Mittwoch, 25. Februar 2009

Paraguayischer Aberglaube.

In Paraguay leben noch immer Guaranís, die Ureinwohner Paraguays, Boliviens, Argentiniens und Brasiliens, und mit ihnen leben ihre Traditionen, ihr Glaube und ihre Sagenwelt. So haben viele Paraguayer einen speziellen Glauben was Geister betrifft…denn Geister gibt es und an ihrer Existenz wird nicht gezweifelt. Im Speziellen gibt es neun mythologische Wesen, von deren Existenz die Guaraní überzeugt sind. Einer von ihnen ist Pombero. Dieser kleine Zwerg wird auch „Herr der Nacht“ genannt, da er nachts die Häuser beschützt – vorausgesetzt man bringt ein Opfer dar: Tabak, Honig oder Kaña (paraguayischer Zuckerrohrschnaps). Und dieses Opfer ist am nächsten Tag wirklich verschwunden… Eine weitere Sagengestalt ist Kurupí. Er ist der fünfte Sohn von Taú und Kerana und hat die Gestalt eines erwachsenen Mannes dessen Penis als Gürtel um den Bauch geschlungen ist. Vor ihm fürchten sich vor allem Frauen und Mädchen, denn Kurupí vergewaltigt im Dunkeln. Darum verlassen Guaraní-Frauen im Dunklen nur selten das Haus. Und so gibt es zu jeder Gestalt eine kleine Geschichte und man hat immer jemanden auf den man die Schuld schieben kann wenn etwas Schlechtes passiert oder nicht funktioniert. Sogar bei uns im Goethe Zentrum gibt es einen Geist, das hat mir Caroline gestern überzeugt erzählt. Sie hat sie auch schon zweimal gesehen - eine große helle Frauengestalt… Sie klopft oft bei Caroline an die Tür und will am Unterricht teilnehmen, außerdem hüpft sie gern in leeren Räumen über Carolines Büro und hält nachts die Nachtwächter vom Schlafen ab, indem sie Krach macht. …und so leben die Geister, Gespenster und Sagengestalten inmitten der Menschen und werden von allen akzeptiert. …und mittlerweile finde ich es sogar ein bisschen unheimlich auf Arbeit zu gehen. ;)

Sonntag, 22. Februar 2009

Das Goethe Zentrum und der Karneval in Encarnación.

Mittlerweile bin ich nicht mehr ganz so orientierungslos, denn Anita hat mir ihren Stadtplan geborgt und ich hab auch schon viele nette Menschen kennen gelernt. Diese Woche war ich jeden Tag im Goethe Zentrum arbeiten. Also natürlich erstmal nur hospitieren - aber dafür jeden Tag in drei Kursen und immer bis abends halb 9. …dann ist die Hitze wenigstens einigermaßen auszuhalten. :) Als mein Praktikum am Montag anfing war ich total positiv überrascht – das Goethe Zentrum ist mit allem ausgestattet, was man sich nur wünschen kann: in jeden Klassenzimmer gibt es einen Ventilator, eine Klimaanlage, eine Tafel, Fernseher mit Videorekorder, DVD-Player und ein Kassetten- und CD-Player. Das hatte ich wirklich nicht erwartet… Und auch der Unterricht! Klasse. Die meisten Lehrerinnen unterrichten fast ausschließlich einsprachig und sehr handlungsorientiert, die Schüler sind total motiviert und meine Kollegen alle nett! Caroline, meine Chefin, wirkt wie eine nette Tante im Klassenraum und ist eine super Lehrerin, auch wenn sie in ihrer Freizeit computersüchtig ist und jede freie Minute nutzt um zu chatten und zu rauchen. Aber niemand ist perfekt. ;)
Ansonsten war ich abends ab und zu mal weg. Mit Anita, ihrer Schwester und Jose Luis in einer Bar lecker paraguayisch essen und Bier trinken. Die Bierflaschen hier sind der Knaller! Die sind so riesig, da passen 960 ml Bier rein! Ja und ich war mal im Britania, einem netten britischen Pub unter deutscher Leitung. ;) Freitagabend haben Vanessa (meine schwäbische Zimmernachbarin), Maria Julia (eine supernette Argentinierin, die ich im Juni in Buenos Aires besuche) und ich einen Mädelsabend in der Pension gemacht - im Pool mit Rum über Männer herziehen – so ein Spaß! ;) Am darauf folgenden Samstag konnte ich lange schlafen, weil ich mich erst zu Mittag mit Vanessa und Marcel am Busterminal traf um nach Encarnación zum Karneval zu fahren. In Encarnación gibt es den größten Karneval in ganz Paraguay und da Samstag das letzte Mal Karneval war, mussten wir das natürlich erleben. Da knapp fünf Stunden Fahrt nach Encarnación sind, war das nur in einem Bus mit Klimaanlage auszuhalten – leider fiel die Klimaanlage auf der Hälfte der Strecke aus. Dafür ist es im Süden Paraguays wesentlich kühler als in Asunción und so war es wenigstens eine Abkühlung aus dem Bus zu aussteigen. ;) Vom Busbahnhof war es nicht weit in unser Hotel. Wir hatten das billigste noch freie Hotel in Encarnación gebucht und so war es auch – billig. ;) Aber zum Schlafen war es ok, denn es gab immerhin Betten. Auf dem Weg zum Karneval kauften wir Schaum, denn kein paraguayischer Karneval ohne Schaum! Ich kaufte mir außerdem eine Brille, um meine Augen vor dem Schaum zu schützen, und obwohl die Brille ziemlich bescheuert aussah, war ich am Ende des Abends sehr froh sie gehabt zu haben. :) Der Karneval an sich war toll, aber schwer zu beschreiben. Es gab viele bunte Wagen und schöne halbnackte Frauen. Der Wagen, der am auffälligsten war, die meiste Aufmerksamkeit erregte und die beste Stimmung verbreitete war der des Club Alemán de Encarnación - es gab natürlich Freibier und alle Männer hatten Deutschlandtrikots und Lederhosen an.













