Mittwoch, 26. November 2008

Full House.

Nachdem erlebnisreichen Ruandaaufenthalt ist die restliche Woche in Uganda nicht mehr so viel passiert. Und auch in der Woche danach nicht. Es war wie immer Uni und alle Studenten waren da, weil sich das Semester dem Ende neigt und bereits nächste Woche die Examen beginnen. Am Wochenende war der Alltagstrott jedoch vorbei, denn ich habe Besuch aus Deutschland bekommen und außerdem gibt es seit dem auch einen neuen Mitbewohner in unserem Haus. Martin ist am Samstag um zwei, mit nur einer halben Stunde Verspätung, müde und erschöpft in Entebbe gelandet. Ich habe ihn natürlich persönlich mit Iris’ Auto abgeholt. Nachdem ich mich in Kampala total verfahren hatte, habe ich den Rest der Strecke recht gut gefunden (es geht allerdings auch nur geradeaus, wenn man einmal aus Kampala raus ist…). Als wir wieder zuhause waren und alles ausgepackt hatten, gab es eine große Bescherung. Martin hatte ziemlich viele Spielsachen mitgebracht und diese dann im Wohnzimmer Amis und Saidi überreicht. Die Spielzeugautos stießen bei den Jungs auf große Begeisterung, während sich Mama und Papa mit Seifenblasen beschäftigten. Somit wurde Martin bei allen sofort ins Herz geschlossen. ;) Während im Wohnzimmer alle mit den Spielsachen beschäftigt waren, ließ Ali gerade sein Zimmer einräumen. Ali ist Libanese und könnte bis auf die zwei Nuancen dunklere Haut Guildo Horns Doppelgänger sein. Er ist Mitte dreißig und ziemlich ruhig (wobei ziemlich ruhig eigentlich untertrieben ist). Und das ist auch schon alles, was ich von ihm weiß. Da ich mich noch nie mit der libanesischen Kultur befasst habe hoffe ich einfach, dass wir gut miteinander auskommen…Sonntag haben Martin und ich einen Tagesausflug durch Kampala gemacht. Nachdem wir beim MTN-Marathon waren und Mareike und Elli das Ziel erreicht hatten, frühstückten wir im Good African Coffeeshop und besuchten danach Judith und Kaschi. Mittags trafen wir uns mit Mareike und Lara bei Elli und aßen beim Äthiopier in Old Kampala zu Mittag. Weil Lara und Mareike keine Lust zu laufen hatten, besuchten wir zu dritt Kampalas größte Moschee, die Gaddafi National Mosque. Elli und ich trugen zwar lange Hosen und hatten auch unsere Schultern bedeckt, doch so leicht ist es für Frauen nicht in eine Moschee gelassen zu werden… Wir bekamen Tücher und mussten unsere Hosen (Frauen tragen keine Hosen, sondern bodenlange Röcke) und unsere Haare einwickeln. Das sah nicht nur ziemlich bescheuert aus, sondern war auch irgendwie erniedrigend, wenn so eingehüllt neben Martin mit seinen ¾-Jeanshosen und dem kurzen Hemd stand… Als wir die Moschee barfuß betraten fragte ich mich immer wieder, wieso es eigentlich noch keine islamische Alice Schwarzer gibt… Die Führung durch die Moschee, die der Muezzin persönlich vornahm war ziemlich spannend. Wir durften sogar zusehen, wie er durch das Mikro zum Beten aufrief. Danach las er Elli und mir noch eine Geschichte aus dem Koran vor. Mahmood war super nett und bis jetzt auch der einzige Moslem der meinen Fuß lesen konnte (das hat ihn übrigens besonders beeindruckt…) :) . Am Montag war wieder Uni angesagt und am Abend National Theatre und Cascades. Da Dienstage ja meine freien Tage sind machte ich auch nichts. :) Mareike und Elli kamen zum frühstücken vorbei und später erfuhren wir, als wir bereits an der UGCS waren, dass Luganda ausfällt. Im Moment ist es übrigens so heiß, dass man es kaum aushält. Die Luft ist außerdem trocken und es regnet kaum noch. …also ist faul sein schon das Richtige, was man bei so einem Wetter machen kann. ;)
[Randbemerkung: Am Freitag um 8.30 verlasse ich mit Martin Kampala. Wir reisen nach Nordwestuganda und kommen am 06.12. zurück. Also gibt es nächste Woche keinen Eintrag… Dafür aber einen umso längeren wenn ich wieder da bin. ;)]

Freitag, 21. November 2008

MTN-Marathon.

