte, nahmen wir ein Boda-Boda. Wir kamen 20.15 am Supermarkt an und dieser hatte bereits geschlossen. Also stiegen wir erneut aufs Boda und beschlossen unterwegs nur noch ein paar Bier zu kaufen, da Judith noch Brot und Käse zuhause hatte. Nach der Hälfte der Strecke sprangen wir allerdings vom Boda ab, da es zu regnen begonnen hatte, der Fahrer jedoch weiterhin um die Kurven raste, als wäre die Straße noch trocken. Da es den restlichen Abend regnete, übernachtete ich bei Judith, da Taxis ziemlich teuer sind.
Der Samstag begann mit einem Frühstück bei Judith. Danach fuhr ich nach Hause, da Iris und ich in Nsambia noch ein paar Möbel einkaufen wollten (ich hatte immer noch keinen Wäschekorb und mir fehlte außerdem ein Papierkorb). So verbrachten wir den Tag shoppend auf verschiedenen Märkten. Da es ein besonders heißer Tag war, wollte Iris am Nachmittag schwimmen gehen. Ich blieb zu Hause, da ich mich am Tag zuvor erkältet hatte und richtete unser Haus mit den neuen Möbeln und Teppichen ein. Am Abend verließ ich das Haus nur noch einmal um mit Sylvia Airtime für mein Handy zu kaufen, da meine Prapaidkarte leer war. Wir schlenderten zu einem der vielen kleinen Straßenläden direkt um die Ecke und ich hatte Saidi auf dem Arm, was eine Attraktion für alle Ugander, die wir unterwegs trafen, war: eine Uganderin, die mit einem Mzungu, der ein afrikanisches Baby auf dem Arm trägt, spazieren geht! Wow!
Da Iris sich am Samstag einen Tisch für ihr Zimmer in Nsambia anfertigen lassen hatte fuhren wir erneut einkaufen. Außerdem wollte Iris gern einen farbigen Stoff kaufen um die kahle weiße Wand in unserem Wohnzimmer zu verdecken. Wir fuhren durch die Stadt und kauften etliche Sachen ein. Der letzte Markt, den wir anfuhren um weiterhin nach Stoffen und außerdem nach Gemüse und einer Teekanne zu schauen war Nakawa Market. Als wir alles gekauft hatten und den Heimweg antraten entdeckte Iris an einem Metallverarbeitungsstand ein Hundebaby – und sie musste es haben! (Iris ist momentan ziemlich im Kaufrausch und das anscheinend nicht nur für Möbel und Pflanzen…) Also kauften wir Kaya, unsere noch nicht stubenreine Hundedame, für umgerechnet vier Euro. So endete die letzte Woche und nun ist auch die Geschlechterverteilung in unserem Haus ausgeglichen…

Dienstag, 9. September 2008

Studenten und Lebensmittelvergiftung.

