Das erste Mal in meinem Leben, dass ich den Tag der deutschen Einheit bewusst gefeiert habe war am Freitag. Schon komisch einen deutschen Nationalfeiertag im Ausland zu feiern… Noch komischer so viele Deutsche auf einem Haufen in Uganda anzutreffen. Und am komischsten waren wohl die vielen Ugander auf der Party, die deutsch sprechen konnten. So hatte man auf jeden Fall die Gelegenheit das absurde Gefühl zu erleben stolz auf seine Herkunft zu sein und außerdem den größten Teil des Abends in seiner Muttersprache zu sprechen. Der Abend war schön und ich war betrunken. Das war allerdings auch nicht schwer, da man den ganzen Abend weder für Getränke noch fürs Essen bezahlen musste (An dieser Stelle danke an alle deutschen Steuerzahler…) Es wurde getanzt, geredet und gelacht und ich habe endlich den deutschen Botschafter getroffen! :) …und außerdem noch weitere nette Menschen, die mir alle ihre Visitenkarte zugesteckt haben. Kontakte knüpfen ist im Ausland immer wichtig... Eine der Visitenkarten gehört zum Beispiel zu Toni, einem bayrischen Bierbrauer, der hier in einer Brauerei arbeitet und mich und Judith zu einer Brauereiführung mit Bier- und Krapfenverkostung eingeladen hat. Wir sollen mit vielen Freunden kommen und uns das Bier schmecken lassen. (…das wäre doch ein netter und billiger Geburtstagsausflug… Mal sehen.)
Am Samstag waren Iris, Martin (ein Rastafari-Freund von Iris), Jonas, Samuel (einer von Jonas’ Tänzern) und ich auf der Geburtstagsparty von Mr. Brown, einem ugandischen Raggae-DJ. Die Feier fand auf dem „Miami Beach“ am Viktoriasee statt. Der Strand war mehr eine große Wiese und hatte irgendwie Nordseeflair, dafür war der Blick auf den Viktoriasee bei Nacht unschlagbar! Es gab ein großes Lagerfeuer und es wurde getrommelt und Gitarre gespielt – bis es anfing zu regnen. Als Rückzugsmöglichkeit diente eine Strandbar. Irgendwann stand ein Ugander auf, die Musik ging aus und alle wurden still. Als ich gerade anfing mich zu wundern, was das alles soll, drehte er sich seiner Mzungu-Freundin zu und machte ihr einen Heiratsantrag. Sie war überglücklich und bejahte den Antrag sofort. Zuhause erzählte ich Sylvia die Geschichte und erwähnte dabei auch, dass die Mzungu-Freundin, im Gegensatz zu ihrem ugandischen Freund, ziemlich dick und auch nicht besonders hübsch war. Sie sagte mir, dass afrikanische Männer alle Mzungufrauen hübsch finden, egal wie sie aussehen. …da sieht man’s mal wieder: Geld macht sexy! :)
Übrigens hatten wir letzte Woche mal irgendwann Affen im Garten. Sie sind durch den ganzen Garten gerannt und auch auf dem Dach rumgeklettert. Laut meines Reiseführers waren es wohl grüne Meerkatzen. Ich fand die Affen sehr witzig und habe sie die ganze Zeit mit Saidi und Kaya beobachtet. Kaya war total aus dem Häuschen! Es war wohl das erste Mal in ihrem Leben, dass sie Affen begegnet ist. Irgendwann hat sie dann alle laut bellend vertrieben. Drei Tage später, als Iris den Fernseher für den aktuellen Monat bezahlt hatte, bekamen wir die Quittung für das „Affentheater“ – der Fernseher funktionierte nicht. Die Affen hatten beim Klettern irgendwas an der Satellitenschüssel zerstört. Also musste ein DSTV-Angestellter kommen und sie reparieren. Der Spaß hat dann 30.000 UgS gekostet – doofe Affen!
An der Uni ist letzte Woche nicht viel passiert, weil Montag kein einziger Student zum Unterricht erschien und Dienstag ein Feiertag (Idi-Day - Ende der Fastenzeit) war. Als Strafe für das allgemeine Schwänzen am Montag, und auch, weil es sowieso mal fällig war, erstellte ich einen Test zur Aufklärung. So bekommt man wenigstens mal ein Feedback, ob der Unterrichtsstoff über deutsche Epochen auch hängen geblieben ist. Außerdem hatte ich am Donnerstag meine erste Phonetikeinheit. Die Stunde ist ziemlich gut verlaufen und hat total Spaß gemacht. Und das nicht nur mir, sondern auch Emanuel und Robert!
Übrigens hat mir Jonas letztens beim Mittagessen den Unterschied zwischen den Deutschen und den Ugandern erzählt: „Die Deutschen existieren - Ugander leben.“ …mittlerweile kann ich das bestätigen…
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