MTN, offizieller Sponsor der Fußballweltmeisterschaft 2010 und mein aktueller Mobilfunknetzbetreiber, sponsert und veranstaltet noch viele andere Sachen. So findet diesen Sonntag zum Beispiel der MTN-Marathon, der durch ganz Kampala verläuft, statt. In sporadischen Abständen sieht man aus diesem Grund immer wieder Läufer am Straßenrand, die sich auf dieses Ereignis vorbereiten. Ich selbst habe ein Lauferlebnis hinter mir, dass mir voll und ganz ausgereichte: vor zwei Monaten kam ich nämlich auf die wahnwitzige Idee regelmäßig joggen zu gehen. So stand ich also um halb sieben auf und ging joggen – die Ismail Road entlang. Mein Ziel war eine halbe Stunde durchzuhalten. Nach nur fünfzehn Minuten hatte ich jedoch so viele Abgase des Berufsverkehrs, der sich jeden Morgen auf meiner Straße ins Unendliche staut, eingeatmet, dass meine Lunge schmerzte. So trat ich also den Rückweg an und beschloss mein Vorhaben regelmäßig joggen zu gehen an den Nagel zu hängen. Seit diesem Ereignis habe ich besonders großen Respekt vor den mutigen Kampala-Joggern und MTN-Marathonläufern und bemitleide ihre armen Lungen.

Donnerstag, 13. November 2008

Im Land ohne Plastiktüten.

