Gestern Abend fuhr ich mit einem Taxi zum hellblauen Gartentor in der Ismail Road im Stadtteil Mbuya, der im Osten Kampalas liegt. Dort wurde ich freudig von Iris und Ramathan empfangen, die mir sofort halfen mein Gepäck, das sich nach den drei Wochen hier mittlerweile fast verdoppelt hatte, in mein Zimmer zu bringen – mein eigenes Zimmer! Nach einer endlos erscheinenden Suche habe ich es endlich gefunden! Es befindet sich in einem riesigen Haus, das bis jetzt nur von Iris, meiner französischen Mitbewohnerin, bewohnt wurde. Wobei das nicht ganz richtig ist, denn im Anbau des Hauses, der über den Hinterhof zu erreichen ist, wohnt Ramathan mit seiner Frau Sylvia und den Kindern Amis (ihr kleiner Sohn, den ich auf fünf Jahre schätze) und Saidi (ihr Baby, das den ganzen Tag auf Mamas Arm verbringt). Die Familie kümmert sich rund um die Uhr um Haus und Garten. Sylvia wäscht Wäsche, erledigt sogar den Abwasch und putzt das Haus, während Ramathan den Sicherheitsdienst ersetzt und außerdem den Garten und die Veranda sauber hält. Ein weiterer “Mitbewohner” ist Schmusekater Che, der durch das Wohnzimmerfenster ein uns aus geht. Durch das Wohnzimmerfenster, und auch durch die Haustuer, gelangt man auf die Veranda, von der eine Treppe in den großen jungelartigen Garten führt. Das Haus an sich besteht aus einem großen Wohn- und Esszimmer, einer Küche mit Waschmaschine (und die hebe ich besonders hervor, da Waschmaschinen in Uganda zu den Luxusgütern gehören, die sich nur die Wenigsten leisten können – normalerweise wäscht man selbst per Hand Wäsche oder aber lässt sie vom Hausmädchen waschen), vier Schlafzimmern (wovon zwei nur einen Wandschrank besitzen und eins komplett möbliert ist, da Iris darin wohnt), zwei Badezimmern und einer Gästetoilette. In meinem Zimmer lag glücklicher Weise eine große Matratze, auf der ich schlafen kann, sodass ich mir nur noch wenige Möbel kaufen musste. Möbel kaufte ich gestern mit Judith in Nsamgya. Dort befindet sich der wahrscheinlich größte Möbelmarkt Kampalas. Rechts und links entlang der Strasse befinden sich kleine Werkstätten, in denen Möbel jeder Art handgefertigt und diese dann direkt an der Strasse verkauft werden. Für knapp 58 Euro (inklusive Transport) wurde ich schließlich mit zwei Regalen (wovon das Kleinere als Bad-, das Größere als Bücherregal dient), einem Schreibtisch und einem Stuhl bis vor die Haustuer gebracht. Obwohl ich mein Zimmer bis spät in die Nacht mit Bildern dekorierte, wirkt es doch noch recht kahl. Darum wollen Judith und ich die restlichen freien Tage bis Montag auf einigen Kunstmärkten nach Dekoartikeln Ausschau halten – freie Tage übrigens deshalb, weil sich bis auf drei Studenten immer noch niemand zum Unterricht gemeldet hat. Es heißt also: warten. Ich frage mich langsam, ob der Unterricht überhaupt noch mal irgendwann beginnt!? Ich hoffe es aber sehr…
Der Unterricht hat noch nicht begonnen, obwohl dies schon vor zwei Wochen geschehen sollte, dafür aber die Regenzeit, die eigentlich erst im September beginnt. Der Weg zum Internetcafe war daher sehr abenteuerlich, da es zehn Minuten nachdem ich das Haus verlassen hatte zu regnen begann. Mein erster richtiger Regenschauer in Kampala! Also öffnete ich meinen Schirm und rannte zu einem Matatu (Matatus sind Sammeltaxis, mit denen man sich hier recht billig fortbewegen kann) um zu fragen, ob es in Richtung Shoprite (ein riesiger Supermarkt in dem sich auch das Internetcafe der Uganda Telecom befindet) fährt (ich fragte deshalb, weil ich mir nicht sicher war, welches die richtige Richtung in die Stadt ist). Nach zehnminütiger Fahrt stellte ich fest, dass mich der Fahrer falsch verstanden hatte und ich in die falsche Richtung gefahren war. Wenigstens musste ich die Fahrt nicht zahlen und konnte im strömenden Regen ein Matatu auf der anderen Straßenseite erreichen. Meine Schuhe sind jetzt zwar nass, aber wenigstens bin ich am Ende da angekommen, wo ich ankommen wollte. Regenzeit ist abenteuerlich – Matatu fahren noch mehr.
(PS: Fotos vom Haus, Garten und Co folgen in den nächsten Tagen.)
Freitag, 29. August 2008
Dienstag, 19. August 2008
In der Garage wohnen.