Ich hätte nie gedacht, dass ich mich einmal so freue, wenn ich erfahre, dass der Unterricht beginnt – aber so ist es! Für mich geht es diese Woche richtig los! Montag wurde kurzfristig zum Feiertag erklärt, Dienstag habe ich frei und hospitiere nur in Judiths Kurs, aber am Mittwoch fange ich dann an. Anfangen bedeutet in meinem Fall in Kursen zu assistieren, also so lange dabei helfen den Unterricht vorzubereiten und außerdem hospitieren, bis ich mir getraue selbst ein paar Stunden zu unterrichten. Ich assistiere in drei Kursen. Ein Kurs ist eigentlich ein Literaturwissenschaftsseminar, das den Studenten die Epochen der Aufklärung bis zum Vormärz näher bringen soll. Da in der Kursbeschreibung steht, dass der Unterricht vorwiegend auf englisch gehalten wird, da die Studenten erst zwei Jahre Deutschunterricht an der Universität hinter sich haben, werde ich mich bei diesem Kurs wohl auf das Vorbereiten des Unterrichts konzentrieren und das Unterrichten Judith überlassen. Die beiden anderen Kurse, in denen ich assistiere, unterrichtet Herr Heusing. Der eine Kurs heißt „Advanced German Language Skills“ und richtet sich an Erstsemester, die bereits in der Schule Deutschunterricht hatten. Da die zwei Studentinnen, die diesen Kurs belegen, jedoch einige grammatische Probleme haben, wie sie Herrn Heusing berichteten, wird sich der Kurs vorrangig auf diese Probleme konzentrieren, ehe man zur Textanalyse und dem Schreiben von Essays übergehen kann. Zwei Studenten sind in diesem Semester übrigens die Mindestanzahl an Kursteilnehmern. Es hat jedoch in den vergangenen Jahren auch schon Kurse mit nur einem einzigen Teilnehmer gegeben. Das es verhältnismäßig wenig Studenten der deutschen Sprache an der Makerere University gibt (insgesamt gibt es um die 30000 Studenten an der Uni – wir haben in diesem Semester neun neue Deutschstudenten), liegt wahrscheinlich daran, dass es noch zwei weitere Schulen in Kampala gibt, die Deutschunterricht anbieten – an der MUK sind immerhin Studiengebühren von fast 20000 Dollar pro Jahr fällig. Im Grunde ist mir die geringe Studentenzahl jedoch sehr recht, da so eine viel individuellere Betreuung der Studierenden möglich ist und die Klassenräume außerdem sehr klein sind. Der andere Kurs, bei dem ich assistiere, heißt „Grundstufe 3“ und richtet sich an Studenten im zweiten Studienjahr Deutsch, die in der Schule noch keinen Deutschunterricht hatten. In diesem Kurs wird mit dem Lehrwerk „Themen 2“ gearbeitet. Da die Lehrbücher aus den achtziger Jahren stammen und viele Abbildungen und Texte unaktuell sind, werde ich sicher oft selbst kreativ sein können.
Am Freitag fand die erste Sitzung des Deutschclubs statt. Dafür haben Rashid, der Leiter des Deutschclubs, Judith und ich bereits letzten Mittwoch besprochen, was wir für die nächsten zwölf Termine des Deutschclubs planen. Ich freute mich sehr auf meine erste offizielle Veranstaltung an der Universität und obwohl mir seit dem Aufstehen schlecht war, änderte dies nichts an meiner Vorfreude. Als ich jedoch am Campus ankam, war mir so schlecht, dass ich mich erst einmal ins Büro legen musste. Die Zeit, während der Deutschclub stattfand, verbrachte ich auf der Wiese vor dem Klassenzimmer, da ich mich im Minutentakt übergeben musste. Klasse! Die erste Veranstaltung meines Praktikums - und ich konnte nicht teilnehmen. Judith erzählte mir nachher, dass ich nicht viel verpasst habe und sie die Sitzung auch schon nach einer Stunde beendet hätten. Wir gingen daraufhin in der Guild Canteen Pommes essen und Cola trinken, die sich nachher jedoch, wie jede Nahrung, die ich an dem Tag zu mir genommen hatte, auf der Wiese wieder fand. So ist also eine Lebensmittelvergiftung - wenigstens bin ich diese Erfahrung reicher. …und wenn das nächste Mal vierundzwanzig Stunden lang der Strom ausfällt vergesse ich garantiert nicht mehr alle Lebensmittel aus dem Kühlschrank zu entsorgen um sie nicht mehr aus Versehen zu essen…

Dienstag, 2. September 2008

Stromausfall.