Da ich ziemlich schlecht im Unterricht-Improvisieren bin, musste meine Phonetikstunde am Donnerstag auf Grund von fehlendem Strom ausfallen, da weder Kopierer noch Kassettenabspielgerät funktionierten. Freitag war der Strom an der Uni wieder da und wir hörten, auf Wunsch der Studenten, wie bereits letzte Woche deutsche Musik im German Club. Diesmal Mia. “Tanz der Moleküle”, Die Ärzte “Westerland” und “Ich will” von Rammstein. Ich war der Meinung, dass man Rammstein als Deutschstudent einfach kennen sollte, auch wenn ich mir ziemlich sicher war, dass den an Raggae-gewöhnten-Studenten diese harten Gitarrenklänge wohl nicht zusagen würden. Aber ich hatte mich getäuscht. Nicht nur die Studenten, sondern auch Raschid (ein Deutschlehrer, der uns im Deutschklub meist unterstützt) fanden Rammstein toll. Raschid meinte sogar, dass man “Ich will” sehr gut im Unterricht zum Thema Modalverben einsetzten könnte. Soll er mal machen. :) Samstagmorgen begann meine Mission “Visum verlängern”. Da mir alle, die die Visum-Verlängerungstortur bereits hinter sich hatten, abrieten dies im Immigration Office Kampala zu erledigen, weil es ewig lange dauert und noch dazu ziemlich langweilig ist, habe ich mich entschieden nach Ruanda zu fahren. Und da man am Lake Bunyonyi, einem der wenigen Seen in Uganda der bilharziosefrei ist und man deshalb in ihm schwimmen kann, vorbei muss um nach Ruanda zu gelangen, verbrachten Judith und ich dort unser Wochenende. Kurz vor sechs standen wir am New Taxi Park um die Busfirma “Horizon” zu suchen, die uns nach Kabale bringen sollte – ohne Erfolg. Dafür hingen uns nach wenigen Sekunden zehn Ugander am Ärmel und wollten uns in einen ihrer Busse ziehen. Nach etlichen Anläufen hatten wir einen Bus gefunden der nach Kabale fuhr und der einigermaßen vertrauenswürdig aussah. Da mir der Fahrer sagte: “We are leaving right now.” Stiegen wir in den Bus der Firma „Kibugo Enterprises“ ein. Drei Stunden später fuhr dieser endlich los… Gegen vier kamen wir in Kabale an. Wir schlugen uns durch die Menschenmassen vorm Bus, die uns alle ein Taxi andrehen wollten und stiegen schließlich in irgendeins ein. Am Lake Bunyonyi wartete ein Kanu auf uns, das uns zu unserer Unterkunft brachte. Die Landschaft war gigantisch (aber das brauche ich wohl nicht jedes Mal zu erwähnen, wenn ich von Uganda rede…) und wir genossen die letzten Sonnenstrahlen, bevor wir unser Zimmer, ein Twin Dorm (Schlafsaal mit zwei Betten), im Byoona Amagara Island Retreat bezogen. Am nächsten Tag liehen wir uns ein Kanu, welches ein ausgehöhlter Baum war, und erkundeten den See. Völlig erschöpft um mit Sonnenbrand (ja ich weiß, “es war bewölkt” zählt langsam nicht mehr als Entschuldigung… ) erreichten wir am Abend, kurz bevor es anfing zu gewittern, unsere Herberge und fielen nach ein paar Bierchen ins Bett…Der nächste Morgen begann viel zu früh. Halb sechs holte uns und ein norwegisches Ehepaar ein Motorboot ab. Nach einer Taxifahrt wieder in Kabale angekommen verabschiedete ich mich von Judith, die den Rückweg nach Kampala antrat, und fuhr weiter. Ich hatte den Taxifahrer gebeten mich zum Taxi Park zu bringen. Irgendwann hielt er an einer verlassenen Tankstelle an und zeigte auf ein Auto. Als ich ihn darauf hinwies, dass dies aber kein Matatu sei, meinte er nur, dass er den Fahrer kennt und dieser mich bis zur Grenze fährt und schon war mein Gepäck im Kofferraum verschwunden. Ich stieg also ein und zu 7. fuhren wir in einem 5-Sitzer-Toyota (die Ugander nennen so ein Gefährt „Motocar“) nach Katuna zum Grenzübergang. Nach der Passkontrolle war ich also in Ruanda. Ich fand sofort einen Bus der