Immer noch nix zum wohnen gefunden. Das ist aber auch blöd hier. ...dass das alles so kompliziert ist, hab ich mir ja nicht gedacht. Das Zimmer, das ich mir gestern angeschaut habe ist ganz ok... Halt sehr afrikanisch irgendwie. Allerdings gibt es nur so eine Loch-im-Boden-Toilette. Da hab ich ja keine Lust drauf. Und ich müsste mir jetzt eine Woche lang ein Bett mit einer anderen Europäerin teilen! Hallo? Ich teile doch mein Bett nicht mit Jemandem! Und das Apartment, was ich mir abends angeschaut habe kostet satte 1500 US-Dollar im Monat...für drei Schlafzimmer. ...na das fällt ja dann wohl auch aus. Also wohne ich jetzt erstmal eine Woche in Judiths Garage.
Apropos Fotos... Ihr müsst euch vorstellen, dass die Internetgeschwindigkeit hier mit der eines Modems vergleichbar ist... Und das daaaaauert. Habs heut mal versucht. Also werde ich demnächst ein paar Fotos auf Judiths Laptop verkleinern und dann versuche ich es noch mal, ihr Nervensägen! :)
Und jetzt schaue ich mir Lisas Blog auch endlich mal an, weil ich jetzt Zeit habe. :) Sorry Lisa, dass ich es nicht eher geschafft habe.Heut Abend koche ich zusammen mit Judith irgendwas mit Zucchini und Nudeln. Und morgen geht die Arbeit dann auch endlich mal los! ...hoffe ich.
Apropos Fotos... Ihr müsst euch vorstellen, dass die Internetgeschwindigkeit hier mit der eines Modems vergleichbar ist... Und das daaaaauert. Habs heut mal versucht. Also werde ich demnächst ein paar Fotos auf Judiths Laptop verkleinern und dann versuche ich es noch mal, ihr Nervensägen! :)
Und jetzt schaue ich mir Lisas Blog auch endlich mal an, weil ich jetzt Zeit habe. :) Sorry Lisa, dass ich es nicht eher geschafft habe.Heut Abend koche ich zusammen mit Judith irgendwas mit Zucchini und Nudeln. Und morgen geht die Arbeit dann auch endlich mal los! ...hoffe ich.
Montag, 18. August 2008
Angekommen.
Nach einer 24-stündigen Anreise bin ich endlich angekommen. Die Zugfahrt und die Flüge waren in Ordnung – bis auf den letzten Flug von Addis Abeba nach Entebbe, bei dem ich zwischen einer übergewichtigen Afrikanerin zu meiner Linken und einem übergewichtigen Chinesen zu meiner Rechten eingequetscht auf dem mittleren Sitz saß. Dafür gab es ein leckeres Essen und deutsche Erdbeermarmelade. :) Am Makerere University Guesthouse angekommen nahm mich gleich Herr Heusing, mein Chef, in Empfang.
Die nächsten zwei Tage verbrachte ich mit dem Erkunden meiner neuen Heimat zu Fuß und fühlte mich, je länger der Fußmarsch dauerte, immer mehr wie ein Fremder. Die Menschen hier sind zwar alle sehr nett und nicht allzu aufdringlich, jedoch starren einen die meisten an, als ob man einer vom aussterben bedrohten Tierart angehört.
Freitag kam schließlich “weiße Verstärkung” aus Deutschland. Schon war meine, den gesamten Vormittag andauernde erfolglose Suche nach der Nanfumbambi Road, auf der sich vielleicht (wie ich zu dem Zeitpunkt noch dachte) mein zukünftiges Hostel befindet, vergessen. Nach einem leckeren Mittagessen mit Judith, der deutschen DAAD-Sprachassistentin aus Kiel, und Herrn Heusing in der Lugogo Mall, verbrachte ich den restlichen Tag in Judiths WG, in der neben ihr noch eine Franzosin, zwei Italiener, eine Belgierin (heißen die so?), ein Amerikaner und ein Ugander wohnen. Es gab selbstgekochtes Abendbrot und es wurde bis spät in die Nacht gequatscht, bis mich schließlich ein Taxi ins Bett brachte.
Samstag verbrachten Judith und ich bis es dunkel wurde den Tag bummelnd in Kampala.
Gestern schaute ich mir alle Hostels in Uninähe an, von denen eins schlimmer als das andere war. Sie waren zwar recht billig (die meisten um die 200 Euro für vier Monate), aber so sahen sie auch aus. Meist waren es außerdem Doppelzimmer. Ein einziges Hostel sagte mir sofort zu, war aber bereits ausgebucht. Am Abend gab es einen internationalen Grillabend in Judiths WG, in der ich auch in der Gästezimmergarage übernachtete.
Heute war ich mit Judith in der Lugogo Mall frühstücken und dann werde ich mir noch ein weiteres Zimmer anschauen. In das werde ich auch einziehen, egal wie es aussieht, denn das Guesthouse, in dem ich zur Zeit wohne, ist einfach zu teuer, außerdem hat es mir eine Deutsche im StudiVZ empfohlen, also kann es wohl nicht allzu schlimm sein. Am Abend werde ich mit Sarah, einer Amerikanerin, die auch in meinem Guesthouse wohnt, ein möbliertes Apartment in Judiths Nähe besichtigen. Vielleicht ist das ja total super und nicht allzu teuer und ich ziehe mit Sarah ein. Wer weiß.