Als ich gestern um acht im Dunkeln mein Zuhause mit dem Boda erreichte, brannte in keinem einzigen Zimmer Licht. Ich wunderte mich, da Iris’ Matatu auf seinem Parkplatz vorm Haus stand, was ein ziemlich sicheres Zeichen ist, dass sie bereits von der Arbeit zurück ist. Als ich das Haus betrat und aus dem Dunkel die Stimmen von Iris und Benjamin vernahm, die auf dem Sofa lagen, wusste ich, was los ist: Stromausfall.
Stromausfälle sind in Kampala keine Seltenheit, wie ich bereits in der ersten Woche fast jeden Abend im Makerere University Guesthouse erfahren hatte - wer einen Konverter hat ist hier klar im Vorteil! Komisch, dachte ich, als ich meine Schuhe im Wohnzimmer auszog und froh war, dass in meinem Handy eine Lampe integriert ist, denn wir haben doch einen Konverter. Auf die Frage, warum dieser nicht funktioniere, antwortete Iris nur, dass er kaputt sei und sie weder wisse warum noch daran gedacht habe Kerzen zu kaufen. Na schön! Stromausfall, Konverterausfall, keine Kerzen und erst um acht. Ich borgte mir eine Kerze von Sylvia und beschloss den restlichen Abend im Kerzenschein zu lesen, bis mich Iris fragte, ob ich Lust hätte mit Benjamin zu einem Freund zu fahren um ein bisschen was zu trinken und zu quatschen. Als sie mir versprach den Heimweg nicht allzu spät anzutreten, willigte ich ein. Wir fuhren zu Jan, einem französischen Freund von Iris und Benjamin, der mit einer Uganderin verheiratet ist, zwei Kinder hat und in einem riesigen Haus in Muyenga wohnt, in dem es, wie nur in den seltensten Häusern in Kampala, die anscheinend einen Generator hatten, noch Strom gab. Die Fahrt nach Muyenga war abenteuerlich, da es auf dem letzten Stück keine befestigten Strassen gab und die Wege teilweise nur noch aus zwanzig Zentimeter hohem Matsch bestanden, da es vorher geregnet hatte. Den restlichen Abend verbrachten wir in ruhiger Runde in Jans Wohnzimmer und schauten BigBrother Africa, was nicht wirklich spannend war, aber wenigstens ein bisschen unterhaltsam.
Am nächsten Morgen war der Strom immer noch nicht zurückgekehrt. Im Hellen ist das ja nicht weiter schlimm, dachte ich mir beim aufstehen, bis ich unter der kalten Dusche stand. Zum Glück ist das Wasser aus der Leitung nicht so kalt wie man es aus Deutschland gewohnt ist, da es in einem schwarzen Kanister, der ein wenig durch die Sonne aufgewärmt wird, gespeichert ist. Als ich mir schließlich Frühstück machen wollte und den Kühlschrank öffnete, stellte ich erneut fest, das Strom leider doch nicht nur für warmes Wasser und Licht benötigt wird. Zum Glück haben wir wenigstens einen Gasherd…

Freitag, 29. August 2008

Endlich ein eigenes Zimmer.

Gestern Abend fuhr ich mit einem Taxi zum hellblauen Gartentor in der Ismail Road im Stadtteil Mbuya, der im Osten Kampalas liegt. Dort wurde ich freudig von Iris und Ramathan empfangen, die mir sofort halfen mein Gepäck, das sich nach den drei Wochen hier mittlerweile fast verdoppelt hatte, in mein Zimmer zu bringen – mein eigenes Zimmer! Nach einer endlos erscheinenden Suche habe ich es endlich gefunden! Es befindet sich in einem riesigen Haus, das bis jetzt nur von Iris, meiner französischen Mitbewohnerin, bewohnt wurde. Wobei das nicht ganz richtig ist, denn im Anbau des Hauses, der über den Hinterhof zu erreichen ist, wohnt Ramathan mit seiner Frau Sylvia und den Kindern Amis (ihr kleiner Sohn, den ich auf fünf Jahre schätze) und Saidi (ihr Baby, das den ganzen Tag auf Mamas Arm verbringt). Die Familie kümmert sich rund um die Uhr um Haus und Garten. Sylvia wäscht Wäsche, erledigt sogar den Abwasch und putzt das Haus, während Ramathan den Sicherheitsdienst ersetzt und außerdem den Garten und die Veranda sauber hält. Ein weiterer “Mitbewohner” ist Schmusekater Che, der durch das Wohnzimmerfenster ein uns aus geht. Durch das Wohnzimmerfenster, und auch durch die Haustuer, gelangt man auf die Veranda, von der eine Treppe in den großen jungelartigen Garten führt. Das Haus an sich besteht aus einem großen Wohn- und Esszimmer, einer Küche mit Waschmaschine (und die hebe ich besonders hervor, da Waschmaschinen in Uganda zu den Luxusgütern gehören, die sich nur die Wenigsten leisten können – normalerweise wäscht man selbst per Hand Wäsche oder aber lässt sie vom Hausmädchen waschen), vier Schlafzimmern (wovon zwei nur einen Wandschrank besitzen und eins komplett möbliert ist, da Iris darin wohnt), zwei Badezimmern und einer Gästetoilette. In meinem Zimmer lag glücklicher Weise eine große Matratze, auf der ich schlafen kann, sodass ich mir nur noch wenige Möbel kaufen musste. Möbel kaufte ich gestern mit Judith in Nsamgya. Dort befindet sich der wahrscheinlich größte Möbelmarkt Kampalas. Rechts und links entlang der Strasse befinden sich kleine Werkstätten, in denen Möbel jeder Art handgefertigt und diese dann direkt an der Strasse verkauft werden. Für knapp 58 Euro (inklusive Transport) wurde ich schließlich mit zwei Regalen (wovon das Kleinere als Bad-, das Größere als Bücherregal dient), einem Schreibtisch und einem Stuhl bis vor die Haustuer gebracht. Obwohl ich mein Zimmer bis spät in die Nacht mit Bildern dekorierte, wirkt es doch noch recht kahl. Darum wollen Judith und ich die restlichen freien Tage bis Montag auf einigen Kunstmärkten nach Dekoartikeln Ausschau halten – freie Tage übrigens deshalb, weil sich bis auf drei Studenten immer noch niemand zum Unterricht gemeldet hat. Es heißt also: warten. Ich frage mich langsam, ob der Unterricht überhaupt noch mal irgendwann beginnt!? Ich hoffe es aber sehr…
Der Unterricht hat noch nicht begonnen, obwohl dies schon vor zwei Wochen geschehen sollte, dafür aber die Regenzeit, die eigentlich erst im September beginnt. Der Weg zum Internetcafe war daher sehr abenteuerlich, da es zehn Minuten nachdem ich das Haus verlassen hatte zu regnen begann. Mein erster richtiger Regenschauer in Kampala! Also öffnete ich meinen Schirm und rannte zu einem Matatu (Matatus sind Sammeltaxis, mit denen man sich hier recht billig fortbewegen kann) um zu fragen, ob es in Richtung Shoprite (ein riesiger Supermarkt in dem sich auch das Internetcafe der Uganda Telecom befindet) fährt (ich fragte deshalb, weil ich mir nicht sicher war, welches die richtige Richtung in die Stadt ist). Nach zehnminütiger Fahrt stellte ich fest, dass mich der Fahrer falsch verstanden hatte und ich in die falsche Richtung gefahren war. Wenigstens musste ich die Fahrt nicht zahlen und konnte im strömenden Regen ein Matatu auf der anderen Straßenseite erreichen. Meine Schuhe sind jetzt zwar nass, aber wenigstens bin ich am Ende da angekommen, wo ich ankommen wollte. Regenzeit ist abenteuerlich – Matatu fahren noch mehr.
(PS: Fotos vom Haus, Garten und Co folgen in den nächsten Tagen.)