glücklicherweise nach Kigali fuhr und auch noch zwei Plätze frei hatte. Vom Einsteigen hielt mich nur noch die Gepäckkontrolle ab. Da ich dachte keine verbotenen Sachen mitzuführen, öffnete ich meine Tasche. Der Kontrolleur, der kein englisch sprach zeigte auf eine Plastiktüte in meiner Tasche. Ich versicherte ihm, dass sich darin lediglich Schuhe befinden und öffnete die Tüte zum Beweis. Wütend riss er sie mir aus der Hand, schütte die Schuhe in meine Tasche und warf die Tüte auf den Boden. Ein zweiter Ruander, der meinen völlig hilflosen Blick bemerkte, kam hinzu und sagte: “In Rwanda we don’t want this.” Ich leerte also alle Plastiktüten aus und warf sie ebenfalls auf den Boden. Später erfuhr ich, dass Plastiktüten in Ruanda seit 2005 verboten sind. Hätte ich das mal eher gelesen… Nach kurzer Zeit war ich in Kigali gelandet. Und da stand ich nun - und wusste nicht wohin mit mir. Zum Glück nahm mich sofort ein Ruander, der englisch sprach, an die Hand und wies mich in Kigali ein. Er führte mich zu einem Forex-Büro, indem ich Geld tauschen konnte und anschließend zu dem Hotel, das ich mir in meinem Reiseführer als Unterkunft ausgesucht hatte – es war geschlossen. Also zeigte er mir noch ein anderes. Da dies aber nicht in meiner Preisklasse lag und ich außerdem Hunger hatte, lud ich Emmi zum Frühstück ein, um mich für seine Hilfe zu bedanken, und fuhr zur ORTPN, der Touristeninformation. Die nette Dame am Schalter gab mir die Adresse von einer recht billigen Unterkunft und ich machte mich auf dem Weg. Kurz nach um zwölf hatte ich, nach einigen Sprachschwierigkeiten, endlich ein Zimmer im „Centre National de Pastorale St. Paul“ für zwei Nächte gebucht. So konnte ich nun also Kigali erkunden – dachte ich mir. Doch das war leichter gesagt, als getan. …da hatte man sich gerade an den Linksverkehr in Uganda gewöhnt, fahren die Autos plötzlich wieder auf der anderen Seite. Doch das größere Problem war die Orientierung. Auf meiner Karte waren zwar alle Straßen eingezeichnet, jedoch habe ich in ganz Kigali ein einziges Straßennamensschild gesehen. Und so gab ich, nachdem ich mich etliche Male verirrt hatte, zu Sonnenuntergang auf und wollte in einem Restaurant aus meinem Reiseführer essen gehen. Nachdem mich der fünfte Bodafahrer endlich verstanden hatte und mir zu verstehen gab, dass er das Restaurant kenne, fuhren wir los. Er setzte mich an einer Gaststätte im Nirgendwo ab, die nicht die war, zu der ich eigentlich wollte. Außerdem war alle Tische leer und das Essen überteuert. Wenigstens hat es geschmeckt und der Kellner war Ugander, was bedeutete, dass er sehr nett und gesprächig war und ich mit ihm englisch und ein paar Brocken Luganda sprechen konnte. Er organisierte mir nach dem Essen sogar noch ein Boda-Boda und übersetzte dem Fahrer wo er mich absetzten sollte. Er brachte mich zurück zu meiner katholischen Unterkunft und ich fiel sofort ins Bett. Trotz des Regens stand ich am nächsten Morgen gut gelaunt auf um in der Stadt zu frühstücken. Ich schnappte mir meinen Schirm und machte mich auf den Weg. Mir war ziemlich kalt, da es in Ruanda viel kälter als in Uganda ist, und war deshalb froh endlich im Bourbon Coffee Shop, den mein Reiseführer empfohlen hatte, zu sitzen und mein leckeres, wenn auch recht teueres Frühstück zu genießen (in Ruanda kostet alles das Dreifache im Vergleich zu Uganda…). Nachdem ich eine Stunde lesend auf mein Wechselgeld gewartet hatte (da die Kellnerin dachte, ich hätte es schon bekommen, was sich allerdings als Missverständnis erwies…) wollte ich Kigali erneut erkunden. Ich gab meiner Orientierung also eine zweite Chance - und wurde erneut