Die Arbeit geht übrigens wahrscheinlich am Mittwoch los. Herr Heusing wusste das noch nicht so genau, weil noch nicht feststeht, wie viele zu unterrichtende Studenten es dieses Jahr überhaupt gibt. Mittwoch ist auf jeden Fall erstmal ein Treff im Büro und dann kann ich mir auch gleich mal das German Department anschauen.
Bis dahin heißt es: Freizeit genießen und endlich eine bezahlbare Bleibe finden!
Die nächsten zwei Tage verbrachte ich mit dem Erkunden meiner neuen Heimat zu Fuß und fühlte mich, je länger der Fußmarsch dauerte, immer mehr wie ein Fremder. Die Menschen hier sind zwar alle sehr nett und nicht allzu aufdringlich, jedoch starren einen die meisten an, als ob man einer vom aussterben bedrohten Tierart angehört.
Freitag kam schließlich “weiße Verstärkung” aus Deutschland. Schon war meine, den gesamten Vormittag andauernde erfolglose Suche nach der Nanfumbambi Road, auf der sich vielleicht (wie ich zu dem Zeitpunkt noch dachte) mein zukünftiges Hostel befindet, vergessen. Nach einem leckeren Mittagessen mit Judith, der deutschen DAAD-Sprachassistentin aus Kiel, und Herrn Heusing in der Lugogo Mall, verbrachte ich den restlichen Tag in Judiths WG, in der neben ihr noch eine Franzosin, zwei Italiener, eine Belgierin (heißen die so?), ein Amerikaner und ein Ugander wohnen. Es gab selbstgekochtes Abendbrot und es wurde bis spät in die Nacht gequatscht, bis mich schließlich ein Taxi ins Bett brachte.
Samstag verbrachten Judith und ich bis es dunkel wurde den Tag bummelnd in Kampala.
Gestern schaute ich mir alle Hostels in Uninähe an, von denen eins schlimmer als das andere war. Sie waren zwar recht billig (die meisten um die 200 Euro für vier Monate), aber so sahen sie auch aus. Meist waren es außerdem Doppelzimmer. Ein einziges Hostel sagte mir sofort zu, war aber bereits ausgebucht. Am Abend gab es einen internationalen Grillabend in Judiths WG, in der ich auch in der Gästezimmergarage übernachtete.
Heute war ich mit Judith in der Lugogo Mall frühstücken und dann werde ich mir noch ein weiteres Zimmer anschauen. In das werde ich auch einziehen, egal wie es aussieht, denn das Guesthouse, in dem ich zur Zeit wohne, ist einfach zu teuer, außerdem hat es mir eine Deutsche im StudiVZ empfohlen, also kann es wohl nicht allzu schlimm sein. Am Abend werde ich mit Sarah, einer Amerikanerin, die auch in meinem Guesthouse wohnt, ein möbliertes Apartment in Judiths Nähe besichtigen. Vielleicht ist das ja total super und nicht allzu teuer und ich ziehe mit Sarah ein. Wer weiß.
Die Arbeit geht übrigens wahrscheinlich am Mittwoch los. Herr Heusing wusste das noch nicht so genau, weil noch nicht feststeht, wie viele zu unterrichtende Studenten es dieses Jahr überhaupt gibt. Mittwoch ist auf jeden Fall erstmal ein Treff im Büro und dann kann ich mir auch gleich mal das German Department anschauen.
Bis dahin heißt es: Freizeit genießen und endlich eine bezahlbare Bleibe finden!
Mittwoch, 6. August 2008
...noch 5 Tage.
Es sind noch fünf Tage bis zum Abflug.Eigentlich müsste ich so aufgeregt sein, dass ich tagsüber durch mein Zimmer springe und nachts kein Auge zu bekomme. Ist aber alles nicht so. Ich schlucke einfach brav meine Medikamente, wie es mir der Arzt verordnet hat, packe in aller Ruhe meine Sachen, die sich so in meinem Zimmer angesammelt haben und realisiere noch gar nicht, dass ich schon nächste Woche in den Flieger steige. Vielleicht bemerke ich morgen eine emotionale Veränderung, wenn ich mein Zimmer für immer abgebe, vielleicht ist die emotionale Veränderung, wenn es denn eine geben sollte, dann aber auch medizinisch bedingt, da ich gestern eine Hepatitis A-Impfung bekommen, meine zweite Cholera-Schluckimpfung eingenommen und mit der Malariaprophylaxe angefangen habe und wer weiß, wie sich das alles in meinem Körper verträgt... Vielleicht passiert aber auch gar nichts und ich merke erst im Flugzeug, dass es kein Zurück gibt. Auf jeden Fall möchte ich mich heut schon mal verabschieden.
Also: Machs gut, Chemnitz. Es war schön mit dir. ...und nicht traurig sein, wir sehen und ja im Januar wieder. ;)
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