Dienstag, 19. August 2008

In der Garage wohnen.

Immer noch nix zum wohnen gefunden. Das ist aber auch blöd hier. ...dass das alles so kompliziert ist, hab ich mir ja nicht gedacht. Das Zimmer, das ich mir gestern angeschaut habe ist ganz ok... Halt sehr afrikanisch irgendwie. Allerdings gibt es nur so eine Loch-im-Boden-Toilette. Da hab ich ja keine Lust drauf. Und ich müsste mir jetzt eine Woche lang ein Bett mit einer anderen Europäerin teilen! Hallo? Ich teile doch mein Bett nicht mit Jemandem! Und das Apartment, was ich mir abends angeschaut habe kostet satte 1500 US-Dollar im Monat...für drei Schlafzimmer. ...na das fällt ja dann wohl auch aus. Also wohne ich jetzt erstmal eine Woche in Judiths Garage.
Apropos Fotos... Ihr müsst euch vorstellen, dass die Internetgeschwindigkeit hier mit der eines Modems vergleichbar ist... Und das daaaaauert. Habs heut mal versucht. Also werde ich demnächst ein paar Fotos auf Judiths Laptop verkleinern und dann versuche ich es noch mal, ihr Nervensägen! :)
Und jetzt schaue ich mir Lisas Blog auch endlich mal an, weil ich jetzt Zeit habe. :) Sorry Lisa, dass ich es nicht eher geschafft habe.Heut Abend koche ich zusammen mit Judith irgendwas mit Zucchini und Nudeln. Und morgen geht die Arbeit dann auch endlich mal los! ...hoffe ich.

Montag, 18. August 2008

Angekommen.