Nächste Woche werde ich weiter hospitieren und dann fangen ja auch bald die neuen Kurse an. …und da krieg ich dann einen Anfängerkurs ganz für mich alleine. :D

Freitag, 13. Februar 2009

Bye, bye Beiersdorf.

…hola Asunción!
Nach 24-stündiger Reise bin ich endlich angekommen. Die Reise kam mir gar nicht so lang vor, da ich zu den glücklichen Menschen gehöre, die selbst in den unbequemsten Posen gut schlafen können. …und das habe ich auch die meiste Zeit gemacht. Außerdem habe ich viele nette Menschen am Flughafen und in den Flugzeugen getroffen. Auf dem Flug von Frankfurt nach Sao Paulo haben mich die Füchse von meiner Fluggesellschaft TAM neben eine seit 14 Jahren in Karlsruhe lebende Paraguayanerin gesetzt. Sie gab mir auch gleich wichtige Überlebenstipps. „Vertraue niemals Taxifahrern oder der Polizei in Paraguay! Ist zwar traurig, aber ist so.“ Gut, dass der gutgläubigen Christina so was vor der Reise gesagt wird. :) Im Flugzeug nach Asunción traf ich einen englisch könnenden Brasilianer, mit dem ich mich die meiste Zeit nett unterhielt. In Asunción angekommen wurde ich gleich von Anita, der Sekretärin des Goethe Zentrums, und ihrem Freund José Luis abgeholt. Sie fuhren mich gleich zu einer Bank und ich kaufte mir eine Prepaidkarte. In der Pension (http://pension-asuncion.blogspot.com) angekommen begrüßte mich Pensionsbesitzer Peter. Da Peter ein deutscher Rentner ist, hatte ich bis hierhin keine Schwierigkeiten mit der Sprache… Die begannen dann am Nachmittag beim Einkaufen. Meine Antworten auf alle Fragen der Kassiererin waren ein Lächeln. Sie hält mich bestimmt für doof oder schwerhörig, aber da muss ich wohl durch. Abends hatte ich dann Probleme ins Internet zu kommen. Irgendwie funktionierte das nicht. Zum Glück half mir Ingolf, indem er mir seinen Wireless Access Point auslieh und mir alles einrichtete… Ach ja, was Männer nicht alles für ein hilfloses Mädel tun. :) Heut morgen gab es Frühstück, das so war wie ich es erwartete, da mein Spanischlehrer bereits vom spanischen Frühstück berichtete. Es gab Kaffee, Toast mit Butter und Marmelade und frisch gepressten Orangensaft. Zwar gab es keine herzhaften Sachen, aber Käse einkaufen habe ich ja bereits gestern erledigt… Als, ich habe leider ihren Namen vergessen, die Köchin der Pension beim Frühstückstisch auf mich zukam und mit mir reden wollte, konnte ich meinen ersten spanischen Satz sagen: Lo siento, no hablo espaniol (Tut mir leid, ich spreche kein Spanisch.). Sie war zwar ein bisschen enttäuscht, aber wir konnten uns doch in Gestik-Sprache unterhalten. :) In wenigen Minuten wird mich Anita zum Mittagessen abholen und mir hoffentlich zeigen, wo ich einen Stadtplan kaufen kann… Ich bin total desorientiert, dass muss sich ändern!