enttäuscht. So nahm ich schließlich ein Boda-Boda zum Hotel des Mille Collines, das durch den Film „Hotel Ruanda“ bekannt wurde, um dort Mittag zu essen. Und da war es also – Hotel Ruanda. …sah im Film irgendwie ganz anders aus… Der große graue Klotz, der sich direkt gegenüber der Touristeninformation befand war mir am Vortag schon aufgefallen, aber an den Film hatte ich dabei nicht gedacht. Zum Glück war es bis zum ORTPN ja nicht weit und so war ich pünktlich zehn vor zwei auf dem Parkplatz bereit für die Stadtrundfahrt durch Kigali die ich am Vortag gebucht hatte. Meine Freude war jedoch rasch vorbei, denn die Stadtrundfahrt fiel auf Grund zu wenig Teilnehmer (ich war anscheinend die Einzige, die gebucht hatte) aus. Die Tatsache, dass ich mein Geld zurückbekam verbesserte meine Laune auch nicht besonders. Also fuhr ich auf eigene Faust zum Memorial National du Genocide de Gisozi, dem 2004 eröffneten Genozidmuseum. Nachdem es seit ich in Ruanda ankam geregnet hatte, hörte der Regen in dem Moment auf, als ich die Gedenkstätte betrat und die Sonne strahlte. Die Ausstellung war jedoch die zwei Stunden, die ich in der Sonne hätte verbringen können, wert. Da ich beschlossen hatte die Stadtführung einfach allein zu machen, war mein nächster Punkt das Haus von Dr. Kandt, dem deutschen Stadtgründer Kigalis, in dem sich mittlerweile ein Naturkundemuseum befindet. Als ich dort ankam sagte man mir, dass das Museum heute auf Grund von Vermessungsarbeiten geschlossen sei. Ich brach meine Stadtführung ab, verfluchte Ruanda und begab mich in die nächstbeste Bar um mich volllaufen zu lassen. Nach zwei Bieren fiel mir ein, dass das allein in einem fremden Land vielleicht doch nicht die beste Idee ist und so ging ich nach Hause. Unterwegs organisierte ich mir noch einen Taxifahrer, was leichter gesagt, als getan war. Denn auf die Frage „Do you speak English?“ antworteten alle mit „Yes.“, verstanden jedoch nie, was ich eigentlich wollte. Nach Ewigkeiten fand ich einen Taxifahrer, der 30 Jahre lang in Uganda gearbeitet hatte. Am Morgen darauf um Punkt fünf war mein Taxifahrer da um mich zum Nyabugogo Taxipark zu bringen. Da ich den Taxifahrer für 5.15 bestellt hatte, war ich natürlich noch nicht fertig, da ich nicht damit gerechnet hatte, dass ein afrikanischer Taxifahrer überpünktlich ist. 5.24 saß ich dann endlich im Kampala Coach und knapp eine halbe Stunde später traten wir den Rückweg an. Die Straße führte durch die hügelige Landschaft Ruandas, die um diese Zeit noch ganz im Nebel versunken war. Als ich gerade eingeschlafen war, klingelte mein Handy – mein Chef. Er wollte wissen wo ich gerade sei und ob ich denn heute schon aus Ruanda zurückkomme. Dies halte er für besser, denn es gebe große Spannungen zwischen Deutschland und Ruanda und selbst der deutsche Botschafter sei des Landes verwiesen worden. …zum Glück war es nur noch eine Stunde bis Uganda. An der Grenze in Katuna bemerkte ich, dass Sarah genau vor mir im Bus saß. Die US-Amerikanerin habe ich in meiner ersten Woche in Uganda kennen gelernt und wir wollten sogar schon mal zusammenziehen. Zufälle gibt’s. Als ich gegen vier das erste Schild sah, auf dem Kampala stand, war ich überglücklich. Ich schaute endlich wieder in strahlende Kindergesichter, die Straßen waren das reinste Verkehrschaos und die Sonne schien. Als ich aus dem Fenster schaute fiel mir eine Zeile aus einem Lied ein: „Ich rieche den Dreck, ich atme tief ein und dann bin ich mir sicher wieder zuhause zu sein.“ Eigentlich mag ich das Lied nicht besonders, aber irgendwie hat diese eine Zeile genau das ausgedrückt, was ich dem Moment gedacht habe…