Nach einer 24-stündigen Anreise bin ich endlich angekommen. Die Zugfahrt und die Flüge waren in Ordnung – bis auf den letzten Flug von Addis Abeba nach Entebbe, bei dem ich zwischen einer übergewichtigen Afrikanerin zu meiner Linken und einem übergewichtigen Chinesen zu meiner Rechten eingequetscht auf dem mittleren Sitz saß. Dafür gab es ein leckeres Essen und deutsche Erdbeermarmelade. :) Am Makerere University Guesthouse angekommen nahm mich gleich Herr Heusing, mein Chef, in Empfang.
Die nächsten zwei Tage verbrachte ich mit dem Erkunden meiner neuen Heimat zu Fuß und fühlte mich, je länger der Fußmarsch dauerte, immer mehr wie ein Fremder. Die Menschen hier sind zwar alle sehr nett und nicht allzu aufdringlich, jedoch starren einen die meisten an, als ob man einer vom aussterben bedrohten Tierart angehört.
Freitag kam schließlich “weiße Verstärkung” aus Deutschland. Schon war meine, den gesamten Vormittag andauernde erfolglose Suche nach der Nanfumbambi Road, auf der sich vielleicht (wie ich zu dem Zeitpunkt noch dachte) mein zukünftiges Hostel befindet, vergessen. Nach einem leckeren Mittagessen mit Judith, der deutschen DAAD-Sprachassistentin aus Kiel, und Herrn Heusing in der Lugogo Mall, verbrachte ich den restlichen Tag in Judiths WG, in der neben ihr noch eine Franzosin, zwei Italiener, eine Belgierin (heißen die so?), ein Amerikaner und ein Ugander wohnen. Es gab selbstgekochtes Abendbrot und es wurde bis spät in die Nacht gequatscht, bis mich schließlich ein Taxi ins Bett brachte.
Samstag verbrachten Judith und ich bis es dunkel wurde den Tag bummelnd in Kampala.
Gestern schaute ich mir alle Hostels in Uninähe an, von denen eins schlimmer als das andere war. Sie waren zwar recht billig (die meisten um die 200 Euro für vier Monate), aber so sahen sie auch aus. Meist waren es außerdem Doppelzimmer. Ein einziges Hostel sagte mir sofort zu, war aber bereits ausgebucht. Am Abend gab es einen internationalen Grillabend in Judiths WG, in der ich auch in der Gästezimmergarage übernachtete.
Heute war ich mit Judith in der Lugogo Mall frühstücken und dann werde ich mir noch ein weiteres Zimmer anschauen. In das werde ich auch einziehen, egal wie es aussieht, denn das Guesthouse, in dem ich zur Zeit wohne, ist einfach zu teuer, außerdem hat es mir eine Deutsche im StudiVZ empfohlen, also kann es wohl nicht allzu schlimm sein. Am Abend werde ich mit Sarah, einer Amerikanerin, die auch in meinem Guesthouse wohnt, ein möbliertes Apartment in Judiths Nähe besichtigen. Vielleicht ist das ja total super und nicht allzu teuer und ich ziehe mit Sarah ein. Wer weiß.
Die Arbeit geht übrigens wahrscheinlich am Mittwoch los. Herr Heusing wusste das noch nicht so genau, weil noch nicht feststeht, wie viele zu unterrichtende Studenten es dieses Jahr überhaupt gibt. Mittwoch ist auf jeden Fall erstmal ein Treff im Büro und dann kann ich mir auch gleich mal das German Department anschauen.
Bis dahin heißt es: Freizeit genießen und endlich eine bezahlbare Bleibe finden!

Mittwoch, 6. August 2008

...noch 5 Tage.

Es sind noch fünf Tage bis zum Abflug.
Eigentlich müsste ich so aufgeregt sein, dass ich tagsüber durch mein Zimmer springe und nachts kein Auge zu bekomme. Ist aber alles nicht so. Ich schlucke einfach brav meine Medikamente, wie es mir der Arzt verordnet hat, packe in aller Ruhe meine Sachen, die sich so in meinem Zimmer angesammelt haben und realisiere noch gar nicht, dass ich schon nächste Woche in den Flieger steige. Vielleicht bemerke ich morgen eine emotionale Veränderung, wenn ich mein Zimmer für immer abgebe, vielleicht ist die emotionale Veränderung, wenn es denn eine geben sollte, dann aber auch medizinisch bedingt, da ich gestern eine Hepatitis A-Impfung bekommen, meine zweite Cholera-Schluckimpfung eingenommen und mit der Malariaprophylaxe angefangen habe und wer weiß, wie sich das alles in meinem Körper verträgt... Vielleicht passiert aber auch gar nichts und ich merke erst im Flugzeug, dass es kein Zurück gibt. Auf jeden Fall möchte ich mich heut schon mal verabschieden.

Also: Machs gut, Chemnitz. Es war schön mit dir. ...und nicht traurig sein, wir sehen und ja im Januar wieder. ;)