Sonntag, 8. Februar 2009

Mein Weihnachtsgeschenk.

Ja, es ist eine Weile her seit dem letzten Eintrag, aber wir wissen ja alle wie schnell die Zeit vergeht wenn man wieder zuhause ist und all die lieben, tollen Menschen um sich hat, die man so lange nicht gesehen hat... Hier also nachträglich der Bericht der fehlenden Woche:
In der letzten Woche in Uganda habe ich mein Weihnachtsgeschenk eingelöst. Am 4. November hatten mir meine Eltern ein Gorillapermit geschenkt - mit diesem Gorillapermit kann man am Gorillatracking im Bwindi Impenetrable Nationalpark teilnehmen. In diesem Nationalpark leben 340 Berggorillas. Das ist fast die Hälfte der Weltgesamtpopulation. Vier Berggorillagruppen im Bwindi Nationalpark sind habituiert, d.h. an den Menschen gewöhnt. Es dauert zwei (!) Jahre bis eine Gorillagruppe an den Menschen gewöhnt ist. Ich hatte wahnsinniges Glück noch ein Permit zu erhalten, da diese üblicherweise bereits eine Ewigkeit vorher gebucht werden. Da das Gorillatracking am 16. Dezember war, fuhr ich einen Tag vorher mit dem Gatewaybus nach Buhoma. Gateway ist die einzige Busfirma die in den Bwindi Impenetrable Nationalpark fährt – und so hatte ich keine andere Wahl, obwohl der Bus äußerlich nicht gerade zum Mitfahren einlud... Der Bus fuhr fast pünktlich kurz vor acht Uhr (um sieben sollte er fahren...). Bereits gegen Mittag hatten wir unsere erste Panne. Die hinteren Bremsen mussten getauscht werden. Da es in Uganda kein ATU gibt und anscheinend auch sonst keine andere Werkstatt in der Nähe war, hieß das Motto „Selbst ist der Mann.“ und so wurden einfach aus alten Schrottteilen neue Bremsen gebaut. Nach zwei Stunden konnten wir endlich weiterfahren. Ich schlief die meiste Zeit und wurde hin und wieder von einem Huhn geweckt, das hinter mir saß und es andauernd schaffte sich aus einer Reisetasche zu befreien und unter meinem Sitz nach vorn zu laufen... Als es bereits dunkel war hatten wir eine erneute Panne. Diesmal musste ein Reifen gewechselt werden. Im Dunkeln und ohne Wagenheber ist dies jedoch leichter gesagt als getan. Ich war so müde nach der langen Fahrt auf der zum größten Teil unbefestigten Straße, dass ich nur noch schlafen wollte. Vorm Bus traf ich Tim, ein Australier, der die gleiche Gorillafamilie wie ich gebucht hatte und auch im Buhoma Community Rest Camp übernachten wollte. Nach kurzer Zeit hielt ein Pick-Up an und nahm uns ins Camp mit. Um neun aßen wir Abendbrot und fielen erschöpft in unsere Betten im sonst leeren Schlafsaal. Am nächsten Morgen gab es halb acht Frühstück und danach wurden alle Trackingteilnehmer auf der Wiese vorm Camp in Gruppen geordnet. Es folgte eine lange Erklärung und Belehrung und dann ging es endlich los. Da sich Gorillagruppe MUBARE ein Stückchen weiter weg vom Camp aufhielt, fuhr meine Gruppe ein Stück mit einem Minibus. Nach einer Weile stiegen wir aus und wanderten durch die vulkanische Berglandschaft. Bereits nach einer halben Stunde Wanderns hoffte ich sehr, dass der schlimmste Fall, nämlich dass man sechs Stunden suchen muss um die Gorillas zu finden, nicht eintritt. Ich war total außer Puste und verfluchte meine Raucherlunge bei jedem Schritt… Unser Führer David hatte während der Wanderung immer wieder Funkkontakt mit drei anderen Führern, die bereits vor uns losgewandert waren um den Spuren der Gorillas vorm Vortag zu folgen. Sie navigierten uns in die richtige Richtung. Nach einer Weile verwandelte sich die Wiesen-und-Acker-Landschaft in einen dichten Regenwald. Wir – oder besser David mit seiner Panga (so ein langes gebogenes Messer) - schlugen uns durch dichtes Gestrüpp und irgendwann drehte sich David um und sagte „Pssst.