Donnerstag, 6. November 2008

Obamaeuphorie.

Seit gestern denken alle Ugander, dass sie die Welt regieren. Das ist ziemlich witzig. Sie sind unglaublich stolz, dass ein Halb-Ostafrikaner Präsident geworden ist. In Kenia war heute sogar Nationalfeiertag deshalb. Aber ich kann die Afrikaner verstehen. Mir ging es ja nicht anders, als Angie an die Macht kam… Eine Frau wird Bundeskanzler - und dann auch noch aus dem Osten! Darum freue ich mich einfach mit ihnen. …und nebenbei bemerkt bringt die ganze Obama-Deko ein bisschen Abwechslung und ist tausendmal schöner als diese schreckliche Weihnachtsdeko die seit einer Weile alle Supermärkte schmückt…

Montag, 3. November 2008

Waragi.

Ich traute meinen Augen kaum als am Montag alle vier Studenten aus dem Literaturwissenschaftskurs pünktlich da waren (und mit pünktlich meine ich nicht die afrikanische Pünktlichkeit…)! Mit was auch immer William (der Koordinator für Deutsch) ihnen gedroht hat – es hat gewirkt. Dieses Anwesenheitserfolgserlebnis musste natürlich am Abend ordentlich begossen werden: mit Waragi-Cola zur Raggaeseassion vorm National Theatre und anschließend im Cascades. (…zum Glück habe ich dienstags frei…) Ein wenig verkatert erkundeten Judith und ich am Dienstag den Owino Market, Kampalas größten Markt für Textil- und Gebrauchsartikel. Der Markt ist so riesig, dass es unmöglich war den Ausgang zu finden, ohne nach dem Weg zu fragen… Völlig erschöpft von dem langen Fußmarsch durch die vielen kleinen Marktgassen gönnten wir uns in der Stadt erstmal ein Bier. Irgendwann bekam ich eine SMS in der stand, dass Jane leider keine Zeit habe und der Lugandakurs am Abend deshalb ausfalle. Passender hätte es nicht sein können! So konnte ich zum ersten Mal Jonas’ Stück (ich schreibe Stück, weil es schwer zu definieren ist. Irgendwas zwischen modernem afrikanischem Tanz, Ballett und Theater) komplett sehen. Da ich schon etliche Male bei den Proben war hatte ich große Erwartungen, die jedoch weit übertroffen wurden. Das Stück war der Wahnsinn! Ich freue mich schon auf die Premiere im Dezember.
Am Mittwoch sollte die feierliche Übergabe der Stipendienurkunden des DAAD an ugandische Studenten stattfinden. Und sie fand auch statt – mit einem einzigen von über sechzig geladenen Stipendiaten. Das war zwar sehr schade, wenn man an die Vorbereitung und Planung der Feier denkt, jedoch blieb eine Menge Essen übrig, das wir uns zum Trost liebevoll verpackt mitnehmen durften. Am Abend stand Kuchenbacken für Amis’ Geburtstag auf dem Programm: Erdnuss-Schoko- und Ananas-Bananen-Schoko-Kuchen mit vielen bunten Schokolinsen darauf. Nachdem ich am Donnerstag Judiths Stunde vertreten und Phonetikunterricht gegeben hatte, feierten wir zuhause Kindergeburtstag. Es gab die Kuchen, die ich gebacken hatte, heißen Kakao, jede Menge Luftballons und außerdem einen überglücklichen Amis und vier gut gelaunte, wenn auch sehr schüchterne, Partygäste. :)
Freitagnachmittag war wieder German Club und diesmal waren wir gut auf deutsche Musik vorbereitet. Wir hörten “Ein Kompliment” von den Sportfreunden und es wurde fleißig übersetzt, gelacht und natürlich gesungen. [Anmerkung: Katharina, diesmal kannst du dich nicht über die Musikauswahl beschweren!] Auf der Fahrt mit dem Boda nach Hause fiel Judith fast kreischend runter, weil sie sich so erschrocken hatte. Links neben uns erschien plötzlich ein anderes Boda auf dem ein Typ mit Scream-Maske saß. Das war aber glücklicherweise auch das einzige Halloween-Erlebnis an diesem Tag. :) Nach dieser anstrengenden Woche ließen wir uns im Steak-Out richtig volllaufen, was zur Folge hatte, dass ich Samstag bis Nachmittag meinen Rausch ausschlief. ;) Nach dem Frühstück wollte ich zu Judith zum Kaffeekränzchen, als Sylvia mit Saidi auf dem Arm in der Küche erschien und mir von ihrer Zahn-OP erzählte. Da Ramadan nicht da war nahm ich ihr Saidi ab, damit sie sich auch mal ein paar Stunden ausruhen konnte und fuhr babysittend zu Judith. Ich schaffte es fast wieder zu Hause zu sein, bevor Saidi die Schnauze voll hatte, weil er müde war und beschloss die restliche Autofahrt zu schreien… Sonntagmorgen kam Elli zum Frühstück vorbei. Wir wollten schwimmen gehen, doch es war ziemlich kalt und außerdem regnete es. So saßen wir bis zum Nachmittag auf der Veranda und gingen schließlich doch schwimmen. Bereits nach den ersten Bahnen bemerkte ich, dass ich einen ziemlichen Muskelkater im rechten Arm hatte. Saidi ist ganz schön schwer…
[Randbemerkung: EINEN GANZ DICKEN KUSS UND EIN RIESIGES DANKESCHÖN AN MUTTI UND VATI! (Näheres dazu wenn ich den 16.12. überlebt habe. :))]