“. Alle waren still. Wir hatten die Gorillas gefunden! Und das nach nur anderthalb Stunden. Wir gaben unsere Rucksäcke bei den Guides ab, tranken noch einen Schluck und jeder hatte seine Kamera griffbereit. Nach nur drei Schritten waren wir da – und da lagen sie und relaxten. Jedenfalls lag da die Hälfte der Gruppe – denn die Gruppe MUBARE besteht aus elf Mitgliedern, darunter ein Silberrücken. Dieser ließ nicht lange auf sich warten und kam mit den restlichen Gorillas um zu Fressen. Nach der Mahlzeit stand er auf, ging in einer Richtung los und alle folgten ihm – auch wir. Da vier Gliedmaßen schneller sind als zwei hatten wir Mühe hinterherzukommen. Zum Glück hatte der dicke, träge Silberrücken beschlossen hin und wieder eine Fresspause einzulegen… Wir waren die ganze Zeit so dicht an der Gruppe, dass man sie fast anfassen konnte – und dann passierte es. Ich hockte mich zwei Meter vor Kanyonyi, dem siebenjährigen Vizechef der Gruppe, um ihn zu fotografieren, als er plötzlich aufstand, auf mich zukam und mich anfasste. [EIN FREILEBENDER BERGGORILLA HAT MICH ANGEFASST!!!] …da wir uns, wenn der Fall eintritt dass ein Gorilla auf uns zukommt, langsam zurück zur Gruppe bewegen sollten, zog er mir kurz an meiner Jacke und ließ mich zurück zu meiner Gruppe, bevor er sich wieder zu seiner Gruppe gesellte. Nach kurzer Zeit war eine Stunde, die wie im Flug verging, vorbei und wir ließen die Gorillas allein. [Pro Gorillagruppe sind am Tag nur acht Personen für maximal eine Stunde zugelassen.] Wir wanderten zum Camp zurück und waren glücklich und erschöpft. Nach einer erfrischenden Dusche besuchten Tim und ich Ann, eine Irländerin aus unserer Trackinggruppe, die eine Safari über einen Reiseveranstalter gebucht hatte und in einem ziemlich luxuriösen Hotel mit einem gigantischen Ausblick übernachtete. Wir quatschten, tranken Bier und teilten uns zu viert das Abendbrot von Ann und ihrem Fahrer Godfrey, das um Welten besser schmeckte als das in unserem Camp. Am nächsten Morgen nahmen mich Ann und Godfrey zurück nach Kampala. Ich war sehr froh nicht noch einmal mit Gateway fahren zu müssen… Wir nahmen außerdem eine andere Route als der Bus und so schaffte ich es doch noch DAS Touristenfoto schlechthin von mir auf dem Äquator machen zu lassen.
Die letzten Tage in Kampala verbrachte ich zusammen mit Martin auf dem Weihnachtskunstmarkt im Stadtzentrum. Außerdem beaufsichtigte ich ein letztes Mal eine Examensklausur und verabschiedete mich so langsam aber sicher von allen… Am letzten Abend aßen wir mit allen, die bis dahin noch nicht abgereist waren, im Tuhende Abendbrot. Anschließend gingen wir zu Mateos tanzen und verabschiedeten uns schließlich irgendwann voneinander.
Der letzte Morgen in Kampala war ein Sonniger. Kaya war ganz aufgeregt und lief wie verrückt durchs Haus bis der Taxifahrer kam und Martin und mich abholte. Als die letzte Träne weggewischt war fuhren wir. …Ich hätte nicht gedacht, dass ein Abschied für immer so schwer ist…
Am Flughafen angekommen war aller Abschiedsschmerz vergessen, denn wir hatten Ärger mit 30 Kilo Übergepäck… [Ja, wir hatten tatsächlich zusammen 120 kg Gepäck…] Wir warteten und warteten und irgendwann gab uns die Frau am Schalter die Auskunft, dass wir nichts dafür zahlen müssen und alles in Ordnung sei. Danach aßen wir die letzten ugandischen Samosas und traten die Heimreise an. Ab Addis Ababa flogen wir, warum auch immer, in der Buisness Class nach Frankfurt und hatten viel Platz. :) Am 22.12. kam ich schließlich mittags am Dresdner Hauptbahnhof an und wurde von meinen Eltern mit einem Strauß Blumen empfangen. Es war komisch wieder da zu sein. …vor allem aber schön.